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Marktkommentar: Preisdruck bei Getreide und Raps

© Mühlhausen/landpixel
von , am
01.08.2013

Die Situation an den Märkten für Getreide und Ölsaaten war in der letzten Juliwoche von massivem Preisdruck gekennzeichnet. Dabei waren diesmal sowohl die Termin- als auch die Kassamärkte betroffen.

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© iofoto/Fotolia
Kurz vor dem Monatswechsel scheinten sich die Preise zumindest bei Getreide auf dem ermäßigten Niveau zu stabilisieren. Auslöser für den kräftigen Preisrutsch war allerdings nicht so sehr der Preisdruck aus der laufenden Getreideernte in Nordamerika, Europa und am Schwarzen Meer. Vielmehr brachten die deutlich besseren Wetterausichten im Mittelwesten der USA speziell die Preise für Mais und für Soja kräftig ins Rutschen und zogen den gesamten Markt mit nach unten. In Verbindung mit dem ohnehin bestehenden Erntedruck gerieten auch die Preise für Weizen und die übrigen Getreidearten unter Druck.
 
In Europa gaben die Weizenpreise letzte Woche sehr deutlich nach und fielen am Terminmarkt erstmals seit langem unter die Marke von 190 Euro. Dennoch konnten sich die Weizenpreise noch fast am besten behaupten, denn der Export - auch der Europäer - läuft im Juli sehr gut und stützt die Preise. Allerdings hat die EU-Kommission die Weizenernte Ende Juli deutlich nach oben geschätzt und geht von der zweitgrößten europäischen Weizenernte überhaupt aus. Ähnlich Auffassungen vertreten auch die meisten anderen europäischen Analystenhäuser. Ob die Hitzewelle in Europa allerdings wirklich so eine gute Ernte erlaubt, kann getrost bezweifelt werden.

Rapspreise mit starken Rückgängen

Ganz besonders standen zuletzt jedoch die Rapsreise in Europa, aber auch in Kanada, unter Druck. In den letzten vier Wochen verlor die neue Rapsernte am Terminmarkt in Europa 60 Euro und auch im Großhandel lagen die Kurse zuletzt nur noch zwischen 340 und 345 Euro. Auch bei Raps waren jedoch in der Hauptsache nicht die guten Ernteaussichten für Europa und Kanada verantwortlich - sondern vielmehr die witterungsbedingt massiv gefallenen Sojapreise in den USA. Kurz vor dem Monatswechsel scheinen sich auch die Rapspreise wieder zu stabilisieren, auch wenn das Niveau von 350 Euro noch wieder erreicht ist.
 
Überraschend groß sind weiterhin die Meinungsunterschiede der Analysten zur neuen Rapsernte in Europa und Deutschland. Hier könnte es deshalb durchaus noch einmal zu Überraschungen und Auswirkungen auf die Preise kommen.

Mais bestimmt die Richtung

Autor: Dr. Olaf Zinke // Redaktionsleiter marktkompass © dlv
Preisbestimmend für den gesamten Getreidemarkt wird weiterhin die Entwicklung der kommenden Maisernte in den USA sein. Bleibt das Wetter so günstig und die US-Ernte wird so groß wie erwartet, dann sind weitere Preisrückgänge bei Mais, aber auch bei den übrigen Getreidearten, vorprogrammiert. Kommt es jedoch zu witterungsbedingten Produktionsausfällen ist natürlich auch die andere Richtung bei den Preisen möglich.
 
Für Europa hat die Kommission zuletzt auch bei Mais eine Rekordernte von mehr als 70 Mio. t geschätzt. Grund sind die sehr guten Ernten in Südosteuropa (wie in Rumänien oder in Ungarn). Ob die große Maisernte angesichts der aktuellen Hitzewelle wirklich kommt, kann sicherlich bezweifelt werden, denn die Bedingungen für den Mais sind zumindest in Westeuropa alles andere als optimal. Dennoch ist auch in Europa der Preisabschlag für die neue Ernte mit mehr als 50 Euro/t sehr groß.


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