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Trockenheit

So schließen Sie mit frühem Mais Ihre Futterlücken

Mais im 3-Blatt-Stadium
am
18.04.2019

Die Futtervorräte werden nach dem Dürrejahr knapp. Mit der anstehenden Maisaussaat gilt es schnell neue Reserven aufzubauen.

Der Dürresommer 2018 wirkt besonders bei den Futterbaubetrieben noch deutlich nach: Die Futtervorräte sind knapp und Zukauf ist nur zu sehr hohen Kosten möglich. Jetzt gilt es, mit der Maisaussaat neue Futterreserven aufzubauen, und das möglichst schnell.

Der Futterbauberater Karl-Gerd Harms von der Landwirtschaftskammer (LWK) Niedersachsen gibt Tipps, wie Sie Ihre Futterlücken schließen können.

Weidelgas schon im Herbst ausgesät

Geringe Grundfuttererträge, frühe Silomaisernte und nachfolgend gute Aussaatbedingungen – viele Betriebe haben schon im Spätsommer und Herbst 2018 reagiert und nach Getreide oder Silomais Weidelgras als Futterzwischenfrucht ausgesät.

Auch Grünschnittroggen oder Getreide-GPS soll der Fütterung von Rindern oder Biogasanlagen diesen. Als Zwischenfrucht oder Untersaat gesäte Weidelgrasbestände, Grünroggen und Getreide-GPS bilden die ersten Futterquellen des neuen Jahres.

Weidelgras ist die erste neue Futterquelle

Früheste Nutzung ist beim Weidelgras möglich. Sie können schon jetzt beweidet werden oder wurden teils im Herbst und im milden Winter gemäht oder beweidet.

Ein Schnitt ist, je nach Witterung, ab der letzten Aprildekade möglich. Berater Karl-Gerd Harms von der LWK Niedersachsen empfiehlt: „Bei ausreichendem Wasser ist bei frühem ersten Schnitt auch ein zweiter Schnitt nach 4 bis 5 Wochen mit anschließender Maisaussaat (mit sehr früher Sorte) denkbar. Das würde schnell Grundfutter liefern.“

Bei Einsatz von Welschem Weidelgras sind Erträge von 30 bis 60 dt/ha Trockenmasse zum ersten Schnitt durchaus realistisch.

Untersaaten nutzen

Als Greening angelegte Grasuntersaaten aus dem Vorjahr dürfen mit dem Ziel einer Beerntung bereits ab Mitte Februar (nach Düngebedarfsermittlung) gedüngt werden und sind bei guter Etablierung ähnlich leistungsfähig.

Noch vorhandene Stoppelreste sollten gewalzt werden.

Bei guter Wasserversorgung lässt sich auch ein Teil der derzeit mit Welschem Weidelgras bestellten Flächen ganzjährig als Ackergras nutzen und erst nach einer Grasvornutzung im kommenden Jahr wieder Mais aussäen.

Grünroggen und GPS

Der Anbau von Grünschnittroggen vor Mais oder ein Zweikultursystem mit Getreide-GPS und sehr frühen Maissorten bietet sich ebenfalls als zusätzliche Futterquelle an. Neben Biogasbetrieben kann diese Futterquelle auch für die Rinderfütterung interessant sein.

Grünschnittroggen bringt zusätzliches Futter ohne großes Ertragsrisiko beim nachfolgenden Silomaisanbau. Karl-Gerd Harms: „Der Maisanbau nach Getreide-GPS ist hingegen immer mit deutlich niedrigeren Erträgen beim Mais verbunden als bei einem Solo-Maisanbau. Das lässt sich auch nicht ausreichend vom GPS-Ertrag kompensieren.“

Nach Getreide-GPS bietet sich daher eher der Anbau von Sommergetreide, ebenfalls zur GPS-Nutzung, oder einer anderen Sommerzwischenfrucht wie Kleegras oder Ackergras an.

Ein Zweitfruchtsystem mit Getreide-GPS und Silomais ist damit nur selten sinnvoll. Die Vornutzung von Grünschnittroggen ist dagegen besonders in diesem Jahr eine gute Möglichkeit, um den Gesamtertrag zu steigern.

Frühe Maissorten für frühere Ernte

Die Futterlücke beim Silomais lässt sich durch sehr frühe Sorten bei gleichzeitig möglichst früher Aussaat und früher Ernte dieser Bestände ausgleichen.

Berater Harms gibt ein Beispiel für ein Futterdefizit von 4 bis 5 Wochen (ca. 10 % des Jahresbedarfs):

  • Sehr frühe Maissorten auf 10 bis 15 % der Anbaufläche,
  • Damit deutlich frühere Ernte möglich,
  • In den LSV haben sehr frühe (S 180 bis 200) gegenüber mittelfrühen Sorten einen Reifevorteil von 2 bis 4 Wochen.
  • Die Erträge der sehr frühen Sorten liegen aber ca. 5 bis 15% unter denen ausgereifter üblicher Sorten (ca. S 240).
  • Außerdem erreichen sie bereits 4 Wochen früher einen TS-Gehalt von mindestens 30 % bei guten Qualitätseigenschaften.
  • In der beschriebenen Situation müssten diese Sorten folglich trotzdem noch vor Erreichen des optimalen Erntetermins (32 bis 35 % TS) gehäckselt werden.
  • Um diesen Mais einen Monat früher reif zu bekommen, ist daher eine möglichst zeitige Aussaat der frühreifen Sorten besonders wichtig.
  • Der zusätzliche Flächenbedarf durch den geringeren Ertrag dieser frühreifen Maissorten liegt in dem Beispiel bei nur rund ein bis zwei Prozent der Gesamtfläche.
  • Insgesamt müssten jedoch rund 10 bis 12 % mehr Mais angebaut werden als üblich, um auch das entstandene Futterdefizit des Vorjahres wieder aufzufüllen.

Untersaaten mit Herbstschnittnutzung

Sollte wie im genannten Beispiel eine frühe Ernte bei Silomais angestrebt werden, ist die Kombination mit Grasuntersaaten besonders interessant.

Die Untersaat kann nach der Maisernte Ende August noch gedüngt und im Herbst geerntet werden (weitere Futterquelle!).

Die Maisstoppeln sollten hierfür entweder gemulcht oder in späterer Mahdrichtung gewalzt werden, um diese möglichst nicht mitzuerfassen und keine unnötige Keimbelastung zu riskieren. Zusätzlich kann eine Grasvornutzung im kommenden Frühjahr vor der Maisaussaat durchgeführt werden.

Fazit

  • Unter günstigen Bedingungen können alle aufgezeigten Zweitfruchtsysteme höhere Erträge pro Hektar liefern als ein Solo-Maisanbau.
  • Allerdings ist auch der Aufwand höher.
  • Wo durch die Vornutzung der Mais später gesät werden kann, muss mit frühreiferen Sorten reagiert werden.
  • Richtwert: pro Woche späterer Aussaat sollte die Reifezahl der Maissorte min. 20 Reifegrade sinken. Das gewährleistet eine sichere Ausreife.
  • Sehr frühe Maissorten machen die neue Ernte früher verfügbar.
  • Eine Grasuntersaat kann dann zusätzlich im Herbst und im Frühjahr geschnitten werden.
Mit Material von Karl-Gerd Harms, LWK Niedersachsen

Ratgeber: Mais teilflächenspezifisch aussäen

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