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Mais

Serbien: Maisernte bricht um 50 Prozent ein

von , am
24.08.2012

Belgrad - In Serbien wird wohl nur halb so viel Mais geerntet wie erwartet. Grund für den Produktionseinbruch ist die extreme Hitze der letzten Monate.

Sollte die serbische Maisernte tatsächlich so schlecht ausfallen wie erwartet, wäre nicht einmal der Inlandsbedarf gedeckt. © rollyphoto/Fotolia.com
Dabei erzeugt das südosteuropäische Land eigentlich deutlich mehr Mais als es selbst verbraucht und exportiert diese Überschüsse ganz überwiegend in die EU. In den letzten Jahren lagen die Exportengen zwischen 1,5 und zwei Millionen Tonnen (Mio. t). Mittlerweile gibt es jedoch Spekulationen über ein mögliches Exportverbot für Mais sowie eine deutliche Senkung der Importzölle.

Exporte kaum möglich

In diesem Jahr fallen die Maiserträge nach einer Einschätzung des serbischen Bauernverbandes jedoch bis 50 Prozent (%) niedriger aus als im langjährigen Mittel und damit schrumpft auch die erwartete Erntemenge deutlich zusammen. Grund dafür ist die extreme Hitze und Trockenheit der letzten Monate. Auf einer Anbaufläche von rund 1,3 Millionen Hektar (Mio. ha) war zunächst eine Produktionsmenge von etwa sieben Millionen Tonnen Mais erwartet worden. Diese Erntemenge hätte Exporte von etwa zwei Millionen Tonnen ermöglicht.
 
Nun können die serbischen Landwirte offenbar nur noch mit einer Ernte von 3,5 bis vier Mio. t Mais rechnen. Dies wären rund 50 % weniger als zunächst erwartet. Damit wäre nicht einmal den Inlandsbedarf gedeckt und Exporte sind eigentlich nicht mehr möglich.
 
Eine Folge der sich abzeichnenden Missernte ist ein sehr kräftiger Preisanstieg am serbischen Binnenmarkt von rund 20 % in den letzten vier Wochen.

USDA wohl noch zu optimistisch

Das US-Landwirtschaftsministerium hatte die erwartetet serbische Maisernte in seiner Augustprognose bereits von um 1,5 Mio. t auf nur noch 5,5 Mio. t reduziert. Diese Erntemenge dürfte jedoch noch immer zu hoch sein, denn die neuen Daten aus Serbien liegen noch deutlich darunter. Die Exportmenge hatte das USDA im zuletzt von 1,8 Mio.t auf 1,3 Mio. t reduziert. Auch diese Menge dürfte angesichts des sich abzeichnenden Produktionseinbruchs viel zu hoch sein.
 
Vielmehr nehmen Spekulationen über ein Exportverbot sowie die Senkung der Einfuhrzölle zu.

Größte Dürre seit langem

Die serbische Handelskammer hat die Gesamtschäden aus der Dürre für die Landwirtschaft jetzt auf zwei Milliarden US-Dollar geschätzt, davon allein eine Milliarde US-Dollar in der Maisproduktion. Damit wären die finanziellen Auswirkungen der diesjährigen Dürre größer als während der den letzten Trockenjahre 2008, 2004 und 2001
 
Zudem sind auch andere landwirtschaftliche Kulturen von den Auswirkungen der Dürre massiv betroffen.

Nahrungsmittel deutlich teurer

Dr. Olaf Zinke/Marktanalyst dlv
Eine Folge der Missernte und der steigenden Preise für landwirtschaftliche Produkte ist ein massiver Anstieg der Verbraucherpreise für Nahrungsmittel in Serbien sowie ein deutlicher Rückgang der Exporte. Innerhalb weniger Wochen sind die Preise für Pflanzenöl um 20 %, für Fleisch um 20 %, für Brot und Weizenmehl um mehr als zehn Prozent sowie für Milchprodukte um fünf Prozent gestiegen. Dieser Anstieg ist besonders dramatisch, denn die Serben müssen rund 40 % ihres Einkommens für Nahrungsmittel ausgeben.
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