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Mais

Ratgeber: Erntezeitpunkt beim Silomais richtig bestimmen

von , am
01.09.2015

Die Notreife zwang viele Landwirte in Süddeutschland zum frühen Start der Maisernte. Im Norden geht es erst im September los. In unserem Ratgeber erfahren Sie, wie Sie den Erntezeitpunkt bestimmen können.

Das USDA bewertet nach wie vor 68 Prozent der Maisbestände in den USA mit gut bis sehr gut. © Amler

Die hohen Temperaturen und die geringen Niederschläge im Juli und August haben die Silomaisreife in vielen Bundesländern rasch vorangetrieben. Das Deutsche Maiskomitee (DMK) schätzte mit einem Erntezeitprognosemodel "MaisProg" die Trockensubstanzgehalte in der Gesamtpflanze (GTS) deutschlandweit. Dabei wurden in den meisten Regionen südlich des Mains sowie in den östlichen Bundesländern südlich von Berlin GTS-Werte von 28 Prozent und mehr ermittelt.
 
Damit steht die flächendeckende Erntereife in diesen Gebieten kurz bevor. In den Mittelgebirgslagen sowie den norddeutschen Anbaugebieten liegen die Trockensubstanzgehalte noch deutlich unter 28 Prozent. Laut DMK soll hier die Silomaisreife gegen Mitte bis Ende September erreicht werden.

Dieser Erntezeitpunkt gilt beim Mais

Abb. 1: Reifestadien, -merkmale und Verwendung von Mais. © Amler
Pflanzenphysiologisch entscheidend ist beim Mais die Tatsache, dass der Maisbestand bis zur Erntegrün, vital und photosyntheseaktiv bleibt (Abbildung 1). Messbar ist dieser Zustand durch ein weites Reifeverhältnis von Korn zur Restpflanze als Quotient (Silomais-Reifeindex SRI).
 
1. Grundsätzlich ist Mais bei maximal möglichem Reifeverhältnis (SRI) zum richtigen Zeitpunkt (Erntereife) zu häckseln.
 
2. Der optimale Erntezeitpunkt ist bei einem SRI von 2,6 und größer (TM-Gehalt der Restpflanze kleiner als 24 Prozent) erreicht.
 
3. Bei einem SRI von 2,8 (TM-Gehalt der Restpflanze von 22 Prozent) ist die maximale Stärkeeinlagerung erreicht. Dieser Reifepunkt ist für alle Gebrauchswerte im Maisanbau die gemeinsame Schnittstelle.
 
4. Die Nutzung von extrem umweltstabilen Maissorten mit einem SRI von über 2,8 ist für die Wiederkäuerfütterung und Gesunderhaltung des Tierbestandes von hohem Interesse. In diesem Reifebereich sinken kontinuierlich die TM-Gehalte der Gesamtpflanze, die Energie- und Stärkegehalte geringfügig sowie die Gehalte an Gerüstsubstanzen (NDF) und Carotin steigen quasi linear mit dem SRI.
 
Der Strukturwert und die physiologische Kornhärte nehmen (beginnend mit dem SRI von 2,4) zu. Der Bedarf an solch reifedifferenten, umweltstabilen Maissorten ist auch Grundlage für die Biogasproduktion, das begrenzt das Sortenangebot auf ein überschaubares Maß. Die Aussagekraft des optimalen TM-Gehaltes der Gesamtpflanze ist im Vergleich zum aktuellen Sortentyp sehr umstritten.

Die ökologische Streubreite fehlt vielen Sorten

Abb. 2: DRA-Reifemodell Mais © Amler
Die phänotypische Ausprägung der Sorten ist wichtig für jede Nutzungsrichtung.
 
Zunächst ist eine Klassifizierung des Sortentyps notwendig (Abbildung 2). 
 
 
 
Da die Umweltbedingungen stark auf die Sorteneigenschaften einwirken können, hat diese einfache Typbeschreibung oft eine geringe Relevanz. In der Anbaupraxis erweisen sich mitunter synchron abreifende Sorten als reifedifferenter als ausgewiesene stay green-Sorten.
 
Der potenzielle Sortentyp wird wie folgt beschrieben: Reifezahldifferenz (RZD) = Körnerreifezahl (KRZ) minus Siloreifezahl (SRZ).

Reifedifferenz und Silomais-Reifeindex

Weit informativer ist die
  • Reifedifferenz zur Ernte (RDE) = Prozent TM-Gehalt im Korn minus ProzentTM-Gehalt der Restpflanze),
da hier alle Umwelt- und Produktionsbedingungen standortbezogen durch eine phänologische Kennzahl zum Erntezeitpunkt erfasst werden. Dieser aktuelle Sortentyp korreliert eng mit dem noch effizienteren Reifeverhältnis zur Ernte und dem universell verwendbaren phänologischen
  • Silomais-Reifeindex (SRI) = TM-Gehalt im Korn (Prozent) : TM-Gehalt der Restpflanze (Prozent)
Die Nutzung des aktuellen gegenüber dem potenziellen Sortentyps hat erhebliche Vorteile bei der Sortencharakteristik. Der SRI ist mit vertretbarem Aufwand durch mehrfach aufeinander folgende Reifeprozesskontrollen ermittelbar. Die maximal mögliche Reifedifferenz zwischen Korn und Restpflanze beträgt nach dem ausgewerteten Datenmaterial 47,2 Prozent-Punkte bei einem SRI von 3,34.

Fazit

Der Mais-Sortentyp mit hohem SRI bei physiologischer Kornreife hat eine universelle, strategische Bedeutung für Ernte und Verwendung als Körner-, Energie- sowie Silomais.
 
Der Fokus bei der Sortenwahl ist auf reifedifferente, umweltstabile Maissorten (maximal möglicher SRI, stay green-Typ) zu legen. Dank guter Standorteignung können diese ihre Sorteneigenschaften voll ausschöpfen. 
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