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Mais

USDA: Massive Korrektur der Maisernte

von , am
13.07.2012

Washington - Das US-Landwirtschaftsministerium hat die Märkte mit einem Paukenschlag überrascht: Statt wie erwartet um sieben, hat es die erwarteten Erträge um zwölf Prozent nach unten korrigiert.

In weiten Teilen Niedersachsens startet die Maisernte 2015 erst noch. © Mühlhausen/landpixel
Ursache ist die seit Juni andauende Hitzewelle in den USA und die daraus resultierenden Ertrags- und Produktionseinbußen. Damit musste nicht nur die US-Ernte kräftig nach unten gesetzt werden sondern auch die weltweite Produktion.

Produktion deckt gerade den Bedarf

Im Ergebnis fällt die globale Versorgungsbilanz erheblich enger aus als bislang erwartet. Die globale Produktion von 905 Millionen Tonnen übertrifft den ebenfalls reduzierten Verbrauch (900 Mio. t) gerade noch um fünf Millionen Tonnen (Mio. t).
 
Trotz der starken Korrektur bedeuten beide Werte noch immer einen neuen Rekord. Damit können die Bestände jedoch weitaus weniger stark wachsen wie bislang erwartet. Mit rund 134 Mio. t liegen die globalen Maisbestände nur noch knapp fünf Millionen Tonnen über dem Vorjahreswert und zehn Millionen Tonnen über dem bisherigen Rekordtief von 2010 und verdeutlichen damit noch einmal eine anhaltend enge Marktversorgung.
 
Dieser Umstand schlug sich auch in den Reaktionen an den Terminmärkten nieder. Dort legte die Preise nach Veröffentlichung der Zahlen - trotz de Rallye der letzten Wochen weiter zu. Zudem korrigierten eine ganze Reihe von Analysten - wie etwa Goldman Sachs - ihre Preisprognosen nochmals nach oben. 

USA: Keine Rekordernte mehr

Goldman Sachs hat seine Preisprognose noch einmal nach oben korrigiert.
Die neue Ernte beim weltweit größten Maisproduzenten USA schrumpfte von Juni zum Juli um 46 Mio. t auf 329 Mio. t. Damit würden die US-Farmer trotz der größten Anbaufläche seit 75 Jahren von 36 Millionen Hektar (Mio. ha) im kommenden Herbst weniger Mais ernten als zur letzten Rekordernte im Jahr 2009 (333 Mio. t). Schuld ist der infolge von Hitze und Trockenheit erwartete Rückgang der Durchschnittserträge von 10,42 t/ha auf nun 9,16 t/ha. Wegen der kleineren Produktion schrumpfen auch die US-Bestände dramatisch von 48 Mio. t auf 30 Mio. t.
 
Zwar werden die Amerikaner wegen ihrer kleineren Ernte auch rund acht Millionen Tonnen weniger exportieren können als zunächst erwartet. Mit 40 Mio. t wäre dies jedoch noch eine etwa so große Exportmenge wie im letzten Jahr und deutlich mehr als beispielsweise Argentinien (15,5 Mio. t), Brasilien (12,5 Mio. t) oder die Ukraine (14 Mio. t) ausführen.

China muss trotz Rekordernte importieren

Im Übrigen waren die Überraschungen bei der neuen Maisbilanz jedoch gering. So beließ das USDA die chinesische Ernte bei 195 Mio. t und damit gut zwei Millionen Tonnen über dem Rekordwert des Vorjahres obgleich mittlerweile auch aus den chinesischen Anbaugebieten im Norden und Jangtze-Delta über Niederschlagsmangel und zu geringe Bodenfeuchte berichtet wird. (Die Ernte in erfolgt in China von September bis Oktober.) Der chinesische Importbedarf wurde wegen der guten Ernte und der knappen Versorgung am Weltmarkt von zuvor 7 Mio. t auf 5 Mio. reduziert. Dies wäre etwa so viel wie im letzten Jahr.

Ukraine: Zu hohe Erwartungen?

Offen beliebt auch, ob die Ukraine so viel Mais ernten wird wie erwartet. Die bislang prognostizierte und vom USDA bestätigte Rekordernte von rund 24 Mio. t wurde von einigen Analysten und Wetterdiensten - wegen der Trockenheit in der Ostukraine - bereits angezweifelt. Immerhin würde die Ukraine mit 14 Mio. t der drittgrößte Exporteur nach den USA und Argentinien. Ein Ausfall dürfte zu einer weiteren spürbaren Angebotsverknappung und einem zusätzlichen Preisschub führen.
 
Für die beiden südamerikanischen Top-Produzenten wurde die Produktions- und Exportmengen nicht verändert. Für beide Länder ist die neue Ernte jedoch noch weit weg. In Argentinien wird der neue Mais erst im Oktober/November gepflanzt und in Brasilien von September bis Oktober.

Sehr gute Ernte in Europa

Dr. Olaf Zinke/Marktanalyst dlv
Die Ernteerwartung für die Europäer hat das USDA im Juli um mehr als eine Million Tonnen auf 65,4 Mio. t nach oben gesetzt. Damit würde die europäische Ernte sogar größer ausfallen als im Rekordjahr 2011 (64,6 Mio. t). Ursache für diese nach oben gesetzten Produktionserwartungen sind verbesserte Produktionsdaten aus Frankreich, Ungarn und Polen.
 
Das Analystenhaus Strategie Grains hat die europäische Ernte indessen zeitgleich nach unten korrigiert - mit Begründung von massiven trockenheitsbedingten Produktionsausfällen in Südosteuropa.
 
 
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