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Mais

EU: Maisimporte größer als erwartet

© marshi_aboutpixel
von , am
08.10.2012

Die Lücke in der europäischen Maisbilanz wird immer größer. Trotz schrumpfender Verbrauchsmengen steigt der Importbedarf weiter an.

© Michael Hirschka/pixelio
Nach Einschätzung des Internationalen Getreiderates (IGC) fehlen bei einer erwarteten Maisernte von 55 Millionen Tonnen (Mio. t.) etwa 9 Mio. t an der Verbrauchsmenge von 63,6 Mio. t. Das USDA hat in seiner Septemberprognose noch mit einer Bilanzlücke von 4,5 Mio. t gerechnet. Hier ist wohl Ende der Woche (neue USDA-Prognose) noch eine deutliche Korrektur zu erwarten.
 
In der letzten Woche haben sowohl das IGC als auch der Verband der europäischen Getreidehändler (Coceral) und die EU-Kommission ihre Einschätzungen zur europäischen Maisernte deutlich korrigiert. Hauptgrund für die massiven Korrekturen ist der trockenheitsbedingte Ernteeinbruch in den Überschussgebieten in Südosteuropa.

Produktion und Verbrauch schrumpfen

Der Internationale Getreiderat (IGC) setzte die erwartete Erntemenge nochmals um 4,9 Mio. t auf 55 Mio. nach unten. Im Vergleich zur Rekordernte des letzten Jahres ist die Produktion damit um 10,5 Mio. t oder 16 Prozent kleiner. Zwar hat der IGC aufgrund des knappen Angebots und der hohen Preise auch den Verbrauch um 2 Mio. t auf 63,6 Mio. t reduziert. Jedoch klafft nach Einschätzung des IGC zwischen Produktion und Verbrauch eine Lücke von knapp 9 Mio. t.

Kommission revidiert Ernteprognose

Eine kräftige Korrektur an der Ernteprognose und an der Versorgungbilanz hat letzte Woche auch die Europäische Kommission vorgenommen. Gegenüber der letzten offiziellen Ernteschätzung von Juni reduzierte man die erwartete Maisernte um fast 10 Mio. t auf 57,8 Mio. t und im Vergleich zur Rekordernte im letzten Jahr sogar um 11 Mio. t. Die derzeit erwartet Produktion wird zudem nur durch die kräftige Ausweitung der Anbauflächen um 0,8 Mio. Hektar auf rekordhohe 9,7 Mio. ha erreicht. Die durchschnittlichen Erträge liegen nach Einschätzung der Kommission mit 5,98 Tonnen pro Hektar rund 22 Prozent unter der Vorjahresmarke und etwa 15 Prozent unter dem langjährigen Mittel.

Strategie Grains am pessimistischsten

Eine deutliche Korrektur seiner Ernteprognose nahm letzte Woche auch der Verband der europäischen Getreidehändler Coceral vor. Hier schätzte man die Maisernte auf knapp 56 Mio. t nach 64, 8 Mio. t im letzten Jahr. Am weitesten nach unten geht derzeit die Ernteprognose der Analysten von Strategie Grains. Diese sehen die europäische Maisernte nur noch bei 53,7 Mio. t und damit sogar deutlich unter dem schwachen Ergebnis von 2010 (56,9 Mio. t). Auch wenn die erwartete Verbrauchsmenge ebenfalls schrumpft, ist die Bilanzlücke damit jedoch erheblich. Die EU-Kommission rechnet trotz des sehr kräftigen Verbrauchsrückgangs von 6 Mio. t immerhin noch mit einem Bilanzdefizit von 6,5 Mio. t.

Prognose: Importe von 8 Mio. t oder mehr

Dr. Olaf Zinke/Marktanalyst dlv
Nach Einschätzung aller Marktanalysen steigt auch der Importbedarf der EU. Während das USDA im September noch von einer Einfuhrmenge von etwa 3 Mio. t ausging hat der Internationale Getreiderat den Importbedarf letzten Woche auf etwa 8 Mio. t geschätzt. Von einer ähnlich großen Importmenge gingen bereits im September die Analysten von Strategie Grains aus. Die EU-Kommission schätzt den Einfuhrbedarf letzte Woche auf 6,5 Mio. t. Möglichweise könnten die Importe wegen er schwachen Weizenernte im Vereinigten Königreich auch noch größer ausfallen, denn das Angebot an Futterweizen schrumpft damit ebenfalls.
 
Einige Analysten halten angesichts der engen Versorgungsbilanz Maisimporte von bis zu 11 Mio. t für möglich. Dies wird jedoch angesichts der knappen globalen Versorgung und der hohen Preise schwer werden. Die Marktanalysen von Goldman Sachs halten - trotz des zwischenzeitlichen Preisrückgangs - sogar neue Rekordhochs bei Mais für möglich. An den Terminmärkten in den USA und Europa halten die Preise bis zur neuen Ernte 2013 ihr derzeitiges Niveau.
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