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Klimaschutz und Biodiversität

Blumen fürs Klima: So viel Humus bringen Blühstreifen

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am Sonntag, 20.11.2022 - 06:00 (Jetzt kommentieren)

Blühstreifen oder -flächen mit Blumen fördern neben dem Arten- auch den Klimaschutz. Sie bauen Humus auf und speichern CO2. agrarheute nennt das Ausmaß.

Blühstreifen am Ackerrand steigern nicht nur Artenvielfalt und Biodiversität. Sie leisten per Humusbildung auch einen wirksamen Beitrag zum Klimaschutz.

Der ist nicht zu unterschätzen. Das zeigt eine Feldstudie des Thünen-Instituts für Agrarklimaschutz in Braunschweig

So sieht die Feldstudie zu Blühstreifen mit Blumen aus

In der Studie  wurden 23 Blühstreifen deutschlandweit von Bayern bis Niedersachsen auf folgende Parameter untersucht:

  • Artenzusammensetzung,
  • Biomasse ober- und unterirdisch,
  • Kohlenstoffvorrat im Boden.

Zuvor sei der Biomasseaufwuchs von Blühstreifen weitgehend unbekannt gewesen, erklärt Arbeitsgruppenleiter Dr. Christopher Poeplau.

So hängen Blühstreifen mit Blumen, Humusaufbau und CO2-Speicherung zusammen

Die Arbeitsgruppe wollte wissen, wie viel Biomasse in den Blumen und Blühstreifen gebildet wird, denn dieses pflanzliche Material wird nicht geerntet, sondern in den Boden eingearbeitet. So ist es zur Bildung von Humus verfügbar.

Humus ist reich an organischen Verbindungen. Er bindet Kohlenstoff im Boden, den die Blumen und Blühpflanzen als CO2 aus der Atmosphäre entnommen haben.

So viel Biomasse stehen auf einen Hektar Blühstreifen mit Blumen

Die Studie zeige nun ausführlich, wie viel Biomasse auf jedem Hektar Blühstreifen stehe:

  • im Hochsommer seien es durchschnittlich fast 8 t Biomasse,
  • an einem Extremstandort seien es sogar 19 t Biomasse gewesen.

Da die beprobten Blühstreifen im Mittel erst drei Jahre zuvor angelegt worden seien, erwarteten die Forscher noch keine großen Änderungen im Kohlenstoffvorrat der Böden. Erste positive Tendenzen seien in den Versuchen aber bereits festgestellt worden, sagt Poeplau.

So hängen Artenvielfalt, Biomasse und Humuswirkung zusammen

Zudem zeige sich ein Zusammenhang zwischen pflanzlicher Biodiversität und Gesamtbiomasse. Je mehr Gräser sich in die Blühstreifen mischten, desto geringer sei die Anzahl verschiedener Arten, aber desto höher sei gleichzeitig auch die Gesamtbiomasse und somit die Humuswirkung.

Um die längerfristige Humuswirkung von Blühstreifen deutschlandweit abschätzen zu können, benutzten die Forscher ein Modell und einen Datensatz, der im Zuge der Bodenzustandserhebung Landwirtschaft gewonnen wurde.

So wird die Bodenzustandserhebung für die Studie genutzt

Gewählt aus der Bodenzustandserhebung haben die Forscher insgesamt 1.500 Ackerstandorte. Für diese sind die Bewirtschaftung der vergangenen zehn Jahre und die Vorräte an Bodenkohlenstoff bekannt gewesen. Dort habe man die 23 Blühstreifen quasi "fiktiv wachsen" lassen.

Im Mittel habe sich daraus für die kommenden 20 Jahre pro Hektar Blühstreifen eine jährliche Anreicherung von sage und schreibe 0,5 t Kohlenstoff oder 1,8 t CO2 ergeben.

So riesig ist das Potenzial von Blumen und Blüten für Klimaschutz und Artenvielfalt

Christopher Poeplau erläutert die Dimension: „Zurzeit sind rund 1 % der deutschen Ackerfläche mit Blühstreifen bewachsen. Wenn noch einmal 1 % hinzukämen, könnten dadurch jährlich zusätzlich 240.000 t CO2 im Boden gebunden werden. Dies entspricht knapp 0,5 % der jährlichen Treibhausgasemissionen aus der Landwirtschaft.“

Hinzu kommt der Klimaschutzeffekt der ausbleibenden Düngung auf den Blühstreifen. In den Streifen wachsen Blühmischungen, die als Agrarumwelt- oder Naturschutzmaßnahmen eingesät werden. Sie sollen in erster Linie die Vielfalt von Pflanzen und blütenbestäubenden Insekten erhöhen. Der überaus positive Klimaeffekt macht sie noch attraktiver.

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