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Pflanzenbaukolumne Kopfdünger

Maximilian Henne: „Gülleschlitzen – wie gefällt das meinem Boden?“

Gülle-ausbringen
am Montag, 20.04.2020 - 07:46 (2 Kommentare)

Ammoniakreduktion ist das Zauberwort? Für mich ist die entscheidendere Frage, wie mein Boden auf die eingepresste Gülle reagiert.

Die neue Saison läuft an, die Güllelager sind voll, der Mineraldünger ist größtenteils gekauft und die schriftliche Düngebedarfsermittlung liegt selbstverständlich in der Schublade.

Ich habe mich noch mal mit den gesetzlichen Bestimmungen auseinandergesetzt: Wie war das bei Gülle und Gärresten? Nur noch bodennah? Welche Technik ist verfügbar? Was kostet sie? Wie lassen sich die Ammoniakemissionen am stärksten mindern? Ach ja, und welche der wahnsinnig teuren Fässer kommt voll auf meinem Acker schadlos bergauf?

Wer kümmert sich um den Boden?

Viele Versuche wollen die umweltfreundliche Wirkung der bodennahen Technik nachweisen, idealerweise schlitzen. Es geht immer um eins: Wie entweicht weniger Ammoniak in die Luft?

Aber wer kümmert sich bei den unzähligen Versuchen um unser wertvollstes Kapital, den Boden? Die Fässer werden schwerer und verursachen Schäden.

Wie gefällt es meinem Boden überhaupt, wenn ich 20 m3/ha Gülle in enge, plastisch geformte Schlitze zwänge? Mag das der Regenwurm? Wie reagieren andere Mikroorganismen?

Wie reagiert der Humus auf die Gülle?

Humus ist das Zauberwort bei Klimaschutz und Ertragsstabilität. Was passiert mit ihm, wenn wir wertvolle organische Dünger in den Boden drücken, egal bei welchem Wetter, denn der Lohnunternehmer ist gerade jetzt da?

So vieles wollen wir genau messen und verstehen. Der Boden aber ist für uns immer noch eine „Black Box“.

Es ist an der Zeit für intensive Forschung

Ich finde, es wird höchste Zeit, viel tiefer in Wissenschaft und Praxis einzusteigen. Was nützt mir eine theoretische Emissionsminderung von 5 kg N/ha im Jahr, wenn ich durch die viel zu teure Ausbringtechnik meine Bodenfunktionen nachhaltig störe.

Für mich ist die Frage der Zukunft vielmehr:

Wie setze ich organische Dünger zielgerichtet zum Humusaufbau für einen gesunden Boden ein? Den Boden düngen und nicht die Pflanze, das ist das Motto. Ich wünsche mir da ein ganzheitliches Denken inklusive einer Folgenabschätzung.

Zum Autor: Maximilian Henne

Maximilian Henne

Der Ackerbauer aus dem südlichen Niedersachsen interessiert sich für alles, was im Boden passiert. So wenig wie möglich einzugreifen und die Direktsaat weiterzuentwickeln, sind für ihn wichtige Entwicklungsfelder der kommenden Jahre.

Für sein Engagement wurde er 2014 mit dem CeresAward in der Kategorie Ackerbauer ausgezeichnet.

Für agrarheute schreibt er regelmäßig in unserer Kolumne „Kopfdünger“.

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Dieser Kopfdünger-Beitrag ist in der agrarheute-Ausgabe April 2020 erschienen.

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