Das ist ein Artikel vom Top-Thema:

Kopfdünger

Lucia & Marlene Gruber: An CO2-Zertifikaten verdienen Landwirte nichts

Lucia und Marlene Gruber bewirtschaften einen Bioland-Ackerbaubetrieb in Niederbayern. Auf Youtube und Facebook berichten sie über ihre Arbeit. Für agrarheute schreiben sie regelmäßig in unserer Kolumne „Kopfdünger“.
am Montag, 24.10.2022 - 09:49 (7 Kommentare)

Humusaufbau ist wichtig für den Boden. Am Handel mit Zertifikaten machen sich aber vor allem andere die Taschen voll, sagen Marlene und Lucia Gruber, die in Niederbayern einen Bioland-Betrieb führen.

Humusaufbau ist aktuell in aller Munde. Und ganz klar: Humusaufbau – zumindest sein Erhalt – ist essenziell für eine langfristig gelingende Landwirtschaft. Dabei wird über die besten Verfahren gestritten.

Ist die regenerative Landwirtschaft der richtige Ansatz? Kann Terra Preta in unseren Breitengraden eine Lösung sein? Führt der Ökolandbau zu Humusauf- oder -abbau? Die Diskussionen sind zweifelsfrei wichtig.

Zertifikate für Notwendiges? Klingt verlockend

Seit einiger Zeit mischen Zertifizierungsunternehmen mit, die Humusaufbau zu Geld machen wollen. So sollen CO2-emittierende Institutionen Zertifikate kaufen können, die bescheinigen, dass an anderer Stelle – etwa auf dem Acker durch Humusaufbau – CO2 gebunden wird.

Etwas zu tun, das sowieso für den eigenen Betrieb notwendig ist und dann auch noch dafür bezahlt zu werden, das klingt verlockend.

Außer Gebühren kommt für die Landwirte nicht viel raus

Wer sich mit Humusaufbau intensiver beschäftigt, weiß, dass das kein einfaches Unterfangen ist. Schon gar nicht wenn der Humus langfristig bestehen soll.

So wundert es uns nicht, dass die ersten Erfahrungen beim Humus-Zertifikatehandel ernüchternd sind. Für die teilnehmenden Landwirtinnen und Landwirte kommt nicht viel raus, wenn man den Aufwand dagegen rechnet.

Die Gebühren für die Zertifizierung sind aber sehr wohl zu zahlen. Auch über die Bewertung und die Kriterien lässt sich zurecht streiten. Wir Landwirtinnen und Landwirte leisten Arbeit für die Gesellschaft wie zum Beispiel den Erhalt unserer Kulturlandschaft, Gewässerschutz und auch Klimaschutz.

Wir wollen kein Geschäftsmodell ohne Mehrwert für die Gesellschaft

Sollte das honoriert werden? Definitiv, und das wird es auch durch die staatlichen Förderungen, die wir bekommen. Aber ein Geschäftsmodell, das darauf fußt, Leistungen zu belohnen, die keinen belegbaren Mehrwert für die Gesellschaft schaffen, brauchen wir nicht. Damit machen wir nur den Zertifizierungsunternehmen die Taschen voll.

Zu den Autorinnen: Lucia und Marlene Gruber

Die beiden Schwestern bewirtschaften einen Bioland-Ackerbaubetrieb in Niederbayern und beschäftigen sich viel mit neuen Kulturen, Fruchtfolgen und Vermarktungsideen.

In Ihren Youtube- und Facebook-Kanälen berichten sie über ihre Arbeit.

Für agrarheute schreiben die Schwestern regelmäßig in unserer Kolumne „Kopfdünger“.

Diskutieren Sie mit und nutzen Sie die Kommentarfunktion unten!

Dieser Kopfdünger-Beitrag ist in der agrarheute-Ausgabe Oktober 2022 erschienen.

Kommentare

agrarheute.comKommentare werden geladen. Bitte kurz warten...