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Interview: Mechanische Unkrautbekämpfung

Darauf müssen Sie beim Hacken und Striegeln von Mais achten

Mais Hackgerät
am Donnerstag, 09.04.2020 - 07:39 (Jetzt kommentieren)

Ökobetriebe tun es schon immer, konventionell wirtschaftende Betriebe immer öfter: Unkräuter in Mais hacken und striegeln. Wir sprachen mit Ökolandbauberater Markus Mücke über die Technik und den richtigen Zeitpunkt.

Herr Mücke, hacken und striegeln statt mit der Pflanzenschutzspritze zu fahren – kann das funktionieren?

Natürlich kann das auch im konventionellen Anbau funktionieren. Es gibt aber ein größeres Risiko gegenüber dem Einsatz von chemischem Pflanzenschutz. Bei unbeständiger Witterung und zu großen Beikräutern kommen mechanische Verfahren schneller an ihre Grenzen. Außerdem erreichen wir mit Striegel und Hacke nie einen „reinen Tisch“ bei der Beikrautregulierung. Man muss dann auch eine Restverunkrautung tolerieren können. Es gibt aber Ansätze, um Herbizide deutlich zu reduzieren.

Was gibt es für Strategien, um Pflanzenschutzmittel einzusparen?

Beispielsweise die Bandspritzung in Kombination mit der Scharhacke, wie wir sie bereits vor einigen Jahrzehnten hatten. Das ist aus meiner Sicht ein interessantes Verfahren, um Herbizide einzusparen, aber auch die Kombination von Striegel oder Hacke mit der chemischen Regulierung ist möglich. Statt zwei Herbizidmaßnahmen könnte man mit einer auskommen. Hier müssen die Pflanzenschutzdienste entsprechende Lösungen über Versuche erarbeiten.

Worauf muss ich bereits bei der Aussaat achten?

Damit Striegel- und Hackwerkzeuge exakt arbeiten können, ist eine sorgfältige Grundboden- und Saatbettbereitung enorm wichtig. Ziel ist ein ebener, gut rückverfestigter Acker. Sinken die Schlepperreifen während der Maisaussaat stark ein, können später die Hackschare nicht richtig arbeiten. Soll der Striegel im Nachauflauf eingesetzt werden, muss ich mit leichten Maisverlusten rechnen und bereits die Aussaatstärke um 10 Prozent erhöhen.

Worauf ist bei Saattermin und Sortenwahl zu achten?

Der Saattermin hat einen großen Einfluss. Ziel ist ein schneller Aufgang und eine zügige Jugendentwicklung, damit der Mais möglichst seinen Vorsprung gegenüber den Beikräutern hält. Daher sollte man erst ab einer Bodentemperatur von 8 bis 10 °C mit der Maisaussaat beginnen. Im Ökolandbau achten wir bei der Sortenwahl auf frohwüchsige Maissorten mit planophiler Blattstellung. Das bedeutet, dass sich die Laubblätter mehr seitlich ausbreiten, stärker beschatten und so Beikräuter unterdrücken. Unsere eigenen Ökosortenversuche zeigen hier deutliche Unterschiede zwischen den einzelnen Maissorten.

Gibt es bei der Ausssat noch etwas zu beachten?

Damit Schar- oder Rollhacke störungsfrei arbeiten können, müssen die Säaggregate exakt auf die Reihenweite eingestellt sein. Das gilt vor allem, wenn ich den Mais überbetrieblich legen lasse. Unterscheidet sich der Abstand der Säeinheiten um nur wenige Zentimeter, kann meine Hacktechnik noch so gut eingestellt und modern sein – sie arbeitet nicht präzise und verursacht möglicherweise hohe Kulturschäden. Außerdem müssen die Arbeitsbreiten von Sämaschine und Hacktechnik aufeinander abgestimmt sein. Grundsätzlich gilt: Wer achtreihig sät, muss auch acht- oder zumindest vierreihig hacken. Wird der Mais bereits mit RTK-Spurführung gelegt, ist es einfacher entlang der Pflanzreihen zu hacken.

Was sind häufige Fehler von Landwirten, wenn sie zum ersten Mal hacken oder striegeln?

Anfänger warten zu lange. Vor allem mit dem Striegeln muss man starten, sobald das Unkraut im frühen Fädchen- oder Keimblattstadium ist. Später sind die Beikräuter zu groß und werden mit dem Striegel nicht mehr sicher erfasst. Außerdem wird mit dem Striegel häufig zu schnell gefahren. Das kann den Mais stark schädigen. Beim Blindstriegeln im Vorauflauf darf man schon mit etwa 8 km/h fahren. Wird der Mais im 1- bis 2-Blatt-Stadium gestriegelt, bin ich nicht schneller als 3 bis 5 km/h. Häufig unterschätzen Praktiker die geringere Flächenleistung und den Aufwand für das Einstellen der Maschinen. Hier gilt der Grundsatz: Arbeitsqualität geht vor Flächenleistung. Dazu gehört das häufigere Absteigen vom Schlepper, um das Ergebnis zu kontrollieren.

Ich fahre los sobald es sonnig und trocken ist?

Ja, damit freigelegte oder -gehackte Beikräuter schnell vertrocknen, ist es ideal, wenn zusätzlich noch ein Wind weht. Wenn es direkt nach dem Fahren regnet, kann es sein, dass die Beikräuter wieder anwachsen. Für eine gute Striegel- und Hackwirkung ist es wichtig, dass ausreichend lockerer und schüttfähiger Boden ohne große Kluten vorhanden ist.

Gibt es Zeiten, in denen ich nichts machen darf?

Der Mais ist striegelempfindlich, wenn der Keimling kurz vor dem Durchstoßen der Bodenoberfläche ist oder bereits aufgeht. Ab dem ersten Laubblatt verträgt der Mais das Striegeln besser. In dieser Phase muss man trotzdem langsamer und eventuell mit weniger Striegelzinkendruck arbeiten.

Welche Technik empfehlen Sie?

Bei der Striegeltechnik setzt sich immer mehr die indirekte Federung durch. Jeder Striegel ist mit einer Zug- oder Druckfeder verbunden. Dadurch passen sich die Zinken besser dem Boden an, arbeiten kulturschonender und ich kann in früheren Kulturstadien arbeiten. Diese Striegel sind allerdings auch teurer.

Kamerageführte Scharhacken sind mittlerweile praxistauglich. Aufgrund der hohen Anschaffungskosten muss ich diese Technik auslasten können. Auf Betrieben mit weniger Fläche haben sich Scharhacken im Frontanbau durchgesetzt, mit denen der Fahrer auf Sicht fährt.

Markus Mücke (markus.muecke@lwk-niedersachsen.de) ist Berater im Fachbereich ökologischer Landbau an der Landwirtschaftskammer Niedersachsen am Standort Hannover.

Interview:thomas.goeggerle@agrarheute.com

Das Interview ist in der Ausgabe agrarheute April 2020 erschienen.

 

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