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Pflanzenbaukolumne Kopfdünger

Maximilian Henne: „Gemeinsam wieder Vertrauen säen“

Eine Landwirtin und ein Landwirt diskutieren am Traktor
am Freitag, 31.07.2020 - 10:52 (1 Kommentar)

Beim "wachsen oder weichen" ist vieles kaputt gegangen. Wir Bauern vertrauen der Politik nicht mehr und der Verbraucher uns nicht. Dabei bräuchten wir Vertrauen gerade jetzt, zu Zeiten von Corona, dringend. Denn Vertrauen und Wertschätzung hängen eng miteinander zusammen.

Wie die Saat, so die Ernte – dieses alte Sprichwort geht mir dieser Tage oft durch den Kopf, da die Ernte voll im Gange ist, die Aussaat von Zwischenfrüchten läuft und auch die Rapsaussaat wieder in den Fokus rückt.

Gerade ernten wir die Früchte unserer Arbeit, haben wieder fast ein Jahr lang unser Bestes gegeben, bei Trockenheit und Frost gebangt und alles für eine möglichst gute Ernte getan.

Wer bestimmt eigentlich die Preise?

Dann aber ist da das Auf und Ab der globalen Ernteschätzungen mit schwankenden Preisen: schwierig mal wieder, einen günstigen Verkaufszeitpunkt für Druschfrüchte zu finden. Wer bestimmt überhaupt die Preise, wie kommen Schätzungen zustande? Ist diese starke Marktschwankung, getrieben von Meldungen und Schätzungen aus aller Welt, gerechtfertigt?

Und dann kam auch noch der Corona-Ausbruch bei Tönnies dazwischen. Schnell wurden wieder Rufe nach einem Systemwechsel laut. Die industrielle Landwirtschaft sei schuld an allem. Zugegeben, die Zustände in den großen Schlachthöfen, die im Übrigen schon lange bekannt sind, haben auch mich erschüttert.

Trotzdem sind diese Strukturen gesetzlich legitimiert und wurden unter dem Stichpunkt Effizienz geduldet und gefördert; von Politik, Gesellschaft, letztlich von uns allen. Am allerwenigsten ist der einzelne Landwirt schuld, der ja selbst den Metzger, die Molkerei und den Landhandel vor Ort schmerzlich vermisst.

Wachsen oder weichen: So wurden wir lange Zeit beraten

Wie die Saat, so die Ernte. Zustände, die wir jetzt beklagen, hat unsere Politik über die letzten Jahrzehnte geschaffen. Wachse oder weiche, das war das vermittelte Betriebskonzept, favorisiert von Betriebsberatern und unseren Verbänden.

Was haben wir damit geschaffen? Eine Wohlstandsgesellschaft, eine sichere Versorgung mit (zu billigen) Lebensmitteln – ob hochwertig, das hängt sicher vom Blickwinkel ab. Was aber ist verloren gegangen? Das Vertrauen!

Verlorenes Vertrauen wieder aufbauen

Politische Entscheidungen haben viel Transparenz wegrationalisiert. Die Gesellschaft hat das Vertrauen in unsere Landwirtschaft verloren und wir Landwirte haben das Vertrauen in unsere Politik und deren Entscheidungen verloren.

Wie die Saat, so die Ernte. Lasst uns jetzt gemeinsam Vertrauen säen: in eine regionale Landwirtschaft, in heimische Wertschöpfung, in Lebensmittel, die zu den höchsten Umweltstandards überhaupt produziert werden. Wertschätzung für den schönsten Beruf der Welt – Landwirt. Das wünsche ich mir zur Ernte 2021!

Zum Autor: Maximilian Henne

Maximilian Henne

Der Ackerbauer aus dem südlichen Niedersachsen interessiert sich für alles, was im Boden passiert. So wenig wie möglich einzugreifen und die Direktsaat weiterzuentwickeln, sind für ihn wichtige Entwicklungsfelder der kommenden Jahre.

Für sein Engagement wurde er 2014 mit dem CeresAward in der Kategorie Ackerbauer ausgezeichnet.

Für agrarheute schreibt er regelmäßig in unserer Kolumne „Kopfdünger“.

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Dieser Kopfdünger-Beitrag ist in der agrarheute-Ausgabe August 2020 erschienen.

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