Login

Das ist ein Artikel vom Top-Thema:

Pflanzenbaukolumne Kopfdünger

Maximilian Henne: „Landwirtschaft soll keine CO2-Senke sein?“

feinkrümeliger Boden in zwei Händen
am Dienstag, 14.01.2020 - 13:47 (Jetzt kommentieren)

Ich bin wütend. Klimaschutzleistungen von uns Bauern sollen nicht anrechenbar sein. Dabei sind wir es, die CO2 speichern!

Eine Anrechnung von Klimaschutzleistungen der Landwirtschaft durch ihre Funktion als Treibhausgassenke wird es nicht geben – „Bitte was?“, dachte ich, als ich die Grundzüge des Klimapakets der Regierung las. Wieder ein Papierstapel vollkommenen Unfugs aus Berlin.

Expertenwissen zählt nicht

Da beschäftige ich mich seit Jahren intensiv mit Bodenschutz, erarbeite mir nach und nach die Direktsaat, baue Bodenstruktur und Bodenleben auf.

Ich tausche mich mit ebenso bodenbegeisterten Kollegen über die beste Zwischenfruchtmischung, die neueste Saattechnik, die Philosophie des „liquid carbon pathway“ aus. Und jetzt?

Jetzt muss ich lesen, dass die Politik die Landwirtschaft nicht als CO2-Senke sieht, wohl aber weiter reglementieren will: Tierhaltung, Düngung, Treibstoffverbrauch – alles schädlich fürs Klima. Okay, Nahrungsmittel kommen in einigen Jahren fix und fertig aus dem Supermarktregal, oder aus dem Ausland – da ist kein Klima.

Ich bin ratlos und wütend

Nein, liebe Bundesregierung, dieses Papier der Unwissenschaft geht gar nicht! Als einziger Sektor können wir Landwirte unsere Treibhaus-gas­emissionen mit Hilfe neuer Produktionsverfahren nicht nur vermindern. Wir können CO2 sogar dauerhaft speichern! 

Ich bin ratlos und wütend. Unsere Politiker fällen keine ihrer Entscheidungen mehr auf wissenschaftlicher Basis. Und uns Landwirte, die betroffenen Akteure, beziehen sie gar nicht erst mit ein.

12-Punkte-Plan: Ich bin gespannt, ob man uns ernst nimmt!

Umso beeindruckter war ich von der Demonstration in Berlin. Wir standen zusammen, geschlossen und entschlossen, um unsere Existenzängste auszudrücken und zum Dialog aufzurufen.

Nur allzu schwach wirkten dagegen die Auftritte der beiden Ministerinnen Schulze und Klöckner. Hoffen lässt dagegen der Agrargipfel von Anfang Dezember. Zwar war er sehr oberflächlich, aber der 12-Punkte-Plan signalisiert Dialogbereitschaft. Ich bin gespannt, ob man uns ernst nimmt!

Zum Autor: Maximilian Henne

Maximilian Henne

Der Ackerbauer aus dem südlichen Niedersachsen interessiert sich für alles, was im Boden passiert. So wenig wie möglich einzugreifen und die Direktsaat weiterzuentwickeln, sind für ihn wichtige Entwicklungsfelder der kommenden Jahre.

Für sein Engagement wurde er 2014 mit dem CeresAward in der Kategorie Ackerbauer ausgezeichnet.

Für agrarheute schreibt er regelmäßig in unserer Kolumne „Kopfdünger“.

Diskutieren Sie mit und nutzen Sie die Kommentarfunktion unten!

Dieser Kopfdünger-Beitrag ist in der agrarheute-Ausgabe Januar 2020 erschienen.

Das agrarheute Magazin Die digitale Ausgabe Dezember 2020
agrarheute digital iphone agrarheute digital macbook
cover_agrarheute_magazin.jpg

Kommentare

agrarheute.comKommentare werden geladen. Bitte kurz warten...