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Marktreport: Agrarmärkte reagieren auf Krimkrise

von , am
06.03.2014

Bereits zu Wochenbeginn waren die Getreidepreise als Folge des Russland/Ukraine-Konflikts durch die Decke gegangen. Die Krise wirkt sich weiter aus, wie unser Marktexperte Dr. Olaf Zinke erklärt.

© Nightman1965/Fotolia
Die Preise für Weizen, Mais und Raps sind diese Woche sehr kräftig gestiegen. Auslöser für die Preisrallye war die Zuspitzung des politischen Konflikts zwischen der Ukraine und Russland.
 
Denn die Ukraine ist einer der wichtigsten Lieferanten von Weizen, Mais und auch Raps für den Weltmarkt. Mögliche Ausfälle bei den ukrainischen Exporten schlagen sich unmittelbar in den globalen Versorgungsbilanzen und damit auch in den Preisen nieder. Das gilt vielleicht sogar noch mehr beim Mais als beim Weizen.

Weizen: Ukraine weltweit auf Platz sechs beim Export

© oz/Marktkompass
Beim Weizen ist die Ukraine (nach Russland) die Nummer sechs unter den großen Exporteuren und bei Mais sogar die weltweite Nummer drei. Eine Unterbrechung der ukrainischen Exporte trifft demzufolge den europäischen Markt ganz besonders bei Mais aber auch bei Weizen und Raps.
 
Die EU ist zwar (mit 28 Millionen Tonnen ) nach den USA der größte globale Weizenexporteur, jedoch werden auch mehr als zehn Millionen Tonnen (Mio. t) Weizen vor allem nach Südeuropa (Spanien, Italien) sowie ins Vereinigte Königreich importiert. Und hier ist die Ukraine deutlich vor Russland, Kanada und den USA der wichtigste Lieferant.

Mais: Ukraine zählt zu den wichtigsten Lieferanten Europas

Beim Mais hat die Ukraine in diesem Jahr Argentinien als drittgrößten globalen Exporteur überholt. Gleichzeitig ist die EU nach Japan und Mexiko der drittgrößte globale Maisimporteur mit Einfuhren von zehn bis elf Millionen Tonnen.
 
Die Ukraine ist der wichtigste Lieferant Europas. Rund zwei Drittel der Einfuhrmenge bei Mais stammten in den letzten Jahren aus der Ukraine, etwa 15 % aus Brasilien und fünf Prozent aus Russland.

Bei Rapssaat importiert die EU nach den Daten der EU-Kommission - bei einer Produktion von 20 bis 21 Mio. t - etwa drei Millionen Tonnen. Davon kamen 50 bis 60 % aus der Ukraine.

Krise kann sich auch langfristig auswirken

Dr. Olaf Zinke / Redaktionsleiter marktkompass © dlv
Doch auch langfristig kann sich die Krise auswirken. Für dieses Wirtschaftsjahr ist ein großer Teil der ukrainischen Exporte ohnehin schon abgewickelt. Die mit der Krise verbundene drastische Abwertung der ukrainischen Währung beeinflusst jedoch unmittelbar die Einkaufsmöglichkeiten der Landwirte von Saatgut, Dünger, Treibstoff und anderen Betriebsmitteln und damit auch die nächste Ernte.
 
Gleichzeitig verändert die starke Abwertung der ukrainischen Während von zwölf Prozent seit Mitte Februar auch die Abgabebereitschaft in der Landwirtschaft. Möglicherweise verkaufen die Landwirte angesichts der starken Inflation erst einmal weniger Getreide und lagern dieses erst einmal auf den Betrieben ein. Das treibt aber die Preise nach oben und verknappt das Angebot.
 
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