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Blattdüngung

Verfärbungen im Mais: Was ist die Ursache und was können Sie tun?

Phosphormangel-Mais
am Sonntag, 05.06.2022 - 11:53 (Jetzt kommentieren)

Wo Mais nicht saftig grün ist, kann das mehrere Ursachen haben. Eine ist beim aktuellen Wetter zu sehen, eine beim Pflanzenschutz. Dazwischen gibt es Wechselwirkungen.

Die Blattfärbung mancher Maisbestände ist aktuell nicht so, wie es aus den normalen Jahren bekannt ist. Woran kann das liegen? Einerseits kommen als Ursache Herbizidaufhellungen durch Gräsermittel aus der Gruppe der Sulfonylharnstoffe in Betracht, zum Beispiel Nicosulfuron, Rimsulfuron oder Foramsulfuron.

Andererseits kann es auch eine mangelnde Nährstoffverfügbarkeit von Phosphor, Zink, Kupfer, Mangan oder Bor sowie die Trockenheit oder ungenügender Bodenschluss liegen. Andreas Hommertgen vom Dienstleistungszentrum ländlicher Raum (DLR) in der Eifel wirft einen genaueren Blick auf die Nährstoffengpässe.

Schlechte Nährstoffversorgung fördert Herbizidtoxizität

Die anhaltende Trockenheit von Ende April bis Mitte Mai – in Teilen Nord- und Ostdeutschlands nach wie vor andauernd – kann die ideale Versorgung mit Makro- und Mikronährstoffen hemmen.

Auch beeinflussen sich eine schlechte Nährstoffversorgung und eine Herbizidtoxizität, weil die Pflanze zum Abbau der Maisherbizide Spurenelemente wie Mangan, Kupfer, Zink oder Magnesium benötigt. Essenziell beteiligt ist daran Zink.

Betriebe mit langjähriger organischer Düngung sind deutlich weniger gefährdet für Mikronährstoffmangel als viehlose Betriebe. Dennoch gibt es auch antagonistische Wechselwirkungen, also sich blockierende Nährstoffe, wenn manche Elemente im Boden zu häufig vorkommen. Das gilt zum Beispiel für Phosphor.

Mikrogranulate zur Saat können unterstützen. Sie fördern ähnlich der Unterfußdüngung die Jugendentwicklung des Maises.

Woran ist Phosphatmangel im Mais zu erkennen?

Phosphatmangel zeigt sich an einer rötlichen Färbung der Pflanzen. Die Phosphatdüngung im Mais ist aus drei Gründen essenziell:

  • Mais kann Phosphor nur schlecht aneignen und aufschließen.
  • Dieses schlechte Aneignungsvermögen ist besonders stark in der Jugendentwicklung ausgeprägt.
  • In kalten und trocknen Frühjahren ist der Transport von Phosphor im Boden eingeschränkt.

Welche Aufgaben haben Zink und Bor im Mais?

Zink hat eine Reihe wichtiger Aufgaben:

  • Zink ist als Auxin essenziell fürs Längenwachstum,
  • Zink sorgt für eine Hohe Zellstabilität,
  • Zink fördert die Blüte und die Befruchtung,
  • Zink baut als Antioxidans Strahlungsstress ab. Das ist wichtig bei hoher Einstrahlung.
  • Zink hilft der Pflanze damit, abiotischen Stress zu verringern.

Eine Blattdüngung mit Bor sichert in Trockenphasen die Nährstoffversorgung zusätzlich, weil Bor bei Trockenheit oxidiert und dann nicht mehr pflanzenverfügbar ist. Hohe Stickstoffmengen zum Mais reduzieren außerdem die Bor-Verfügbarkeit.

Wann ist eine Blattdüngung im Mais sinnvoll?

Hier ist das Ziel entscheidend. Soll die Jugendentwicklung gefördert oder der Herbizidstress vermindert werden, ist der beste Zeitpunkt das 3- bis 5-Blatt-Stadium beziehungsweise 1 bis 2 Tage vor bis nach dem Herbizideinsatz.

Wann Blattdünger mit dem Herbizid mischen?

Ähnlich wie beim Getreide ist eine Mischung von Herbiziden und Blattdüngern denkbar. Mangelnde Erfahrung mit der Mischbarkeit oder Mehrfachmischungen führen oft zu einer zweiten Überfahrt. Wenn die Hersteller der Blattdünger die Mischung freigeben, lässt sie sich in einer Überfahrt ausbringen.

Welche Nährstoffe sollten in eine Blattdüngung?

Um die Jugendentwicklung zu fördern, sind vor allem Phosphor, Zink und Bor wichtig. Bei fertigen Mikronährstoffcocktails schaden Stickstoff oder Kali aber nicht. Auf Mangelstandorten können pH-abhängig auch Kupfer, Magnesium und Mangan ergänzt werden.

Wann ist eine zweite Blattdüngung im Mais sinnvoll?

Um im Körnermais den Kolbenertrag abzusichern, ist ein zweiter Termin im 8- bis 10-Blatt-Stadium empfehlenswert. Dann sind vor allem die Elemente Bor und Zink essenziell. Sie fördern die Blüte, also den Blütenansatz, die Pollenfertilität und den Proteinstoffwechsel.

Welche Blattdünger empfehlen sich im Mais?

Salze sollten Sie bei strahlungsreichem Wetter nicht verwenden, weil die Gefahr von Blattverbrennungen zu groß ist.

Grundsätzlich sollte der Mais eine ausgeprägte Wachsschicht gebildet haben, um Verätzungen zu vermeiden. Warten Sie nach Niederschlägen also mindestens einen Tag. Bevorzugt eignen sich Chelate oder Suspensionen.

Immer wenn Kupfer verwendet wird, darf das Rührwerk nicht ausgeschaltet werden, da es sonst zu Ablagerungen kommen kann. Nach der Applikation ist die Spritze gut zu reinigen und die Filter sind zu säubern.

Testen sie bei nicht fertig formulierten Produkten unbedingt vorher die Mischbarkeit.

Phosphor als günstige NP-Lösung

Wenn die Phosphorversorgung nicht ideal ist oder die Unterfußdüngung reduziert oder ganz eingespart wurde, kann eine Blattdüngung den Bedarf etwas abpuffern. Das ist vor allem wichtig, wenn die Jugendentwicklung gefördert werden soll.

Allerdings lässt sich der Bedarf von stellweise 90 kg oder mehr P2O5 je Hektar lässt sich so aber nicht decken. Als Blattdüngung sind 1,5 bis 3 kg P2O5 je Hektar als Suspension in 150 l/ha Wasser denkbar. Die günstigste Variante ist sicher eine NP-Lösung mit 20 l/ha NP-Lösung in 150 l/ha Wasser.

Zum Phosphor lassen sich 200 bis 300 g/ha Bor und 200 bis 250 g/ha Zink ergänzen, bei Bedarf mit Magnesium, Schwefel oder Kupfer.

Mit Material von Andreas Hommertgen, DLR Eifel
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