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Elf Tipps zum Silieren: So kommen Sie ohne Unfall durch die Maisernte

Silomais bei der Maisernte auf dem Acker
am Mittwoch, 19.08.2020 - 06:00 (Jetzt kommentieren)

Zur Maisernte ist die Gefahr von Unfällen groß. Häcksler, Drescher, Transport- und Verdichtungsfahrzeuge werden zwar technisch immer weiter aufgerüstet, dennoch stehen Ernteunfälle in der Statistik weit vorne. Wir zeigen, wo Gefahren lauern und wie Sie Unfälle vermeiden.

Unfälle vermeiden steht in der drängenden Zeit obenan. Alle Helfer sind vor der Maisernte in Sachen Sicherheit zu sensibilisieren. Das gilt auch für Nachbarn oder ­Hilfskräfte, die mithelfen. Wir zeigen, wo Sie aufpassen müssen.

1. Die gesamte Häckselkette gut planen, etwa mit einer App

Von der Leistung des Häckslers hängt die ganze Häckselkette ab. Daher ist genaue Planung nötig. Vor Arbeitsbeginn sind alle Mitarbeiter vor allem sicherheitstechnisch zu unterweisen. Häcksler- und Abfahrer brauchen Sicht- und Sprachkontakt per Funkgerät oder Handy.

Immer öfter helfen teilautomatisierte Betriebsmanagementsysteme, um Maschinenringe oder Lohnunternehmer, Aushilfen oder Berufskollegen, Fahrer oder weniger routinierte Familienhelfer zu organisieren. Apps wie WhatsApp von Facebook oder die Farm-Scout-App von Claas senden Infos zum Ablauf an alle Helfer oder zeigen Fahrtstrecken und Feldeinfahrten.

2. Die Häcksler und alle Maschinen rechtzeitig kontrollieren

Schlepper und Maschinen für die Transportkette, Silagebereitung und Abfuhr sind rechtzeitig vor der Ernte auf Funktions- und Betriebssicherheit sowie eine gültige TÜV-Plakette zu prüfen. Nur dann fluppt die Ernte.

Werden zum Warten oder Schmieren des Häckslers Schutzverkleidungen ab­gebaut, sind diese nach getaner Arbeit wieder vorschriftsmäßig zu montieren. Wartungsarbeiten am Motor dürfen
nur bei abgezogenem Zündschlüssel nach Abkühlung erledigt werden. Beim Ausblasen des Kühlers sind eine Schutzbrille und eine partikelfiltrierende Halbmaske zu tragen.

3. Den Maishäcksler optimal einstellen, die Sicherheit prüfen

Um den Maschineneinsatz produktiv zu machen und den Kraftstoffverbrauch niedrig zu halten, muss der Feldhäcksler unbedingt richtig eingestellt sein. Das ist zu prüfen. Auch dabei ist auf Schutzverkleidungen und Abdeckungen zu achten.

Bei Fahrten auf Straßen und Wegen, und seien sie noch so kurz, ist die Transportstellung wichtig: Die Unterkante vom Maisgebiss circa 40 cm über der Fahrbahn zu halten, ist Unterfahrschutz für den Gegenverkehr. Sicherungsvorrichtungen müssen verriegelt, scharfe Kanten abgedeckt sein, etwa am Maisgebiss. Das Auswurfrohr gehört in Transportstellung.

4. Hände weg vom Handy während der Fahrt beim Mais silieren

Unfälle kosten Leid, Geld, Zeit und Nerven. Die hohe Geschwindigkeit der Gespanne von bis zu 60 km/h sind ein echter Gefahrenpunkt. Darum: Tempo anpassen, Handy weglegen. Der Blick aufs Smartphone ist ein großes Sicherheitsrisiko.

Für die Akzeptanz in der Öffentlichkeit sind an stark befahrenen Straßen vor Beginn der Ernte gut sichtbare Warnschilder aufzustellen. Mitfahrten in der Häckslerkabine sind nur auf dem dafür vorgesehenen Platz erlaubt. Vor dem Zustieg ist Sichtkontakt wichtig. Nur bei Stillstand des Häckslers auf- und absteigen! Der Häcksler darf erst weiter, wenn der Gefahrenbereich frei ist.

5. Bei Dunkelheit in der Maisernte ausreichend beleuchten

Die Hauptunfallursache in der Häckselkette ist die schlechte Sichtbarkeit beim Transport. Vor der Ernte müssen alle Maschinen auf intakte Beleuchtung und Anhängerkabel ­überprüft werden. Auch Reifen und Bremsen sind zu kontrollieren. Schäden sind sofort zu beheben.

Reflektierende Folien sind geeignet, um Gespanne im Dunkeln sichtbar zu machen. Sie müssen allerdings sauber sein, genauso wie die ganze Beleuchtung. Eventuell lohnt sich ein Nachrüsten von Warntafeln. Sie müssen aber richtig aus­gerichtet sein: Das kleine rote Dreieck zeigt nach oben und zur jeweiligen Seite.

Rundumleuchten sind nur mit entsprechendem Eintrag in den Fahrzeugpapieren erlaubt. Arbeitsscheinwerfer sind im Straßenverkehr nicht zulässig. Auch am Silo sind Beleuchtung und Scheinwerfer wichtig, um den Arbeitsplatz Fahrsilo möglichst ordentlich auszuleuchten.

6. Stillstand bei der Maisernte vermeiden, genug Pausen einplanen

Arbeitszeiten mit komplettem Stillstand oder gar Leerfahrten sind teuer. Alle Fahrrouten sind daher gut abzustimmen. Längere Wartezeiten, etwa an der Waage von Biogasanlagen, sind möglichst zu vermeiden.

Wichtig ist, bei langen Arbeitszeiten genug Pausen einzuplanen. Die Arbeitszeiten aller Fahrer sind möglichst genau festzulegen und zu beschränken: An langen Erntetagen ist Schichtbetrieb unerlässlich.

7. Bei Verstopfungen ruhig und überlegt handeln

Bei Problemen am Häcksler ist überlegtes Handeln gefragt. Die meisten Unfälle gibt es bei Entstörarbeiten. Verstopfungen werden meist von Hand entfernt. Die neuralgische Stelle sitzt zwischen Messertrommel und Auswurfbeschleuniger. Dort setzt sich der Flusskanal oft zu. Werden dort Schutzeinrichtungen entfernt, birgt das ein großes Gefahrenpotenzial.

Viele Maschinen sind noch nicht mit einer aktiven Nachlaufzeitbegrenzung der Häckselorgane ausgerüstet. Wenn der Hauptantrieb abgeschaltet ist, kann der Nachlauf noch Minuten andauern. Diese Zeit ist unbedingt abzuwarten. Sonst sind Finger, Hände, Arme und Beine in Gefahr. Das Weiterlaufen ist meist nicht zu erkennen; zu groß sind Lärm und Vibrationen.

Checkliste bei Verstopfungen im Maishäcksler

verstopfung-maisernte
  • Motor des Feldhäckslers und alle Antriebe abstellen,
  • unbedingt kompletten Stillstand aller Aggregate abwarten,
  • Häckseltrommel und Wurfbeschleuniger laut Betriebsanleitung arretieren,
  • genügend Zeit lassen und Sicherheitsvorschriften nicht übergehen,
  • Verstopfungen nur mit geeigneten Hilfsmitteln entfernen, etwa Stock oder Haken,
  • bei Arbeiten an scharfen Kanten unbedingt Lederhandschuhe tragen,
  • passgerechtes Werkzeug und möglichst original­e Ersatzteile verwenden,
  • vor Probelauf kontrollieren, ob Werkzeuge und andere Gegenstände entfernt sind,
  • alle Schutzvorrichtungen und Abdeckungen sorgfältig wieder anbringen.

8. Freie Bahn schaffen im Maisacker wie am Siloplatz

Freie Bahn ist wichtig im Acker und am Fahrsilo. Abschleppen wird bei Nässe und festgefahrenen Fahrzeugen schnell zum Risiko, etwa wenn Frontgewicht ungeeignete Anschlagpunkte haben. Am Silo sind unternehmensfremde Personen auf Abstand zu halten.

Bei Erntejagden am Maisfeld dürfen Jäger und Hunde nicht zu Schaden kommen. Auch auf Spaziergänger ist Rücksicht zu nehmen.

Lohnend sind Rückfahr- und Kontrollkameras. Sie überprüfen den Fluss des Häckselguts und den Arbeitsraum hinter der Maschine. Wichtig sind lichtstarke Bildschirme, die in der Fahrerkabine ergonomisch angeordnet sind. Bei Rückwärtsfahrten ist ein Signalton sinnvoll.

9. Um- und Abstürze unbedingt vermeiden

Beim Verdichten des Ernteguts sind gefährliche Ab- und Umstürze von Fahrzeugen nicht selten. Darum sind ausreichende Abstände zu den Rändern des Silos einzuhalten und die Lagerstätten nicht zu hoch und steil anzulegen.

Grundsätzlich ist eine Absturzsicherung bereits ab 1 m Höhe nötig. Das ist auch beim Abdecken der Silage wichtig, um Abstürzen vorzubeugen.

10. Siliermittel sicher einfüllen

Bei Fahrsilos mit Seitenwänden von mehr als 3 m Höhe und besonders breiten Kammern entstehen heftige Absturzhöhen. Dort geht es nicht ohne Geländer. Die lassen sich beim Einsilieren abklappen.

Werden Siliermitteln verwendet, sind nur vom Hersteller des Häckslers zugelassene Produkte einzusetzen. Besonders bei ätzenden Präparaten darf es nicht zu Schäden an der Dosiereinrichtung kommen. Auch der Auf- und Abstieg muss sauber begehbar sein, damit niemand durch Abrutschen verletzt wird.

11. Straßen und Wege richtig säubern nach der Maisernte

Das Reinigen der Straßen nach der Ernte ist unerlässlich, um Verkehrsunfälle zu vermeiden. Dabei sind Helfer mit leuchtenden Warnwesten auszurüsten, damit sie ihrerseits nicht zu Schaden kommen.

Mit Material von SVLFG
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Maisernte XXL: Drohnenaufnahmen

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