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Mais

Maiswurzelbohrer: Erste Resistenzen gegen Bt-Mais

von , am
16.09.2011

Lebende, fressende Maiswurzelbohrer in gentechnisch veränderten Bt-Maisfeldern. Das kann eigentlich nicht sein. Dennnoch machten Wissenschaftler in den USA dementsprechende Funde.

Maiswurzeln und die Larve eines Westlichen Maiwurzelbohrers. Junge Larven fressen an Fein- und Hauptwurzeln. © Mühlhausen/landpixel
In den USA gibt es Anzeichen dafür, dass der Maiswurzelbohrer gegen gentechnisch veränderten Bt-Mais resistent werden könnte. Wissenschaftler in Iowa, Illinois und Minnesota fanden lebende Exemplare des Käfers sowie offensichtlich durch sie verursachte Schäden in Bt-Maisfeldern. Das berichtet bioSicherheit.de, eine Seite des Bundesforschungsministeriums.
 
Das genaue Ausmaß der Resistenzbildung ist noch nicht bekannt. Betroffen sind bislang ausschließlich Maissorten von Monsanto. Die Firma sprach von Einzelfällen, will aber gemeinsam mit den Wissenschaftlern weitere Untersuchungen durchführen.

2009: Ausgewachsene Käfer auf 'Genfeldern' in Iowa

Ende Juli 2011 erschien in der Online-Zeitschrift PloS ONE eine Veröffentlichung des Entomologen Aaron Gassmann von der Iowa State University. Darin wurden erstmals Maiswurzelbohrer beschrieben, die im Feld gegenüber dem Bt-Protein Cry3Bb1 resistent geworden sind. Dieses Protein ist speziell gegen diesen Käfer gerichtet.
 
2009 hatte Gassmann ausgewachsene Maiswurzelbohrer auf vier Feldern in Iowa gesammelt, auf denen Bt-Mais der Firma Monsanto, der Cry3Bb1 bildet, angebaut wurde. In Laboruntersuchungen wiesen die Wissenschaftler nach, dass die Käfer eine deutlich höhere Dosis von Cry3Bb1 überlebten als ihre Artgenossen.
 
Monsanto: Fälle lokal begrenzt
 
Zeitgleich mit der Veröffentlichung erschien eine Pressemitteilung von Monsanto, in der es hieß, in 99 Prozent aller Fälle würde der Schädling beim Anbau der beiden betroffenen Maissorten effektiv kontrolliert. Gleichwohl würde man die Ergebnisse ernst nehmen und weitere Studien auch gemeinsam mit Aaron Gassman durchführen. In einem Interview sagte ein Pressesprecher, es handele sich um lokal begrenzte Einzelfälle auf einer Fläche von unter 100.00 Hektar.
 
2011: Wieder Maiswurzelbohrer auf Feldern mit Bt-Mais
 
Ende August 2011 schrieb der Entomologe Michael Gray von der Universität Urbana, Illinois, in einer Farmerzeitschrift, er habe in zwei Counties von Illinois Maiswurzelbohrer auf Feldern mit Bt-Mais gefunden. Um festzustellen, ob die Käfer resistent sind, müssten sie jedoch erst noch im Labor untersucht werden. Seitdem sollen sich eine Reihe von Landwirten bei Gray gemeldet haben, die ebenfalls von Diabrotica-Funden und dazu passenden Schäden an ihren Bt-Maispflanzen berichteten.
 
Diabrotica-Schäden auch in Minnesota
 
Der Entomologe Ken Ostlie von der University of Minnesota berichtete von typischen Diabrotica-Schäden in Bt-Maisfeldern in Minnesota. Für Wissenschaftler kommt diese Entwicklung nicht überraschend.
 
Universität Göttingen warnte bereits 2003 vor Resistenzen
 
Stefan Vidal von der Universität Göttingen äußerte laut bioSicherheit.de bereits 2003 im Interview mit bioSicherheit, dass es in den USA in absehbarer Zeit zu Resistenzbildungen beim Maiswurzelbohrer kommen könnte, weil die entsprechenden Bt-Maissorten relativ niedrige Gehalte an Cry3Bb1 aufwiesen.
 
Ursache: Niedrige Cry3Bb1-Gehalte, wenig Refugien und geringer Fruchtwechsel
 
Diese Befürchtung teilten auch eine Reihe von Wissenschaftlern, die die Environmental Protection Agency bei der Zulassung in den USA berieten, und sprachen sich deshalb für Refugienflächen von 50 Prozent aus. Die Behörde schrieb aber schließlich nur 20 Prozent vor. Eine Studie des Center for Science in the Public Interest zeigte, dass sich 2003 noch über 90 Prozent der Landwirte, die Bt-Mais anbauen, daran hielten, 2008 waren es dagegen nur noch drei Viertel.
 
Auch nach Ansicht von Aaron Gassmann könnten unzureichende Refugien zur Resistenzbildung beigetragen haben. Gassmann forderte außerdem eine integrierte Schädlingsbekämpfung, die nicht nur auf Bt-Pflanzen, sondern auf weitere Maßnahmen wie Fruchtwechsel setzt. So lange Resistenzen nur vereinzelt auftreten und die Häufigkeit der entsprechenden Gene in der Population niedrig ist, stellen sie kein Problem dar, sondern erst dann, wenn die Schädlingspopulation überwiegend aus resistenten Individuen besteht. Wie weit diese Entwicklung beim Westlichen Maiswurzelbohrer in den USA tatsächlich ist, ist derzeit noch unklar.
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