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Fahrsilos

Silowasser: Dieses Verfahren reduziert die Abwassermenge

Sickerwasser läuft aus dem Fahrsilo.
Thomas Gaul/agrarmanager
am
07.11.2016

Viele Fahrsilos haben mit Sickerwasser zu kämpfen, besonders nach Starkregen. In der Praxis hat sich die Entwässerung über zwei getrennte Leitungssysteme etabliert. Das neue Flexbio-Verfahren reduziert die zu entsorgende Abwassermenge deutlich.

Das Wasserhaushaltsgesetz (WHG) schreibt vor, dass Silagen nur so lange gelagert werden dürfen, dass eine nachteilige Veränderung der Gewässer und der Grundwasserbeschaffenheit nicht zu befürchten ist. Der anfallende Sickersaft muss aufgefangen und dem Güllelager oder dem Gärproduktelager bei Biogasanlagen zugeführt werden. Erschwerend fallen unterschiedlich große Mengen Oberflächenwasser durch Niederschläge an. Betriebe müssen deshalb ein "Wassermanagement" auf der Fahrsiloanlage durchführen. Der agrarmanager hat in seiner Septemberausgabe 2016 das neue "Flexbio"-Verfahren zur Abwasseraufbereitung vorgestellt.

Energetische Nutzung von Abwasser

Wer keine ausreichende Lagerkapazität für das anfallende Abwasser hat, für den könnte die energetische Nutzung interessant sein. Das sogenannte "Flexibo"-Verfahren ist eine Kombination aus einem anaerob arbeitenden Festbettfermenter und dem in der Abwasserreinigung verwendeten Verfahren der biologischen Reinigung in einem Absetzbecken.

Im Vergleich zur konventionellen Reinigung kann die Menge des Schlamms um 80% reduziert werden. Auch der Bedarf an Prozessenergie ist niedrig. Es wird nur Wärme und Strom für die Pumpen benötigt. Das Verfahren soll auch bei CSB-Werten von über 20.000 mg/l funktionieren.

So funktioniert das Flexbio-Verfahren

  • Vom bereits vorhandenen Auffangbecken, das als Erdbecken ausgeführt ist, wird das Niederschlagswasser in den Festbettfermenter geführt, wo auf den mit Bakterien besiedelten Hohlkörpern der Abbau der organischen Fracht beginnt.
  • Die gesamte Technik ist in einem handelsüblichen Standardcontainer untergebracht.
  • Die Verweilzeit beträgt etwa einen Tag.
  • Nach den bisherigen Erfahrungen lassen sich etwa 2 m3 Methan je Tonne Abwasser gewinnen.
  • Die zweite Behandlungsstufe besteht aus dem Belebungsbecken, der Absetzstufe und der Schlammrückgewinnung.
  • Vor Beginn der biologischen Reinigung wird das Schlamm-Abwassergemisch aus dem Fermenter in der Belebtstufe belüftet.
  • Zur Schlammabtrennung fließt das biologisch gereinigte Wasser dann in das Absetzbecken. Dazu wird ein Lamellenabscheider eingesetzt, an dem sich derr Schlamm durch sein Eigengewicht einzudicken beginnt.
  • Das vom Schlamm weitgehend befreite Abwasser verlässt den Abscheider über einen Überlauf.
  • Der Schlamm wird in den Festbettfermenter zurückgeführt.

Vorteile des Flexbio-Verfahrens

  • Das Niederschlagswasser darf in die Biogasanlage eingeleitet werden, wenn der pH-Wert zwischen 6 und 8,5 und der CSB-Wert unter 120 mg/l beträgt.
  • Untersuchungen zeigen einen CSB-Abbau von über 99% und einen Ammonium-Abbau von 100%.
  • Je nach Größe der Anlage kann die Ersparnis bis zu 50% der Entsorgungskosten betragen.
  • Die Kosten von der Abwasserbehandlung sind ebenfalls abhängig von der Größe der Flexbio-Anlage und liegen zwischen 0,6 und 5,50 €/m3.
  • Die Wärmeverwertung der Anlage erfüllt zudem die Ansprüche des KWK-Bonus.
  • Die zu entsorgende Abwassermenge reduziert sich deutlich.
     
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