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Pflanzenbaukolumne Kopfdünger

Maximilian Henne: „Ein Paket voll blindem Aktionismus“

Luftaufnahme eines Einzelgehöfts
am Montag, 28.10.2019 - 09:27 (1 Kommentar)

Wozu erarbeiten wir in unzähligen Arbeitsgruppen Zukunftsmodelle, wenn die Politik sie nicht einmal abwartet?

Ausgedörrte Felder und Wiesen, Aussaat im Staub, trübe Stimmung, hier und da ein grünes Kreuz auf dem Acker – derzeit scheint die deutsche Landwirtschaft eher tot als lebendig. Und das Agrarpaket, so wie angekündigt, macht mir Angst.

Dabei ist in den letzten Jahren vieles in Bewegung gekommen. Egal ob Tierhaltung oder Ackerbau, vielen von uns ist nicht erst seit gestern bekannt, dass es kein „Weiter so“ gibt.

Das liegt in der Natur der Sache – Wandel und Fortschritt mit mutigen Pionieren und Nachahmern begleiten uns Bauern schon immer. Statt Würdigung und Förderung kommt jetzt das Agrarpaket!

Wissen und Fähigkeiten zählen nicht mehr

Man spricht uns unsere Fähigkeiten ab, ungeachtet der vielschichtigen Ausbildung, des Agrarstudiums und der jahrzehntelangen Erfahrung in vielen Familienbetrieben.

Als wüssten wir nicht, wie man Pflanzen bedarfsgerecht ernährt, wie man mit Nutztieren umgeht, wie man die Kulturlandschaft pflegt und wie man dem Artenschutz Rechnung trägt. Und überhaupt, was soll denn die ganze Chemie auf dem Acker?

Ein Bärendienst für gut funktionierende Kooperationsmodelle

Noch nie war die Kluft zwischen Landwirtschaft, Politik und Gesellschaft so groß wie jetzt. Sachverhalte faktenbasiert zu diskutieren, scheint derzeit vollkommen unmöglich.

Wozu erarbeiten wir in vielen Arbeitsgruppen, Vereinen und Interessensvereinigungen Zukunftsmodelle für die Landwirtschaft, wenn die Politik sie nicht einmal abwartet und aus blindem Aktionismus ein Paket voller absurder Restriktionen schnürt? Vielen gut funktionierenden Kooperationsmodellen bei Wasser- und Landschaftsschutz wird damit ein Bärendienst erwiesen.

Die Laune könnte kaum schlechter sein

Ich wünsche mir, dass wir als fachkundige und erfahrene Landwirte an unserer Zukunft zumindest mitwirken dürfen. War es nicht unsere grundlegende Aufgabe, hochwertige Lebensmittel zu erzeugen? Wenige Wochen vor der Agritechnica könnte die Laune kaum schlechter sein.

Ein Umstand tröstet mich: Gegessen wird immer!

Zum Autor: Maximilian Henne

Maximilian Henne

Der Ackerbauer aus dem südlichen Niedersachsen interessiert sich für alles, was im Boden passiert. So wenig wie möglich einzugreifen und die Direktsaat weiterzuentwickeln, sind für ihn wichtige Entwicklungsfelder der kommenden Jahre.

Für sein Engagement wurde er 2014 mit dem CeresAward in der Kategorie Ackerbauer ausgezeichnet.

Für agrarheute schreibt er regelmäßig in unserer Kolumne „Kopfdünger“.

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Dieser Kopfdünger-Beitrag ist in der agrarheute-Ausgabe November 2019 erschienen.

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