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Forsttechnik

Mechanisierte Holzernte: Die Technik im Überblick

Harvester
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Katharina Krenn, agrarheute
am
23.01.2017

Die Mechanisierung der Holzernte bringt viele Vorteile. Welche Verfahren es gibt und welche Technik dabei zum Einsatz kommt, lesen Sie in unserem Überblick.

Tabelle Harvester

Für das Fällen, Aufarbeiten und Rücken werden bei der mechanisierten Holzernte sogenannte Harvester und Forwarder eingesetzt. Neben hoher Produktivität sind auch Unfallschutz und Arbeitssicherheit Gründe für die zunehmende Verbreitung. Die Technik unterscheidet sich jedoch stark je nach zu fällenden Baumstärken und Bodenbeschaffenheit. Die Holzernte nach Mechanisierungsgrad:

  • Vollmechanisiert: Fällung und Aufarbeitung werden rein maschinell mit dem Harvester durchgeführt.
  • Teilmechanisiert: Die Fällung erfolgt mit dem Harvester, wobei Bäume außerhalb der Kranreichweite mit der Motorsäge zugefällt werden, oder ausschließlich mit der Motorsäge. Die Aufarbeitung wird immer maschinell mit einem Prozessor oder einem Harvester erledigt.
  • Motormanuell: Fällung und Aufarbeitung werden ausschließlich mit der Motorsäge ausgeführt.

6-Radharvester sind Standard

Die meist eingesetzten Kranvollernter sind Radharvester. Standard sind heute 6-Rad-Maschinen. Harvester mit vier Rädern sind in der Regel ältere Maschinen, 8-Rad-Modelle kommen immer häufiger zum Einsatz. Denn je mehr Räder eine Maschine hat, desto besser wird die Last verteilt und der Boden geschont. Die Reifen der Harvester können mit Wasser gefüllt werden, um die Standfestigkeit zu erhöhen. Radharvester können mehrere Kilometer auf Forst- und Landstraßen fahren, ohne dass ein Transport mit dem Tieflader notwendig ist. Dies senkt Kosten und macht somit kleinere Hiebe wirtschaftlich.

Raupenharvester in steilen Lagen

Neben Radharvestern kommen auch Raupenharvester in der Holzernte zum Einsatz. Diese werden auch häufig Baggerharvester genannt, da konventionelle Baumaschinen teilweise als Grundlage dienen, die entsprechend modifiziert wurden. Raupenharvester werden insbesondere im Starkholz und in steileren Lagen eingesetzt.

Durch die Ketten besitzen diese Maschinen eine relativ große Auflagefläche, das hohe Maschinengewicht wird gut verteilt. Mit besonders breiten Ketten und in leichter Ausführung eignen sich Raupenharvester daher auch für Weichböden. Die Ketten beanspruchen aber die Forststraßen stark. Das Umsetzen an einen anderen Hiebsort muss folglich mit einem Tieflader erfolgen.

Harvesteraggregat

Herzstück der Harvestertechnik ist das an einem Kranarm angebrachte Harvesteraggregat. Ein hydraulisch angetriebenes Sägeschwert mit Kette übernimmt das Fällen und Ablängen, Greifarme mit integrierten Messern halten den Stamm und entasten ihn. Dazu schieben Vorschubwalzen den Stamm durch die Entastungsmesser. Über deren Öffnungswinkel kann gleichzeitig der Durchmesser ermittelt werden und ein am Stamm angepresstes Rädchen misst die Länge. Ein Bordcomputer wertet diese Daten aus und unterstützt den Fahrer beim Aushalten der verschiedenen Sortimente.

Energieholzaggregat für schwaches Holz

Energieholzaggregat

Energieholzaggregate sind eine Sonderform, die für schwaches Holz konzipiert sind. Das Abtrennen erfolgt hier bevorzugt mit Scheren, Zwickern oder Kreissägen. Vorschubwalzen fehlen bei den meisten Modellen, so dass das Entasten und eine Längenmessung nicht immer möglich sind. Charakteristisch sind dagegen Sammeleinrichtungen am Aggregat. Sie ermöglichen mehrere Trennvorgänge hintereinander, wodurch Kranbewegungen eingespart werden und die Arbeitsgeschwindigkeit steigt.

Aufarbeitungsmaschinen

Unter dem Begriff „Prozessoren“ werden Maschinen zusammengefasst, die das Entasten und Ablängen übernehmen. Prozessoren werden daher auch Aufarbeitungsmaschinen genannt. Obwohl sich Harvester und Prozessor fachlich betrachtet unterscheiden, wird der Begriff Prozessor häufig umgangssprachlich synonym für Harvester verwendet.

Das Fällen ist als eigener Arbeitsgang abgetrennt und erfolgt in aller Regel mit der Motorsäge. Prozessoren werden teilweise im Schwachholz eingesetzt, zum Beispiel als Anbauprozessoren an landwirtschaftliche Schlepper. Ihre Verbreitung solcher Prozessoren ist aber gering. Eine größere Rolle spielen sie in Verbindung mit Seilkrananlagen.

Forwarder oder Rückezug

Mit dem Forwarder, synonym Tragschlepper oder Rückezug, wird das Holz aus dem Bestand zum Holzlagerplatz gerückt. Mit einem Forwarder wird Kurzholz – meist in Längen von zwei bis sechs Meter – transportiert, das mittels Kran in den Rungenkorb geladen wird. Die Kranreichweiten sind mit denen der Radharvester vergleichbar und liegen meist zwischen acht und zehn Meter. Die maximal mögliche Zuladung liegt je nach Modell in einem Bereich von 15 bis 20 Tonnen. Am häufigsten sind 8-Rad-Fahrzeuge, die als Standard angesehen werden können. Daneben gibt es auch 6-Rad-Fahrzeuge und sehr selten auch Fahrzeuge mit zehn Rädern.

Klemmbankschlepper

Für die Holzbringung von Langholz werden oft Klemmbankschlepper eingesetzt. Als Klemmbank wird eine große, fest auf ein Fahrzeug montierte Zange bezeichnet, die mehrere Langholzstämme einseitig festklemmen kann. Die Klemmbank kann am Forwarder oder anderen geeigneten Fahrzeugen anstatt des Rungenkorbs angebracht werden. Mit dem Klemmbankschlepper können deutlich schneller größere Holzmengen gerückt werden als mit Seilschleppern, die üblicherweise bei der Rückung von Langholz verwendet werden.

Weiteres finden Sie in der Infobroschüre der Bayerischen Forstverwaltung.

Mit Material von Bayerische Forstverwaltung

Motormanuelle Ernte von Schwachholz

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