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Einkommensalternative

Süßlupinen: Mehr als Muckefuck

Lupinenhülse
am Freitag, 22.05.2020 - 11:07 (Jetzt kommentieren)

Süßlupinen sind eine Nische. Aber sie sind nährstoffreich und bieten vielfältige Vermarktungsmöglichkeiten. So funktioniert der Anbau der heimischen Soja-Alternative.

Während die Sojabohne als Leguminose auch auf deutschen Äckern immer mehr gefragt ist, fristen Lupinen bislang noch ein Schattendasein. Obwohl reich an Nährstoffen, sind sie in Deutschland als Lebensmittel weitestgehend in Vergessenheit geraten. Der oft hohe Gehalt an Bitterstoffen, sogenannten Alkaloiden, stellte lange Zeit ein Problem dar.

Süße Lupinen

Mittlerweile gibt es alkaloidarme und somit für den Verzehr geeignete Sorten auf dem Markt. Diese werden nicht wegen ihres süßen Geschmackes, sondern wegen des geringen Gehalts an Bitterstoffen Süßlupine genannt.

Auch das Auftreten der Pilzkrankheit Anthraknose hat den Anbau in Deutschland beinahe zum Erliegen gebracht. Hier hat sich die Blaue Lupine als vergleichsweise robust gegenüber dem samenbürtigen Pilz erwiesen. Resistente Sorten gibt es aber noch nicht.

Saatgut impfen

Die Süßlupine ist nicht selbstverträglich und benötigt eine Anbaupause von mindestens vier Jahren. Andere Leguminosen, aber auch Kartoffeln, eignen sich nicht als Vorfrucht. Die Leguminose selbst hat einen hohen Vorfruchtwert, da sie mehr Phosphor aus dem Boden mobilisiert, als sie selbst benötigt. Sie verfügt über ein tiefes, leistungsfähiges Wurzelwerk und kann auch aus tieferen Bodenschichten Nährstoffe aufnehmen.

Freien Kalk im Boden verträgt die Süßlupine nicht: sie reagiert mit Eisenmangel und gehemmtem Wachstum. Bei Erstanbau oder längerer Anbaupause müssen Anbauer das Saatgut mit dem Bakterienstamm Bradyrhizobium lupini impfen.

Niedrige Nmin-Werte im Frühjahr sind für sie optimal. Das ermuntert die Knöllchenbakterien den Luftstickstoff zu binden und hemmt die Verunkrautung auf dem Acker. Da es nur wenige zugelassene Herbizide gibt, ist ansonsten der Striegel das Mittel der Wahl.

Vermarktung gut planen

Mit 25 bis 40 dt/ha ist die Lupine auch beim Ertrag anderen Körnerleguminosen gegenüber ebenbürtig. Der Markt ist heterogen: Liegt der Preis für Futterware bei rund 50 Euro pro Dezitonne, lässt sich über die Verarbeitung zu Speiseware ein Mehrfaches davon erreichen.

Die Anforderungen an Reinheit, Qualität und Alkaloidgehalt sind hier jedoch höher. Absatzmöglichkeiten und auch eventuelle Sortenvorgaben sollten daher schon vor dem Anbaubeginn gut geplant sein.

Heimisches Superfood

Betrachtet man die ernährungsphysiologischen Eigenschaften, kann die Süßlupine problemlos mit Soja mithalten. Mit 35 bis 40 Prozent Proteingehalt, erreicht sie spielend die Werte der Sojabohne. Der Fettanteil der Samen ist indes mit 4 bis 7 Prozent deutlich geringer. Dafür ist er reich an Mineralien, wie Kalium, Calcium und Magnesium. Sogar roh lassen sich junge Süßlupinenkerne verzehren. Der Alkaloidgehalt des Ernteguts muss dann aber unter 0,02 Prozent liegen.

Findige Landwirte und Vermarkter verarbeiten die regionalen Kerne mittlerweile zu vielfältigen Lebensmitteln: glutenfreies Lupinenmehl, Flocken, Brotaufstriche und Fleischersatzprodukte. Sogar Muckefuck, koffeinfreien Kaffee-Ersatz, aus Süßlupinen gibt es mittlerweile auf dem Markt.

 

Mehr zum Thema Süßlupinenanbau lesen Sie in der gedruckten Mai-Ausgabe von agrarheute ab Seite 124.

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Lupinenkaffee aus Süddeutschland

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