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Mais

Kritiker fordern: Anbau von Genmais 1507 ablehnen!

© Mühlhausen/landpixel
von , am
15.01.2014

Brüssel - Gentechnikkritiker verschiedener politischer Lager haben die Bundesregierung aufgerufen, sich in Brüssel klar gegen eine EU-Anbauzulassung der Genmaislinie 1507 auszusprechen.

Fünf Bundesländer eine einheitliche Regelung für den Anbau von gentechnisch veränderten Pflanzen. © Mühlhausen/landpixel
Die Agrarexpertin der Bundestagsfraktion Die Linke, Dr. Kirsten Tackmann, hält die Antwort des Bundeslandwirtschaftsministeriums auf eine Kleine Anfrage für zu vage. Die Parlamentarische Staatssekretärin Dr. Maria Flachsbarth hatte Tackmann vergangene Woche mitgeteilt, die Regierung werde ihre Position rechtzeitig vor einer Abstimmung im Rat festlegen.
 
"Vom Anbau gentechnisch veränderter Pflanzen können erhebliche Umweltrisiken ausgehen, beispielsweise für Insekten", monierte Tackmann in einer Reaktion. Die Linkspolitikerin forderte einen nationalen Dialog über die Positionierung der Bundesregierung zu Gentech-Entscheidungen in Brüssel.

EU-Diplomaten beschäftigen sich kommenden Freitag mit dem Anbau von 1507

Die EU-Mitgliedstaaten beschäftigen sich voraussichtlich an diesem Freitag (17. Januar) auf Ebene der Chefdiplomaten mit der Frage. Die Europäische Kommission überwies das Dossier im November zur Abstimmung an den Rat, der sich innerhalb von drei Monaten dazu äußern muss. Die Frist läuft am 12. Februar ab. Da es davor keinen Agrarrat gibt, scheint der Wirtschafts- und Finanzrat am 28. Januar die einzige Möglichkeit für eine Aussprache auf Ministerebene zu sein. Die griechische Ratspräsidentschaft würde ein schriftliches Verfahren unter Umgehung der Minister bevorzugen, doch dagegen regt sich dem Vernehmen nach der Widerstand der großen Mitgliedstaaten - vor allem Frankreichs.

AbL: Maiszünsler mit ackerbaulichen Methoden gut in den Griff zu bekommen

Ins gleiche Horn wie Tackmann stieß die Arbeitsgemeinschaft bäuerliche Landwirtschaft (AbL). Ein Nein sei ein gutes Signal für die Bevölkerung sowie für die bäuerliche Landwirtschaft in Deutschland und in Europa, erklärte die AbL-Bundesvorsitzende Maria Heubuch. "Im Koalitionsvertrag der neuen Bundesregierung heißt es: 'Wir erkennen die Vorbehalte des Großteils der Bevölkerung gegenüber der Grünen Gentechnik an'", argumentierte die Bäuerin aus dem Allgäu. Heubuch bestritt den Nutzen der Pflanze, die gegen den Maiszünsler resistent ist. Der Schädling sei in Deutschland mit ackerbaulichen Methoden gut in den Griff zu bekommen, zum Beispiel durch Fruchtfolgen, tiefes Schlägeln und Einarbeiten der Ernterückstände. Der AbL-Bundesvorsitzende Bernd Voss ergänzte, der Anbau von gentechnisch veränderten Pflanzen führe zu einem höheren Pestizidverbrauch, geringeren Ernten, resistenten Unkräutern und Schädlingen, die teilweise zu höheren Ernteausfällen führten als bei gentechnikfreiem Anbau.

Meyer an Friedrich: 'Keinen neuen Genmais zulassen'

In einem Brief fordert Niedersachsens Landwirtschaftsminister Christian Meyer Bundesagrarminister Hans-Peter Friedrich dazu auf, sich für ein Anbauverbot der gentechnisch veränderten Mais-Sorte 1507 des US-Konzerns Pioneer Hi-Bred einzusetzen.
 
Meyer schreibt: "Wir sehen erhebliche Gefahren für Mensch und Umwelt sowie für die gentechnikfreie Landwirtschaft und teilen die Meinung der großen Mehrheit der Verbraucher, die genveränderte Pflanzen und Tiere ablehnen". Eine Koexistenz des Anbaus von genveränderten Organismen (GVO) und Nicht-GVO ist nach Meyers Worten nicht möglich. Mit einem eindringlichen Appell wendet sich der Grünen-Politiker daher an den CSU-Agrarminister: "Für die Bauern in Europa und in Deutschland ist der gentechnikfreie Anbau ein großer Marktvorteil, den es zu schützen gilt."

'Gentechnik führt zu höherem Pestizidverbrauch und Streit'

Der niedersächsische Minister verwies auf Erfahrungen aus Nord- und Südamerika, wonach der Anbau von gentechnisch veränderten Pflanzen nicht die Vorteile bringe, die die Gentechnik-Industrie versprochen habe. "Stattdessen führt der Anbau von Gentechnik-Pflanzen zu einem höheren Pestizidverbrauch sowie resistenten Unkräutern und Schädlingen, die teilweise höhere Ernteausfälle zur Folge haben als bei einem gentechnikfreien Anbau."
 
Meyer forderte Friedrich auf, "gegen die Zulassung einer neuen genmanipulierten Maissorte zu stimmen". Das entziehe zum einen drohenden Konflikten zwischen Landwirten, die GVO und Nicht-GVO in direkter Nachbarschaft anbauten, den Boden. Zum andern birgt der Genmais 1507 Meyer zufolge Gesundheitsrisiken, da er gegen Glufosinat resistent sei. Dieser Wirkstoff sei auch von der Europäischen Lebensmittelsicherheitsbehörde EFSA als problematisch eingestuft worden, da Glufosinat Einfluss auf die embryonale Entwicklung habe. Der Wirkstoff solle laut Aussagen des Bundesagrarministeriums 2017 europaweit seine Zulassung verlieren. Meyer richtet deshalb folgende Frage an Friedrich: "Warum also dann jetzt eine gegen Glufosinat resistente Pflanze zulassen?"
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