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Mais

Was halten Sie von Blühstreifen im (Biogas)mais?

von , am
25.03.2011

Initiativen wie "Bunte Felder" und "Farbe ins Feld" sollen Biogas-Maisäcker vielfältiger machen. Wir fragen Landwirte, was sie von solchen Projekten halten.

Der Mais findet dieses Jahr regional sehr unterschiedliche Wachstumsbedingungen vor. © landpixel
Heinrich-Wilhelm Bührke, Leiter Landwirtschaft der JLW Holding AG, Lindhorst Gruppe, 29308 Winsen/Aller, Niedersachsen
 
In der Lüneburger Heide, und hier speziell im Landkreis Celle mit einer besonders hohen Dichte an Biogasanlagen, ist die Akzeptanz der Bevölkerung für neue Projekte im Bereich der regenerativen Energien nur noch gering. Ich halte es daher für wichtig, neue Wege in der Substratversorgung von Biogasanlagen zu gehen, um die Wahrnehmung der Biogasproduktion in der Öffentlichkeit positiv zu verändern. Der NABU Niedersachsen hat in Zusammenarbeit mit der Lindhorst Gruppe ein Substratanbaukonzept ausgehandelt, welches Blühflächen und Blühstreifen in die Versorgung von Biogasanlagen einbezieht. Ein hoher Anteil von mindestens 50 Prozent an Grassilagen, Landschaftspflegematerial, Blühpflanzen sowie Ganzpflanzensilagen führen zu einer Auflockerung und 'Entmaisung' der Fruchtfolgen. Dies wurde in einem 10-Punkte-Papier Biogas festgeschrieben und wird Naturschutz und moderne Landwirtschaft in Einklang bringen. weiterlesen...

Anteil an Mais wird zunehmen

Christoph Huber, Neufahrnreuth, 84088 Neufahrn in Niederbayern, Bayern 
 
Grundsätzlich finde ich solche Projekte gut. Wenn ich bei uns in der Gegend die Ackerfläche (ohne Grünland) betrachte, gliedert sich diese in Getreide, Raps, Hackfrüchte und Mais. Dieser übersteigt meiner Meinung nicht die Grenze von 30 Prozent. Deshalb gibt es hier momentan keine Vermaisung. Der Anteil an Mais nimmt zu, allerdings nicht nur Silomais, sondern auch Körnermais der für die Schweinemast benötigt wird. Blühstreifen sehen toll aus und machen es den Jägern einfacher. Zu beachten ist aber, dass wir in unserer Gegend sehr kleinstrukturierte Flächen haben, die durchschnittliche Schlaggröße übersteigt drei Hektar nicht, wobei es selbstverständlich auch größere Flächen gibt. Wenn ich Blühstreifen anlegen würde, bliebe dann vom Acker zum Beernten nicht mehr viel übrig. Im Übrigen haben wirtschaftlich denkende Landwirte die Waldränder sowieso stillgelegt oder als Grünland genutzt, da der Ertrag hier meist nicht hoch ist. weiterlesen...

Antragstellung viel zu kompliziert

Leonhard Rösel, 92259 Neukirchen, Bayern
 
An sich ist das Projekt 'Farbe ins Feld' eine super Sache aber die Antragstellung für KULAP-Blühstreifen ist viel zu kompliziert für kleine Strukturen, wie sie bei uns vorherrschen und ist nur mit sehr viel Aufwand realisierbar. Für die Akzeptanz in der Öffentlichkeit ist dies kein Nachteil aber eine ausgewogene und abwechslungsreiche Fruchtfolge ist besser. weiterlesen...
 

Angelika Sontheimer
Freie Agrarjournalistin

 

 
 
 

Was halten Sie von Programmen zum Anlegen von Blühstreifen im (Biogas)mais?

Heinrich-Wilhelm Bührke aus Winsen ist für eine Entmaisung auf den Äckern.

Initiativen wie "Bunte Felder" und "Farbe ins Feld" sollen Biogas-Maisäcker vielfältiger machen. Wir fragen Heinrich-Wilhelm Bührke, was er von solchen Projekten hält.


Mein Name ist Heinrich-Wilhelm Bührke, ich bin Leiter Landwirtschaft der JLW Holding AG. Unsere Zentrale liegt in Winsen (Aller) in der südlichen Lüneburger Heide, wir bewirtschaften aber in mehreren Bundesländern landwirtschaftliche Betriebe. Auf einer Fläche von rund 24.000 Hektar produzieren wir vor allem Getreide, Raps, Mais und Futterpflanzen. Unsere Milchproduktion beträgt acht Millionen Liter.

Entmaisung statt Vermaisung

In der Lüneburger Heide, und hier speziell im Landkreis Celle mit einer besonders hohen Dichte an Biogasanlagen, ist die Akzeptanz der Bevölkerung für neue Projekte im Bereich der regenerativen Energien nur noch gering. Ich halte es daher für wichtig, neue Wege in der Substratversorgung von Biogasanlagen zu gehen, um die Wahrnehmung der Biogasproduktion in der Öffentlichkeit positiv zu verändern. Der NABU Niedersachsen hat in Zusammenarbeit mit der Lindhorst Gruppe ein Substratanbaukonzept ausgehandelt, welches Blühflächen und Blühstreifen in die Versorgung von Biogasanlagen einbezieht. Ein hoher Anteil von mindestens 50 Prozent an Grassilagen, Landschaftspflegematerial, Blühpflanzen sowie Ganzpflanzensilagen führen zu einer Auflockerung und "Entmaisung" der Fruchtfolgen. Dies wurde in einem 10-Punkte-Papier Biogas festgeschrieben und wird Naturschutz und moderne Landwirtschaft in Einklang bringen.
 
 

Höhere Akzeptanz in der Bevölkerung schaffen

Bisher gilt Mais zwar noch als wirtschaftlichste Frucht für die Biogasproduktion, wir werden jedoch in Zukunft die Vorteile unserer Anbaualternative wie Risikostreuung durch Vielfalt, Ausweitung des Erntezeitfensters und verbesserte Bodengesundheit konsequent nutzen. Mit der Umsetzung des 10-Punkte-Papiers Biogas setzen wir auf eine höhere Akzeptanz unserer Projekte im Bereich regenerative Energien.

Was halten Sie von Programmen zum Anlegen von Blühstreifen im (Biogas)mais?

Christoph Huber aus Neufahrnreuth in Niederbayern findet die Anlage von Blühstreifen in Mais gut.

Initiativen wie "Bunte Felder" und "Farbe ins Feld" sollen Biogas-Maisäcker vielfältiger machen. Wir fragen Christoph Huber, was er von solchen Projekten hält.


Mein Name ist Christoph Huber, ich bin Agrarbetriebswirt. Unser Betrieb liegt in Niederbayern in Einzellage mit einer Entfernung zum Ort von 500 Metern. Wir betreiben Schweinemast und eine Biogasanlage mit 380 kWel. Der Betrieb wird in Zusammenarbeit mit den Eltern bewirtschaftet.

Anteil an Mais wird zunehmen

Grundsätzlich finde ich solche Projekte gut. Wenn ich bei uns in der Gegend die Ackerfläche (ohne Grünland) betrachte, gliedert sich diese in Getreide, Raps, Hackfrüchte und Mais. Dieser übersteigt meiner Meinung nicht die Grenze von 30 Prozent. Deshalb gibt es hier momentan keine Vermaisung. Der Anteil an Mais nimmt zu, allerdings nicht nur Silomais, sondern auch Körnermais der für die Schweinemast benötigt wird. Blühstreifen sehen toll aus und machen es den Jägern einfacher. Zu beachten ist aber, dass wir in unserer Gegend sehr kleinstrukturierte Flächen haben, die durchschnittliche Schlaggröße übersteigt drei Hektar nicht, wobei es selbstverständlich auch größere Flächen gibt. Wenn ich Blühstreifen anlegen würde, bliebe dann vom Acker zum Beernten nicht mehr viel übrig. Im Übrigen haben wirtschaftlich denkende Landwirte die Waldränder sowieso stillgelegt oder als Grünland genutzt, da der Ertrag hier meist nicht hoch ist.

Auch Blühflächen müssen gepflegt werden

Bei uns in Bayern wurde das Blühflächenprogramm stark gefördert. Das sieht in den ersten Jahren gut aus, wirkt danach aber sehr marode und ungepflegt. Ob das der richtige Weg ist? Gras ist aufgrund der höheren Anforderungen an die Rühr- und Einbringtechnik nicht für alle Anlagen geeignet. Ich finde, das muss jeder für sich selbst wissen. In der Gesellschaft ist die Akzeptanz für die Biogasanlage immer dann hoch, wenn Öffentlichkeitsarbeit betrieben wird und die Anwohner Wärme beziehen.  

Was halten Sie von Programmen zum Anlegen von Blühstreifen im (Biogas)mais?

Leonhard Rösel aus Neukirchen in Bayern findet eine abwechslungsreiche Fruchtfolge besser als die Anlage von Blühstreifen.

Initiativen wie "Bunte Felder" und "Farbe ins Feld" sollen Biogas-Maisäcker vielfältiger machen. Wir fragen Leonhard Rösel, was er von solchen Projekten hält.


Mein Name ist Leonhard Rösel, ich bin Studierender an der Technikerschule in Triesdorf. Unser Betrieb liegt in Neukirchen bei Sulzbach-Rosenberg im Oberpfälzer Landkreis Amberg-Sulzbach circa 45 Kilometer östlich von Nürnberg. Wir betreiben eine reine NawaRo-Biogasanlage.

Antragstellung viel zu kompliziert

An sich ist das Projekt "Farbe ins Feld" eine super Sache aber die Antragstellung für KULAP-Blühstreifen ist viel zu kompliziert für kleine Strukturen, wie sie bei uns vorherrschen und ist nur mit sehr viel Aufwand realisierbar. Für die Akzeptanz in der Öffentlichkeit ist dies kein Nachteil aber eine ausgewogene und abwechslungsreiche Fruchtfolge ist besser.

Abwechslungsreiche Fruchtfolge ist besser als Blühstreifen

Wir praktizieren die fünfgliedrige Fruchtfolge nach KULAP A31 und informieren die Anwohner, damit diese wissen, was wir machen. Viel besser als die Blühstreifen finde ich die abwechslungsreiche Fruchtfolge, diese bringt auch für die Bodenfruchtbarkeit etwas.  
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