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Mais

Europa: Maiserträge um 20 Prozent niedriger

von , am
27.09.2012

Berlin - Die Ertragsschätzung für die europäische Maisernte wurde im September nochmals nach unten korrigiert. Ausfälle gibt es vor allem in Südeuropa. Europas Lücke in der Maisbilanz wächst.

Für Deutschland wird eine gute Maisernte vorhergesagt. Analysten rechnen mit 10,04 Tonnen pro Hektar. © landpixel
Europas Lücke in der Maisbilanz ist ziemlich groß. Diesen Schluss lässt jedenfalls das im Auftrag der EU-Kommission durgeführte monatliche Crop-Monitoring (MARS) zu. Dieses setzt die Ertragsschätzung für die europäische Maisernte im September nochmals nach unten.
Mittlerweile liegen die Maiserträge für die EU 27 nur noch bei 6,05 Tonnen pro Hektar (t/ha) und damit rund 21 Prozent (%) niedriger als im letzten Jahr (7,62 t/ha) und nochmals vier Prozent unter dem Wert von August. Das langjährige Ertragsmittel (6,94) wird um etwa 13 % verfehlt. Grund für die schwachen Erträge sind Hitze und Niederschlagsmangel in Südosteuropa sowie in Italien.

Starke Ertragsausfälle In Südeuropa

Besonders dramatisch brechen die Maiserträge in Rumänien, Ungarn und Bulgarien ein. Eigentlich Länder mit erheblichen Produktionsüberschüssen und Exporten in andere EU-Länder. In diesem Jahr liegen die Maiserträge in Rumänien mit 2,34 t/ha etwa 48 % unter dem Vorjahreswert und 31 % unter dem langjährigen Mittel. Ungarn verfehlt die Vorjahreserträge um 42 % und das langjährige Mittel um 37 % und Bulgariens Maiserträge sind 44 % kleiner als im letzten Jahr und 29 % kleiner als im Durchschnitt der letzten Jahre. Auch in Italien werden die Maiserträge der Landwirte etwa ein Fünftel kleiner ausfallen als im vorigen Jahr.

Erträge in Deutschland sind gut

Internationaler Maispreisindex.
Für Deutschland rechnet MARS zwar nicht mit so exzellenten Maiserträgen wie 2011, jedoch liegen diese mit 10,04 t/ha immer noch über dem langjährigen Mittel. Auch in Frankreich werden die Rekorderträge des Vorjahres zwar um 9 % verfehlt, der Durchschnitt der letzten fünf Jahre wird mit 9,28 t/ha dennoch erreicht. Ähnlich ist die Situation in Polen, hier liegen die Erträge unter dem Vorjahr, jedoch knapp über dem bisherigen Mittelwert.
 
Der Getreidehändler Töpfer schätzt die deutsche Maisernte mit 5,3 Millionen Tonnen (Mio.t) etwas kleiner als im Vormonat, jedoch etwa auf dem Niveau der Rekordernte von 2011. Auch in Frankreich erreicht man trotz der leichten Korrekturen fast den Vorjahrerstand. Beide Länder haben - ebenso wie Polen den Maisanbau auf den Auswinterungsflächen ausgeweitet und damit die niedrigeren Erträge kompensiert.
 

Schwache globale Ernte trotz Anbauausweitung

Die Ertragsprognose von MARS spiegelt sich auch in der Anfang der Woche veröffentlichen Ernteschätzung des Getreidehändlers Töpfer International wieder. Die Analysten von Töpfer haben ihre Schätzung zur europäischen Maisernte ebenfalls weiter nach unten gesetzt und liegen jetzt bei 54,5 Mio. t. Das sind immerhin knapp elf Millionen Tonnen bzw. 16 % weniger als im letzten Jahr. Etwas ausgeglichen werden die niedrigeren Erträge durch die im Vergleich zum Vorjahr erfolgte Anbauausweitung auf den von Auswinterung betroffenen Flächen. Die letzten Schätzungen des USDA gehen von einer Erntefläche von 9,1 Mio. ha im Vergleich zu 8,8 Mio. ha im letzten Jahr aus.

Große Lücke in der Versorgungsbilanz

Dr. Olaf Zinke/Marktanalyst dlv
Insgesamt wird die EU-Ernte von 54,5 Mio. t den zum Vorjahr bereits deutlich reduzierten Verbrauch von 61,5 Mio. t nicht decken. Es klaffte eine Bilanzlücke von mindestens sieben Millionen Tonnen. In Verbindung mit den sehr engen globalen Versorgung dürfte dies die Preise stützten, auch wenn die Maispreise am europäischen Terminmarkt zuletzt um gut zehn Euro nachgegeben haben. Bis zur nächsten Ernte bleiben die Terminmarktpreise sowohl in Europa als auch in den USA hoch.
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