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Biologicals

Biostimulanzien: Mikroben als Beizmittel

AF_Mais-gebeizt
am Mittwoch, 20.11.2019 - 05:00 (Jetzt kommentieren)

Wie ist Ihr Mais gebeizt? Übersteht er Dürrephasen? Erhält er genug Nährstoffe? Die Antworten hängen auch von den Kleinstlebewesen im Boden ab. Bei der Saat werden die immer häufiger mit Beizen oder Biostimulanzien ausgebracht.

Fruchtbare Krumen, gesunde Wurzeln: Boden- und Pflanzenhilfsstoffe fördern Mikroorganismen und Biostimulanzien verbessern die Nährstoffaufnahme. Beides steigert die Wurzel- und Sprossbildung. Biologische Mittel ergänzen chemische Präparate. Sie schützen, heilen und aktivieren.

Neue Saatgutmarken

Der Saatgutkonzern KWS macht seit Neuestem mit einem speziellen Verfahren erstmals Biologicals für lange Zeit haltbar. Damit lassen sie sich dauerhaft am Saatgut von Raps, Zuckerrüben, Roggen oder Kartoffeln anbringen. Die Methode funktioniert bei einer Vielzahl nützlicher Substanzen und Mikroorganismen. Zwei Firmen bieten 2019 neue Saatgutmarken:

  • Brevant (Corteva): Damit geht in Deutschland die zweite globale Saatgutmarke des Agrargeschäfts von DowDuPont, an den Markt, zunächst für Maissaatgut. Sie ersetzt weltweit die bisherige Saatgutmarke Dow Seeds, behält aber einen eigenständigen Vertriebsansatz.
  • Acceleron (Bayer): Die Dachmarke zum Schutz von Mais und Raps kombiniert fürs Saatgut von Dekalb mehrere Behandlungen, die biologische mit chemische Produkten vereinen. Sie schützen vor Krankheiten in der frühen Entwicklungsphase und verbessern die Vitalität.

Biostimulanzien und Hilfsstoffe regen die Verfügbarkeit und Aufnahme von Nährstoffen über die Wurzeln an. Dabei handelt es sich zumeist um natürlich vorkommende und aus dem Boden isoliertes Bakterien. Bei der Wurzelbesiedlung bilden sie schnell einen dichten Biofilm, der dann als Schutzbarriere dient

Biostimulanzien, Bazillen, Bakterien

Viele Bakterien produzierten zudem fungizide und antibakterielle Wirkstoffe, die beim Einsatz im Produkt vorhanden sind und bei der Wurzelbesiedlung im Boden weiter produziert werden.

Die auch natürlich im Boden vorkommenden Stoffe bekämpfen Krankheiten, aktivierten die natürliche Pflanzenabwehr, förderten das Pflanzenwachstum, erhöhten die Effizienz der Photosynthese und verbesserten die Nährstoffaufnahme. Dazu etliche Beispiele:

  • B-360 (Bayer): Das Produkt enthält Lipochitooligosaccharid (LCo) und stimuliert die Keimung von Mykorrhizasporen. Deren Symbiose in der Wurzelzone wird gefördert, um das funktionelle Wurzelvolumen zu erhöhen, also Wurzelwerk plus Myzel-Netzwerk.
  • B-300 (Bayer): Die Biostimulanz für Raps wirkt gegen Krankheiten und Schädlinge. Sie enthält Penicillium bilaiae und hilft, Phosphor aus unlöslichen Phosphatkomplexen in der Wurzelzone freizusetzen. Der wird dann von der Pflanze aufgenommen. Das verbessert die P-Verfügbarkeit und fördert die Wurzel- und Sprossbildung.
  • B-370 (Bayer): Geplant ist, die Kombination der beiden Biostimulanzien B-300 und B-370 für die nächste Aussaat im Weizen zu vermarkten. Beide sind mit chemischen Beizen kompatibel und schützen vor frühzeitigen Krankheitsschäden, verbessern die Nährstoffaufnahme und optimieren die Wurzelzone. Die Produktnamen sind noch nicht bekannt.
  • Votivo (Bayer): Das biologische Mittel zur Saatgutbehandlung von Mais lohnt gegen Nematoden. Mit reduzierter Bodenbearbeitung und steigendem Maisanteil in der Fruchtfolge nehmen Probleme damit zu. Das Mittel besteht aus dem Bacillus firmus, ein natürliches sporenbildendes Bakterium. Das besiedelt die Wurzeloberfläche und wächst durch kontinuierliche Koloniebildung an der Wurzel mit. Es erschwert Nematoden, sich an dem Gradienten der Wurzelexsudate bei der Wirtsfindung zu orientieren.
  • Integral Pro (BASF): Das fungizide Mittel zur Saatgutbehandlung stimuliert die Abwehrkräfte von Rapssaatgut. Der „Wirkstoff“ sind Bacillus amyloliquefaciens , von denen mindestens 2,2 x 1010 cfu/ml enthalten sind. Das Präparat wirkt gegen Phoma lingam-Wurzelhals- und Stängelfäule und mindert den Befall mit Rapserdfloh. Der Aufwand beträgt 160 ml/dt Saatgut. mit mindestens 2,2 x 1010 cfu/ml.
  • Serenade (Bayer): Das Mittel aktiviert die Wurzeln. Der aktive Wirkstoff ist der Bacillus subtilis-Stamm QST 713, ein aus dem Boden isoliertes Bakterium. Das wirkt fungizid und bakterizid und ist erstmals in Frankreich zugelassen. Damit sind Blatt- und Bodeneinsätze für viele Kulturen erlaubt: Raps, Zuckerrüben, Kartoffeln, Obst, Gemüse, Weintrauben.
  • Root2Success (Bayer): Das Präparat bringt gesunde Wurzeln und steigert im Gartenbau laut Feldversuchen den Ertrag und die Qualität um rund 30 Prozent. Bisher wurde es etwa im Kartoffelanbau in Australien getestet.
  • Velum Prime (Bayer): Das Produkt schützt die Wurzeln vor beweglichen Stadien von pflanzenparasitären Nematoden.
  • BioAct DC (Bayer): Das Mittel enthält den Purpureocillium lilacinum Stamm 251 und parasitiert die Eier von schädlichen Nematoden. Das biologische Mittel ist kompatibel mit Tröpfchenbewässerung.

Neue chemische Beizen

Drei neue chemische Beizen basieren auf dem SDHI-Wirkstoff Sedaxane. Er ist nun auch für die Beizung optimiert.

  • Vibrance Trio (Syngenta): Die Universalbeize ist in Weizen, Gerste, Triticale, Roggen und Hafer zugelassen. Sie enthält den Sedaxane, dem ersten für die Beizanwendung optimierten SDHI. Er bietet Rundumschutz gegen Schneeschimmel, Flugbrand oder Typhulafäule und verspricht als erste Beize, auch Rhizoctonia-Arten zu bekämpfen. Aufwand: 0,2 l/dt Saatgut, bei Hafer 0,15 l/dt.
  • Maxim Quattro (Syngenta): Das Beizmittel zur Saatgutbehandlung in Mais bietet Schutz vor samen-und bodenbürtigen Krankheiten. Es wirkt gegen Fusarium-Arten, auch aus der Liseola-Gruppe (Fusarium verticillioides, syn. moniliforme). Das Produkt fördert die Jugendentwicklung, auch bei ungünstigen Bedingungen. Die Aufwandmenge liegt bei 8,4 ml pro 50.000 Samen.
  • Vibrance SB (Syngenta): Die Fungizidbeize für Zucker-und Futterrüben enthält Wirkstoffe aus drei Gruppen: Sedaxane, Fludioxonil und Metalaxyl-M. Laut Anbieter ist sie solo kulturverträglich und in Kombination mit anderen Beizen. Sie wirkt gegen Auflaufkrankheiten wie Rhizoctonia solani, Phoma betae, Pythium ultimum. Der SDHI-Wirkstoff Sedaxane wirkt laut Anbieter zusätzlich als Biostimulanz. Er fördert das Wurzelwachstum und sorgt für vitale Jungpflanzen. Aufwand: 33,3 ml/ 100.000 Samen.

Biostimulanzien: Mikroben als Dünger

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