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Genom-editiertes Soja: Gentechnik oder nicht?

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Karl Bockholt, agrarheute
am
26.02.2018

In den USA kommen dieses Jahr erste Sojabohnen auf den Markt, die mit dem neuen Genome Editing gezüchtet sind. Die US-Behörden haben entschieden: Das sind keine gentechnisch veränderten Organismen (GVO), sie fallen nicht unter die Gentechnik-Vorschriften. Das ist in Europa bisher unklar.

Noch 2018 will der Europäische Gerichtshof (EuGH) entscheiden, ob mit der neuen Züchtungsmethode gezüchtete Pflanzen unter die Gentechnik-Vorschriften fallen oder nicht. Im Januar war dazu eine Vorentscheidung gefallen. In einem von Frankreich angestrengten Verfahren sprach sich der Generalanwalt dafür aus, dass editierte Pflanzen genau dann nicht als gentechnisch veränderte Organismen (GVO) gelten, wenn sie auch unter natürlichen Bedingungen hätten entstehen können. Das Urteil folgt in der Regel dem Plädoyer.

In Deutschland ist im aktuellen Koalitionsvertrag vereinbart, dass die neue Regierung im Anschluss an das EuGH-Urteil Regeln findet, die „das Vorsorgeprinzip und die Wahlfreiheit“ gewährleisten.

Gentechnik oder nicht?

Sicher ist: Europa muss sich darauf einstellen, dass in den USA weitere, mit der „Gen-Schere“ CRISPR gezüchtete Pflanzen folgen. Denn die Methode ist relativ schnell und günstig. US-Züchter fragen einfach die Landwirtschaftsbehörde USDA, ob Neuzüchtungen als GVO gelten oder nicht. Bis Januar 2018 gingen 59 Anfragen ein, meist gab das Amt grünes Licht. Wird kein artfremdes Genmaterial eingeschleust, ist die Pflanze also „transgen-frei“, dürfen die Sorten ohne weitere Auflagen angebaut und Lebens- oder Futtermittel werden.

Bei den veränderten Sojabohnen sind zwei Gene blockiert. So ändert sich das Fettsäureprofil, der Gehalt an Ölsäure steigt. Mit den ölsäure-reichen Bohnen, gibt es beim Braten oder Frittieren weniger sogenannte Transfettsäuren. Die gelten als gesundheitlich bedenklich.

"Schere" für Gene

Das Genome-Editing führt an vorgegebenen Stelle im Erbgut gezielt Mutationen herbei. Die Züchter konzentrieren sich dabei auf vorteilhafte Eigenschaften. Weitere Beispiele sind mehltau-resistenter Weizen, herbizid-resistente Soja- und Weizensorten, Raps mit veränderten Fettsäuren, länger lagerfähige Kartoffeln oder leichter verdauliche Luzerne.

Freigaben hatten zuletzt dürreresistenter Wachsmais mit speziell zusammengesetzter Stärke von DowDuPont Pioneer erhalten, weiter ertragreichere Camelina-Leindottersorten vom Startup Yield10 Bioscience oder Miracle-Gro-Gräser, die langsamer wachsen und weniger oft geschnitten werden müssen. Auch trockentolerante Sojabohnen oder ein Blattflecken-resistenter Mais gilt demnach nicht als GVO.

Importkontrollen unmöglich?

Angebaut und verarbeitet werden die genom-editierten Pflanzen wie konventionelle. Beimischungen sind da programmiert. Analytisch lassen sie sich nicht unterscheiden, schon gar nicht in großen Lieferungen in die EU. Die üblichen Importkontrollen auf Spuren von hier nicht zugelassenen GVO dürften bei genom-editierten Pflanzen ins Leere laufen.

Wenn die EU genom-editierte Pflanzen als GVO reguliert und sie den Vorschriften für Zulassung und Kennzeichnung unterwirft, wäre das kaum zu kontrollieren. Die einzige Lösung wäre, den Agrarhandel mit den USA in bestimmten Teilen vollständig einzustellen.

Mit Material von transgen

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