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Körnerleguminosen

Sojazüchtung: Früh reifende Stämme gehen in die Sortenprüfung

AF_Sojabohnenpflanze-Hand
Jürgen Beckhoff
am
12.11.2018

Die neuen Kreuzungen bringen mehr Ertrag im Vergleich zu den derzeitigen Standardsorten. Zudem reifen sie früher ab. Jetzt gehen sie in die Sortenprüfung für Soja.

Für das relativ kühle Klima in Deutschland besteht ein großer Bedarf an früh blühenden und früh abreifenden Sojabohnensorten mit gutem Ertrag. Vielversprechende Zuchtstämme hat die Bayerische Landesanstalt für Landwirtschaft mit etlichen privaten Züchtern entwickelt.

Aus 15.000 Kreuzungen gezüchtet

Die neuen Kreuzungen zeichnen sich durch einen höheren Ertrag im Vergleich zu den derzeitigen Standardsorten Merlin und ES Mentor aus. Zudem reifen sie früher ab. Weitere Stämme liefern bei ähnlich früher Abreife wie die Standardsorten bessere Proteinerträge. 

Selektiert wurden sie aus über 15.000 Kreuzungen europäischer Sorten, die bis zur fünften Generation geführt wurden. Erstmals haben die Züchter molekulare Marker eingesetzt für die Merkmale Blüte und Reife. Die weitere Anpassung ans hiesige Klima lässt sich damit schneller und kostengünstiger erreichen. 

In der Leistungsprüfung lag der Schwerpunkt vor allem auf Kornertrag und Abreife. Weiter wurden per Nahinfrarotspektroskopie (NIRS) auch wichtige Größen für die Futterqualität bestimmt. Dazu zählt etwa der Gehalt an Protein, Öl, wertbestimmenden Aminosäuren und Trypsininhibitoren.

Neue Sojasorten in zwei bis drei Jahren verfügbar

Einige der selektierten Sojastämme sind bereits für die Sortenzulassung angemeldet. Oder sie befinden sich in der Vorbereitung. So könnten die neuen Sorten in etwa zwei bis drei Jahren auf den Markt kommen. 

Das entwickelte Zuchtmaterial ist für die am Projekt beteiligten Firmen frei verfügbar. Sie können es für eigene Sorten nutzen. Zudem setzt die für die Studie aufgebaute LfL-Arbeitsgruppe Sojabohne ihre Arbeit über das Projektende hinaus fort. Das Projekt wurde vom Bundeministerium für Ernährung und Landwirtschaft im Rahmen der Eiweißpflanzenstrategie gefördert.

Marktchancen: Noch viel Potenzial für Körnerleguminosen

Das gilt auch für das Projekt zum Demonstrationsnetzwerk Erbse/Bohne DemonNetErBo. Dafür wurde die Förderung gerade um weitere zwei Jahre verlängert. Derzeit füttern Landwirte Körnerleguminosen vor allem im eigenen Betrieb. Heimischen Anbau fragenFutter- und Lebensmittelhersteller durchaus nach. Dabei zählen Regionalität und GVO-Freiheit. Für Bodenfruchtbarkeit, Unkrautmanagement und Biodiversität sind Leguminosen ein Gewinn.

Allerdings wachsen bisher nur auf 1,6 Prozent der Ackerfläche in Deutschland Erbse, Bohne, Soja oder Lupine. Da ist noch viel Potenzial. Die Agrarumweltprogramme zu vielfältigen Fruchtfolgen zeigen, dass zehn Prozent Körnerleguminosen in der Fruchtfolge stehen könnten. Auf die gesamte deutsche Ackerfläche umgerechnet wären das rund 1 Mio. ha.

Allerdings sind die Preise für die Anbauer meist zu niedrig. Die Futtermittelhersteller zahlen nicht mehr, weil ihre Kosten oft zu hoch sind. Immer mehr Landwirte entwickeln darum selbst Konzepte. Sie gehen über die eigene Vermarktung von Fleisch, Wurst oder Eiern. So kommen Angebot und Nachfrage zusammen.

Mit Material von BLE, LfL, FiBL

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