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Sonnenblumen, Soja, Sommerraps: So rentabel sind Sommerungen 2022

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am Dienstag, 21.12.2021 - 06:30 (Jetzt kommentieren)

Körnermais bleibt Spitzenreiter bei den Sommerungen. Auch Braugerste und Sojabohnen bieten Potenzial. Selbst Sonnenblumen oder Sommerraps versprechen Chancen. Leguminosen sind über die gesamte Fruchtfolge zu rechnen.

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Eine gesunde Fruchtfolge, die hinreichende Ertragssicherheit verspricht und Ressourcen schont, ist die Basis nachhaltigen Wirtschaftens. Für die Wirtschaftlichkeit sind letztlich der erzielbare Erzeugerpreis und geringe Anbaukosten entscheidend.

Ein wichtiges Entscheidungskriterium ist der Deckungsbeitrag. Grob einschätzen lässt sich die Wirtschaftskraft der Sommerungen an mehrjährigen Durchschnittsergebnissen (siehe Übersicht).

Welchen Deckungsbeitrag bringt Körnermais je nach Energiepreisen?

Körnermais erzielte im Mittel 2016 bis 2021 unter den Sommerungen den höchsten Erfolg. Zu beachten sind aber überbetriebliche oder betriebsindividuelle Trocknungskosten. Bei sonst gleichen Bedingungen erzielt Körnermais mit durchschnittlichen Trocknungskosten

  • von 2,37 Euro/dt einen Deckungsbeitrag (DB) von etwa 518 Euro/ha
  • und bei Kosten von 3,96 Euro/dt einen DB von rund 359 Euro/ha, trockene Ware, inklusive Mehrwertsteuer (MwSt.).

Die Trocknungskosten zur Ernte 2022 sind daher entscheidend für die Rentabilität von Körnermais 2022. Die extrem gestiegenen Energiepreise sind bis dahin nicht unbedingt gefallen.

Wieso haben Sonnenblumen 2022 gute Chancen?

Sonnenblumen stehen für 2022 unter absolut positiven Vorzeichen. Sie sind als Ölfrucht schwerpunktmäßig in Unterfranken etabliert: Mit knapp 4.000 ha machen sie dort etwa 60 Prozent des bayerischen Anbaus aus.

Bei 27,8 dt/ha Durchschnittsertrag und 33,60 Euro/dt Erzeugerpreis (ohne MwSt.) erzielen sie einen DB von etwa 235 Euro/ha. Mit High-Oleic-Sorten und regionaler Vermarktung sind abe rnoch weitaus bessere Ergebnisse drin.

Wie sind Sonnenblumen und Sommerraps zu kalkulieren?

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Sommerraps kann 2022 interessant werden. Ausgehend von anhaltend hohen Erzeugerpreisen von 54 Euro/dt ohne MwSt. für Rapssaat und 30 dt/ha Ertragspotenzial sind durchaus 500 bis 600 Euro/ha Deckungsbeitrag möglich.

Allerdings gibt es hohe Risiken, etwa den Rapsglanzkäfer. In Jahren mit hohem Befall ist bei derzeitigem Zulassungsstand für Insektizide ein Totalausfall der Ernte möglich. Von Mai bis August braucht es zudem genügend Bodenfeuchte. Der Klimawandel ist in diesem Zeiraumt ein Anbaurisiko. Die Restriktionen in der Fruchtfolge und der Abstand zu Winterraps sind wichtig.

Sonnenblumen können im Sog der hohen Rapspreise auch vergleichbar hohe Deckungsbeiträge bringen: Ausgehend von 28 dt/ha Durchschnittsertrag und um die 50 Euro/dt als Erzeugerpreis (ohne MwSt.) sind ebenfalls knapp 600 Euro/ha DB möglich.

Sind Sommerungen wie Soja und Sommerbraugerste gleich wirtschaftlich?

Sojabohnen und Sommerbraugerste liegen Im mehrjährigen Schnitt bei den Deckungsbeiträgen annähernd gleichauf. Da die beiden Früchte aber unterschiedliche Anbauansprüche stellen, machen sie sich kaum gegenseitig Konkurrenz.

Was bringt Sommerweizen als Sommerung 2022?

Sommerweizen bringt wegen seines schwächeren Ertragspotenzials gegenüber Winterweizen im Durchschnitt nur einen DB von 214 Euro/ha. Auch für ihn gilt: Herausragende Qualitäten und regionale Vermarkungsmöglichkeiten bieten mehr Potenzial.

Was leisten Leguminosen wie Ackerbohnen und Futtererbsen?

Ackerbohnen und Futtererbsen konnten in den vergangenen fünf Jahren zumindest als Verkaufsfrucht nicht überzeugen. Die Deckungsbeiträge sind im Schnitt regelmäßig negativ. Die Eiweißpflanzen haben jedoch ackerbaulich einen hohen Stellenwert. Ihr Vorfruchtwert vor Weizen liegt bei 150 bis 200 Euro/ha gegenüber Getreidevorfrüchten.

Zur Kalkulation des Anbaus 2022 ist zudem interessant, inwieweit sich Leguminosen in die Agrarumweltmaßnahmen rentabel integrieren lassen, in Bayern etwa ins Kulturlandschaftsprogramm KuLaP.

Wie rentabel sind Leguminosen wie Bohnen und Erbsen wirklich?

Werden nur die Einzeldeckungsbeiträge betrachtet, schneiden die heimischen Leguminosen im Wettbewerb um die Fläche in der Regel unterdurchschnittlich ab. Haben die hohen Kosten für Mineraldünger aber längere Zeit Bestand, spielen sie zusätzlich zur phytosanitären Wirkung weitere Vorteile aus.

Ackerbohnen und Futtererbsen brauchen keine Stickstoffdüngung und hinterlassen
den Folgefrüchten viel assimilierten Stickstoff.

Sojabohnen sind laut abnehmender Hand besteht nach wie vor sehr gefragt. Vorverträge für heimische Ware mit 43 bis 45 Euro/dt Erzeugerpreis führen bei 31 dt/ha Durchschnittsertrag durchaus zu über 500 €/ha Deckungsbeitrag. Hinzu kommt die Förderung. Eiweißpflanzen bringen in diversen Agrarumweltprogrammen Geld, etwa im KuLaP B43, vielfältige Fruchtfolge mit blühenden Kulturen 160 Euro/ha, oder im B45 mit großkörnigen Leguminosen 120 Euro/ha. Voraussichtlich wird die Förderung auch 2022 geboten.

Mit Material von Jörg Reisenweber, LfL Bayern
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Zwischenfrüchte: Diese Arten und Mischungen passen in die Fruchtfolge

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