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Mais

EFSA revidiert Genmais-Bewertung

© marshi_aboutpixel
von , am
27.11.2013

Zum ersten Mal überhaupt zieht die EU-Lebensmittelbehörde EFSA ihre Bewertung einer gentechnisch veränderten Maissorte zurück. Der Gen-Mais "Herculex" scheint doch nicht sicher.

Mais marschierte und nahm die Weizennotierungen im Schlepptau mit. © landpixel
Noch im März hatten ihre Experten behauptet, der transgene Mais 59122 der US-Agrochemiekonzerne Dow und Dupont sei genauso sicher wie konventionelle Pflanzen. Doch nun gebe es "neue wissenschaftliche Informationen", teilte die EFSA vergangene Woche auf ihrer Website mit. Die Annahme, Schmetterlinge und Bienen würden durch den Mais nicht geschädigt, könne daher nicht so stehen gelassen werden. Sie empfiehlt nun, weitere Studien durchzuführen.
 
Kritische Beobachter hatten schon vorher vor den Risiken von "Herculex", wie der Mais auch heißt, gewarnt und gravierende Mängel in der Risikobewertung festgestellt, berichtet der Infodienst Gentechnik.
 

Wissenschaftliche Grundlage lückenhaft

Der Gentechnik-Mais 59122 darf bereits seit 2007 in die EU importiert und als Futter- und Lebensmittel verwendet werden. Die Genehmigung gilt jedoch nicht für den Anbau in der Union. Eine entsprechende Zulassung hatten die US-Biotechnologiefirmen Pioneer (Dupont) und Mycogen Seeds (Dow) aber beantragt. Im März gab die EFSA, die für die Risikobewertung nicht nur bei Gentechnik zuständig ist, ihre Empfehlung ab: Herculex sei sicher und könne aus ihrer Sicht zum Anbau zugelassen werden.
 
Nun hat sie diese Stellungnahme korrigiert. Es gebe eine "Lücke" in den wissenschaftlichen Daten: offenbar kann die Behörde daher nicht mehr ausschließen, dass Bestäuber wie Honigbienen durch das Gift, das die Gentechnik-Pflanze absondert, geschädigt werden. Herculex setzt einerseits mehrere Insektizide frei, andererseits ist der Mais resistent gegen das chemische Unkrautvernichtungsmittel Glufosinat.
 

Pflanze produziert Gift

Es sei das erste Mal, dass die umstrittene EU-Behörde eine ihrer Bewertungen einer transgenen Pflanze zurückzieht, schreibt das kritische Testbiotech-Institut. Testbiotech hatte schon im April auf zahlreiche Missstände in dem EFSA-Papier zu Herculex hingewiesen.
 
Nicht nur, dass viele Daten von der Industrie selbst und ihrer Lobby-Organisation, dem International Life Sciences Institute, stammten. Auch seien Schwankungen in den Giftmengen, die die Pflanze produziert, nicht berücksichtigt worden. Dies könne jedoch Auswirkungen auf nützliche Insekten haben. Zudem verwies Testbiotech darauf, dass gängige Standards bei den Fütterungsstudien nicht eingehalten worden seien. Auch deutsche Behörden hatten sich kritisch geäußert: so seien die Effekte der Pflanzengifte teils nicht statistisch ausgewertet und nur kurze Untersuchungen durchgeführt worden.
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