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Mais

Körnermais: Sortenversuche 2013

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von , am
06.01.2014

Hannover - Die Landessortenversuche der LWK Niedersachsen gestalteten sich 2013 ähnlich schwierig wie der Maisanbau in der Praxis. An einigen Standorten konnten die Versuche daher nicht gewertet werden.

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2013 war nicht das ideale Maisjahr. Eine frühe Aussaat, wie sie für den Körnermais wichtig ist, war durch den langen Winter mit Dauerfrost im März und bis in den April hinein und die nur langsame Bodenerwärmung kaum möglich. Die Witterung im Mai und Juni war deutlich zu kalt und verzögerte und erschwerte die Jugendentwicklung der Bestände deutlich. In dieser frühen Phase wird bereits die Kolbenanlage gebildet und es war eigentlich schon klar, dass ein Ertragsniveau, wie es in den Vorjahren erreicht wurde, in 2013 nicht realisiert werden würde. Die Auswirkungen des nasskalten Frühsommers verzögerten die Blüte des Maises und führten somit zu einer später beginnenden und kürzeren Kornfüllungsphase, der die warmen Tage Anfang August genommen wurden. Im südlichen Weser-Ems-Raum, einer Region mit relativ hohem Körnermaisanteil, kam es im Sommer zu einem heftigen Witterungswechsel. Die Temperaturen stiegen über Wochen deutlich an, doch Regen blieb aus. Trockenschäden auf leichten Standorten waren die Folge, bis hin zu vereinzelt auftretender Kolbenlosigkeit.

Deutlich längerer Abreifeprozess

Im Verlauf der Abreife zeigte sich nicht nur welche Sorten einem Sturm gewachsen sind, auch Stängelfäule war in 2013 weit verbreitet. Dies war besonders im nördlichen Niedersachsen auch schon bei Silomaisbeständen deutlich sichtbar. Der deutlich längere Abreifeprozess beim Körnermais gibt dieser Pilzkrankheit, basierend auf mehreren Fusariumarten, mehr Zeit zur Ausbreitung. Die betroffenen Pflanzen reifen dann aufgrund unterbrochener Leitungsbahnen im unteren Stängelbereich nicht richtig ab beziehungsweise entfalten nicht ihr volles Ertragspotenzial. Darüber hinaus leidet die Standfestigkeit stark und es kann zum Herunterklappen bis hin zum Abfallen der Kolben kommen.
 
Zur Ernte bedeuteten all diese Faktoren vielfach Ertragsminderungen gegenüber den Vorjahren um circa 20 Prozent und mehr; eine Größenordnung, wie sie auch beim Silomais bereits zu verzeichnen war. Mit 91.000 Hektar ging die laut GAP-Anträgen gemeldete Körnermaisanbaufläche gegenüber 2012 um fast neun Prozent zurück und fiel damit wieder deutlich unter die 100.000 Hektarmarke. Die deutlich geringeren Silomaiserträge in Kombination mit einer insgesamt um etwa fünf Prozent verringerten Maisanbaufläche führten zwangsläufig zur Umnutzung von Körnermaisbeständen zur Silagegewinnung.
 
Der beim Körnermais rund fünf Euro pro Dezitonne geringere Markterlös gegenüber dem Vorjahr begünstigte dies noch. Insgesamt geht die Landwirtschaftskammer Niedersachsen davon aus, dass gut die Hälfte der geplanten Körnermaisfläche zum Ausgleich der Ertragseinbußen beim Silomais gehäckselt wurde. Dies macht einen der großen Vorteile dieser Kultur deutlich. Durch die vielfältigen Nutzungsmöglichkeiten kann flexibel auf jahres- oder marktbedingte Einflüsse reagiert werden. So können zum Beispiel frühzeitig lagernde Körnermaisbestände mit reihenunabhängiger Technik als Silomais geerntet werden. Andersherum können bei guten Erträgen im Silomais, wie in den vergangenen Jahren häufig, Übermengen als Körnermais gedroschen und als Marktfrucht abgesetzt werden.

Landessortenversuche gestalteten sich schwierig

Die Landessortenversuche der LWK Niedersachsen gestalteten sich in diesem Jahr ähnlich schwierig wie der Maisanbau 2013 in der Praxis. Neben Kälte im Frühjahr und Trockenheit im Sommer stellten regional auftretende Wärmegewitter mit Sturmböen die Standfestigkeit der Sorten auf die Probe. Dies führte am Standort Borwede dazu, dass der Versuch nicht gewertet werden konnte. Am Standort Belm bei Osnabrück zeigte sich durch die Auswertung, dass der Haupteinfluss auf das Ergebnis durch Bodenunterschiede als Folge der Trockenheit im Sommer und nicht durch Sortenunterschiede gegeben war. Auch hier konnte das Ergebnis nicht gewertet werden. Durch die mehrjährige Verrechnungsmethode, die neben den LSV-Ergebnissen der letzten Jahre auch die Ergebnisse der Vorprüfungen (Wertprüfung des Bundessortenamtes bzw. EU-Prüfungen der Procorn) berücksichtigt, ist dennoch eine sichere Beurteilung der Sortenleistung möglich.
 
Auch neu im LSV aufgenommene Sorten werden so bereits mit Daten aus drei Versuchsjahren verrechnet, so dass auch bei Neuzulassungen die Ergebnisse nicht übermäßig durch Jahreseffekte beeinflusst werden können. Darüber hinaus wird auch länderübergreifend zusammengearbeitet, so dass angrenzende Versuche anderer Bundesländer mit in die Datenbasis einbezogen werden.
 
Die Anbauempfehlungen für die Körnermaisnutzung richten sich nach der bereinigten Marktleistung. Diese wird auf Basis der mehrjährigen Ergebnisse anhand von Kornertrag, Preisniveau und Trocknungskosten errechnet. Für die Berechnung der bereinigten Marktleistung wurden in diesem Jahr ein Marktpreis von 18 Euro pro Dezitonne (86 Prozent Trockensubstanz), Trocknungskosten von elf Cent pro Prozent Gesamtfeuchte und der Schwundfaktor 1,35 Prozent zugrunde gelegt. Für die CCM-Produktion spielt lediglich der reine Kornertrag (korrigiert auf 86 Prozent Trockensubstanz) eine Rolle. Dieser ist das für eine Anbauempfehlung ausschlaggebende Merkmal.
 
Für den Körnermaisanbau wird in Niedersachsen zwischen der Region Nord und der Region Süd unterschieden. Diese sogenannten Bodenklimaräume spiegeln unterschiedliche klimatische Verhältnisse wider. Für den Körnermaisanbau bedeutet dies in erster Linie, dass im Norden eine geringere Wärmesumme für den Maisanbau zur Verfügung steht.

Region Nord

Für die ungünstigeren Wachstumsbedingungen im nördlichen Niedersachsen werden aufgrund der mehrjährigen Verrechnung der Versuchsergebnisse für den Körnermaisanbau die Sorten Amagrano (K 210), Amoroso (K 230), Colisee (K 220), Farmstar K 210), Ricardinio (K 220), Laurinio (K 200), Silvinio (K 210), Amamonte (K 240), Tiberio (K 230) und Amaryl (K 230) empfohlen (absteigende Reihenfolge). Die Neuzulassungen Rivaldinio KWS (K 240), Millesim (K 250) und Monasterium (K 210) werden aufgrund ihrer überzeugenden Leistungen für den Probeanbau empfohlen (siehe auch Tabelle Körnermais-Sortenprüfungen 2008 bis 2013, Nord). Zu beachten ist bei der Sortenwahl nicht nur die Empfehlung in der jeweiligen Region, sondern gerade im Norden auch das Abreifeverhalten und die Standfestigkeit.
 
Je weiter nördlich der Mais angebaut wird und je schwieriger der Standort, desto entscheidender ist ein frühes Abreifeverhalten und eine geringe Lageranfälligkeit (weitere Sorteninformationen in der Tabelle „Sortenratgeber Körnermais“). Für den Anbau von CCM gilt dies nicht in dieser Deutlichkeit, denn der Erntetermin liegt früher und Trocknungskosten spielen hierbei keine Rolle. Die Anbauempfehlung für CCM erhalten die Sorten Grosso (K 250), Alduna (K 250), Amamonte (K 240), Toninio (K 240), Ricardinio (K 220), Amoroso (K 230) und Farmgold (ca. K 240). Für den Probeanbau werden die Neuzulassungen Millesim (K 250), Rivaldinio KWS (K 240), LG 30249 (K 250) und Claudinio (K 250) empfohlen.

Region Süd

Der Körnermaisanbau hat im südwestlichen Niedersachsen die größte Bedeutung. Hier wird er als Futter direkt gebraucht und wird auch mit den organischen Düngern der Veredelungsbetriebe gedüngt. Das sogenannte Oldenburger Münsterland liegt vorwiegend in der Anbauregion Süd. Die mehrjährige Auswertung der Landessortenversuche Körnermais führt im südlichen Niedersachsen für die Sorten Amagrano (K 210), Ricardinio (K 220), Laurinio K 200), Silvinio K (210), Colisee (K 220), Amaryl (K 230), Amoroso (K 230), Tiberio (K 230) und Toninio (K 240) zu einer Anbauempfehlung in dieser Nutzungsrichtung. Als Neuzulassungen werden die Sorten Rivaldinio KWS (K 240), Millesim (K 250), und Monasterium (K 210) für den Probeanbau empfohlen. Die Tabelle "Körnermais-Sortenprüfungen 2008 bis 2013, Süd" gibt weitere Informationen zu den Bonituren wie Stängelfäule- und Lageranfälligkeit der in 2013 geprüften Sorten. Auch die in diesem schwierigen Maisjahr erzielten Ergebnisse sind hier aufgeführt. Für die CCM-Produktion werden nur die ertragsstärksten Sorten empfohlen.
 
Im südlichen Niedersachsen sind dies die Sorten Grosso (K 250), Ricardinio (K 220), Toninio (K 240), Amamonte (K 240), Farmgold (ca. K 240), Alduna (K 250), Tiberio (K 230) und Amoroso (K 230). Für den Probeanbau werden darüber hinaus die Sorten Rivaldinio KWS (K 240), Millesim (K 250), Claudinio (K 250) und LG 30249 (K 250) empfohlen. Auch wenn die diesjährige Witterung dem Mais einiges abverlangt hat, erzielten vorwiegend die Sorten sehr gute Ergebnisse, die sich in der Vergangenheit ebenfalls als ertragreich erwiesen hatten. Gerade auf leichteren Standorten kann kaum eine Kultur mit der Ertragsfähigkeit des Maises gleichziehen.
 
Der Körnermais ist und bleibt daher mit Sicherheit auch in Zukunft ein wichtiges und sicheres Fruchtfolgeglied, sei es als Druschfrucht im eigentlichen Sinne, für die CCM-Produktion oder auch als Reserve bbeziehungsweise Übermengenventil im Silomaisanbau. Ist die Nutzungsrichtung zum Zeitpunkt der Sortenwahl noch nicht eindeutig geklärt, so sollte darauf geachtet werden, dass die Sorten möglichst sowohl eine Körnermais- als auch eine Silomaisempfehlung der Landwirtschaftskammer Niedersachsen erzielt haben.

Vegetationsreport: Bodenbearbeitung nach Mais (Oktober 2013)

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