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Trockenheit

Silomais: Aktuelle Empfehlungen zum Erntezeitpunkt

trockener Mais in Norddeutschland 2018
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Klaus Strotmann, agrarheute
am
16.08.2018

Die hohen Temperaturen zeigen 3 bis 4 Wochen Reifevorsprung, die optimale Kolbenreife wird oft nicht erreicht. Unsere Tipps, wann die Häcksler starten sollten.

In einigen Regionen vor allem Norddeutschlands hat die Silomaisernte begonnen. Generell ist mit einer drei bis vier Wochen früheren Ernte als normal zu rechnen.

Die Trockenheit beeinflusst deutlich die Trockensubstanz(TS)-Gehalte. Um die Reife richtig einschätzen zu können, sollte daher besonders auf den TS-Gehalt im Kolben geachtet werden. Der reagiert deutlich weniger auf Wassermangel als der Gesamt-TS-Gehalt.

Optimale Kolbenreife wird oft nicht erreicht

Die TS des Kolbens liegt zur optimalen Siloreife bei 55 Prozent. Die Gesamt-TS-Gehalte sind durch die trockenen Restpflanzen aber schon relativ hoch. Daher ist damit zu rechnen, dass die anzustrebenden Kolbenwerte nicht erreicht werden können, ohne zu hohe TS-Gehalte in der Silage zu erreichen. 

Höhere Gesamt-TS-Werte im Silo bis maximal 40 Prozent lassen sich tolerieren bei

  • guter Verdichtung,
  • kurzer Häcksellänge,
  • ggf. dem Einsatz von Siliermitteln.

Aus diesen Zusammenhängen lässt sich vermutlich nicht überall auf die optimale Kolbenreife warten.

Wenig Kolben – mehr Sickersaft

Innerbetrieblich sollte auf die unterschiedliche Abreife je nach Wasserverfügbarkeit geachtet werden. Unvollständige Befruchtung und daraus resultierend ein geringerer Kolbenanteil im Erntematerial lassen die TS-Gehalte in der Silage sinken.

Kolbenarme Bestände erreichen oft nicht die angestrebten TS-Gehalte. Trotz Trockenschäden ist dann mit Sickersaft zu rechnen.

Achten Sie vor allem bei trockenem Mais beim Einsilieren auf die Bildung orange-brauner, giftiger nitroser Gase!

Das zeigt Niedersachsens Reifeprüfung

Die aktuelle Maisreifeprüfung in Niedersachsen zeigt, dass im Süden des Bundeslandes bei hoher Temperatursumme und Trockenheit frühe Sorten (bis S 220) schon ab dem 20.8. erntereif sind, mittelfrühe (S 230 bis 250) und mittelspäte (ab S 260) jeweils rund fünf Tage später.

Stark von Trockenheit gezeichnete Flächen müssen früher gehäckselt werden, um noch einen akzeptablen Futterwert und gute Verdichtung zu erreichen.

Nach Regen Noternte aussetzen und abwarten

Mit dem aktuellen Niederschlag fallen die Trockensubstanzwerte wieder – die Pflanzen saugen sich voll und Sickersaft droht. Der Rat der Berater: Die Noternte einige Tage aussetzen und die Bestände beobachten.

Nach wie vor gilt: nur sehr stark geschädigte Bereiche aus den Flächen heraushäckseln. Das vermeidet einerseits Sickersaftbildung aus den noch grünen Bereichen, ermöglicht ihnen andererseits aber auch eine weitere Ertragsbildung.

Körnermais häckseln, Energiemais verfüttern

Das Futterdefizit im Norden wächst von Tag zu Tag. Auch der Körnermais hat oft so gelitten, dass eine Ernte als Silomais betriebswirtschaftlich sinnvoller wäre.

Angebot und Nachfrage müssen jetzt zügig zusammengebracht werden, etwa über Futtermittelbörsen, die wir hier für Sie zusammengestellt haben.

Die Berater der Landwirtschaftskammer (LWK) Niedersachsen empfehlen Biogasbetreibern, wenn möglich einen Teil ihrer Silage an Viehhalter zu verkaufen. Separierte Rindergülle wäre ein denkbarer Ersatz in den Fermentern. „Bei der derzeitigen Preisentwicklung bei Grundfutter kann es sinnvoll sein, die Generatoren nicht auf Volllast laufen zu lassen.“

Mit Material von Harms, LWK Niedersachsen

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Aktuelles Heft Dezember 2018

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