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Reportage

Wildschaden: Maisdrücken vor der Ernte

Wildsau im Mais
© Eike Mross
von , am
17.08.2017

Während der Milchreife sind Jäger und Schweißhunde im Dauereinsatz. Eine Reportage, wie die Profis einer beschossenen Wildsau im Maisfeld zu Leibe rücken.

Bei Schweißhundführer Heiko Wessendorf will das Telefon nicht still stehen. Diesmal ist es ein Bekannter, welcher beim Maisdrücken einen Überläufer beschossen hat, der wieder ins Feld geflüchtet sei. Ob die beschossene Wildsau noch drinstecke, könne keiner sagen.

„Wegen der geringen Sichtweite ist es ziemlich schwer, auf den Stängeln und Blättern Schweiß zu finden“, sagt der Stadtförster. Es geht von Maisreihe zu Maisreihe. Von einem Schadloch zum nächsten. Immer wieder verweist Hund Bruno ein paar Tropfen angetrockneten dunklen Schweiß. In lichten Reihen wuchert Melde. „In so ein Dickicht könnte sich die Sau eingeschoben haben“, flüstert der Schweißhundführer. Im Sand stehen jede Menge Fährten.

Der Schlag ist etwa 120 Meter breit und etwa 700 Meter lang und über Nacht haben überall die Sauen gewütet. An manchen Stellen lässt sich fast einmal quer durchschauen. Für den Hund macht es das natürlich doppelt so schwer. Nicht nur, dass es im Mais sehr heiß ist. Überall sind Verleitfährten, und die gesuchte Sau ist kreuz und quer drübergewechselt.

Schweißhund nimmt Fährte auf

Maisfeld
Heiko Wessendorf kämpft sich durch den nahezu undurchdringlichen Maisdschungel. © Eike Mross

Wessendorf schaut auf seinen Garmin-GPS-Empfänger, und erkennt, dass Bruno nur 300 Meter vor ihm arbeitet. Als er näher kommt, geht er auf die Knie, um besser sehen zu können, doch der Mais ist zu dicht. Dann verstummt auch noch der Hund. Ein Blick aufs Garmin verrät, dass Bruno die Fährte zurück arbeitet. Wieder Laut! Wessendorf rennt los. Als es rechts raschelt, erstarren die beiden Jäger. Ein Frischling wechselt nur zwei Maisreihen entfernt an ihnen vorbei. Ist es das kranke Stück? Nein.

„Der hat wahrscheinlich den Anschluss verpasst“, sagt der Schütze. Da gibt Bruno wieder Laut. Diesmal hört er sich aggressiver an. Mit dem Garmin in der Hand eilen die Jäger dem Bail, dem Standlaut beim Schweißhunds, entgegen. Dann wechselt er vom Stand- zum Hetzlaut. Wieder Ruhe!

Sau wird geborgen

Ein Schuss zerreißt die Stille. In solchen Momenten geht dem Hundeführer nur eins durch den Kopf: „Hoffentlich nicht der Hund“. Doch Bruno kommt den Jägern schon rutewedelnd entgegen, als wollte er sagen: „Hier drüben liegt sie doch“. Und tatsächlich nur wenige Meter weiter liegt die verendete Sau. Der Überläufer wollte direkt vor dem Vorstehschützen den Schlag verlassen und er konnte einen Schuss loswerden. Wessendorf streckt die Finger aus und zeigt auf die Wunde am linken Vorderlauf. „Schau mal! Die Fliegen haben schon Eier abgelegt.“ Bei der Hitze geht das schnell. Die Sau wird geborgen und abtransportiert. Drei Stunden hat die Aktion gedauert.

Wildschweinschäden richtig einschätzen

Dann reicht neben dem Schleppen, was im Frühjahr auf jeden Fall erledigt werden muss, eine korrekte Nachsaat. Diese muss in einem solchen Fall allerdings höher als üblich ausfallen. © Volker Berg
Landwirte und Jäger sollten sich einvernehmlich um Schäden durch Wildschweine kümmern. Gutachten sind recht aufwendig. Hier das Beispiel eines "kleineren" Wildschadens. Der Schaden besteht aus vereinzelten, flachen Aufbrüchen. Bei der Berechnung der gesamten Schadensersatzsumme sollten hier folgenden Kosten berücksichtigt werden: Reparaturkosten Grünland, Rüst-/Anfahrtszeiten, Fahrzeit und Kosten Ertragsausfall. © Volker Berg
Kleinere Schäden bei Aufbrüchen, einzelne Stippen, sind noch relativ leicht von Hand zu beheben. Vor allem die Arbeitszeit ist kostenintensiv. Zum Reparieren lohnen so genannte Karste und das anschließende Festtreten der einzelnen Plaggen. © Volker Berg
Eine innerbetriebliche Ersatzbeschaffung möglich, da es sich um eine insgesamt relativ kleine Menge an Futter handelt, die der Betrieb durch eine etwas intensivere Nutzung anderer Futterflächen ausgleichen kann. Bei tieferen Aufbrüchen kann es nötig werden, Erde aufzufüllen. Dann wird der Schaden meist teurer. © Volker Berg
Bei gitterförmigem Aufbruch sind die Schäden auf Grünland noch relativ schnell in den Griff zu bekommen. © Volker Berg
Bei diesem größeren Schaden handelt es sich um einen großflächigen, tiefen, zusammenhängenden Schwarzwildaufbruch. Bei Totalausfall ist die Schadensfläche zunächst durch Abschreiten festzustellen. Auch ein Messrad oder GPS-Einsatz ist möglich. © Volker Berg
Hier folgt als Reparatur die Neueinsaat mit der Drillmaschine. Hier ist abzuwarten, wie sich die Neuansaat entwickelt. Im Falle von Trockenheit und bei schlechtem Aufgang ist bei erforderlicher erneuter Ansaat diese einschließlich der Bodenbearbeitung zusätzlich ersatzpflichtig. Darüber hinaus ist zu prüfen, ob im Folgejahr mit einem normalen Ertrag zu rechnen ist. Ist das nicht so, ist die Ertragsminderung festzustellen, die ebenfalls ersatzpflichtig ist. © Volker Berg
Schäden vorbeugen ist wichtig: Eine Ablenkungsfütterung mit kleineren Streifen Mais am Rande von Hecken oder Wäldern lohnt zur Vorbeugung gegen Schwarzwild. © Volker Berg
Die schwierige Zaunfrage: Einzäunungen mit üblichen Weidezäunen zeigen meist eine weniger gute Wirkung. © Volker Berg
Die hochpreisige Variante: Aufwändige Dauerzäune mit Knotengitter sind in aller Regel recht teuer. © Volker Berg
Zu bevorzugen sind Elektrozäune, die als Einzeldrähte oder Netze gespannt werden. Sie allerdings fordern hohen Zeitaufwand bei Pflege und Überwachung. © Volker Berg
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