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Mehr Wintergerste, Sommergerste knapp

© landpixel
von , am
18.09.2013

Die Gerstenernte fällt dieses Jahr sehr unterschiedlich aus: Während bei Wintergerste ein Vorjahresplus von 19 Prozent in der Bilanz steht, verzeichnet Sommergerste ein dickes Minus von 42 Prozent.

© agrar-press
Deutschlands Gerstenernte erreicht mit insgesamt 10,37 Millionen Tonnen (Mio. t) fast die Erntemenge des Vorjahres (10,39 Mio. t) und liegt auch ziemlich nahe an den Produktionsschätzungen des Raiffeisen- und Bauernverbandes.
 
Die ähnlich große Gesamternte täuscht jedoch darüber hinweg, dass die Produktion von Wintergerste deutlich größer (+19 %) und von Sommergerste (- 41 %) weitaus kleiner ist als im letzten Jahr.
 
Das hat vor allem mit der Veränderung der Anbaufläche zu tun, aber auch mit den Erträgen. Diese sind für Wintergerste höher und für Sommergerste niedriger als 2012. Das zeigt jedenfalls die detaillierte Auswertung der Ernteergebnisse nach Bundesländern durch das Statistische Bundesamt.

Wintergerste: Ernte eine Million Tonnen über Vorjahr

Die deutsche Ernte bei Wintergerste veranschlagt das statistische Bundesamt auf 8,4 Mio. t. Das ist ein Produktionszuwachs von knapp 19 Prozent (%). Die Anbaufläche war mit 1,2 Millionen Hektar (Mio. ha) rund 122.000 ha größer als im Jahr 2012 und die Durchschnittserträge  mit 69,4 dt/ha etwa 4,5 dt höher als 2012. Nach Bundesländern betrachtet ergibt sich folgendes Bild:
Starkes Wachstum in Hessen und Rheinland-Pfalz
In einigen Bundesländern ist die Produktion um ein Drittel und mehr gewachsen. Ursache ist vor allem die Ausweitung der Anbaufläche, aber zum Teil (Hessen) auch erheblich höhere Erträge. Prozentual am stärksten gewachsen ist die Produktion von Wintergerste in Hessen, in Brandenburg, in Baden-Württemberg, in Nordrhein-Westfalen und in Rheinland-Pfalz.
 
Bayern mit der größten Ernte, Produktionssprung in BW
Im Süden Deutschlands ist die Ernte von Wintergerste ebenfalls deutlich größer als im letzten Jahr. In Bayern holten die Landwirte mit knapp 1,50 Mio. t die deutschlandweit größte Ernte von den Feldern. In Baden-Württemberg nahm die Produktion von Wintergerste sogar um 37 % auf 0,64 Mio. t zu.
 
Größere Ernten in NRW und Niedersachsen
Kräftig gewachsen sind die Erntemengen in Nordrhein-Westfalen und in Niedersachsen. In Nordrhein-Westfalen beträgt der Ernte-Zuwachs etwa 33 % auf 1,08 Mio. t Wintergerste. In Niedersachsen ernteten die Landwirte mit 0,94 Mio. t rund 21 % mehr als im letzten Jahr.
 
Kleinere Ernte in Schleswig-Holstein
Weniger Wintergerste ernteten die Landwirte hingegen in Schleswig- Holstein. Die Produktion ging um sieben Prozent auf 0,46 Mio. t zurück. Grund für den Produktionsrückgang sind die deutlich niedrigeren Erträge. Trotz dieses Ertragsrückgangs erreichten die Landwirte in Schleswig Holstein erneut die höchsten Wintergersten-Erträge in Deutschland.  In Mecklenburg-Vorpommern ernteten die Landwirte in diesem Jahr 0,43 Mio. t Wintergerste. Im Vergleich zum letzten Jahr ist dies ein Anstieg von 15 %, der auf deutlich höheren Erträgen basiert.
 
In Ostdeutschland mehr Gerste, außer in Sachsen
Einziges Bundesland - neben Schleswig- Holstein - mit einem Produktionsrückgang, ist Sachsen. Mit 0,53 Mio. t Wintergerste blieb man rund vier Prozent unter der Ernte des letzten Jahres. Dabei war die Anbaufläche sogar leicht gewachsen, die Erträge blieben jedoch fast 8 dt unter den Vorjahreswerten. Dagegen war die Gerstenernte in Sachsen-Anhalt sieben Prozent größer als 2012. Einen Zuwachs von 34 % auf 0,46 Mio. t erreichten die Landwirte in Brandenburg. In Thüringen betrug der Produktionszuwachs 17 % auf 0,5 Mio. t.
 
Preise für Futtergerste geben nach
Die Preise für Futtergerste sind im August weiter gefallen. Während das durchschnittliche Preisniveau im deutschen Großhandel im Juli noch bei 170 Euro je Tonne (Euro/t) lag, handelte man Futtergerste im August nur noch mit 163 Euro/t und damit sieben Euro preiswerter.

Wird die Braugerste knapp?

Dr. Olaf Zinke / Redaktionsleiter marktkompass © dlv
Die deutsche Ernte von Sommergerste fällt deutlich kleiner aus als im letzten Jahr. Das hat ohne Frage Folgen für die heimische Versorgung mit Braugerste. Das Statistische Bundesamt veranschlagt die Ernte von Sommergerste auf 1,96 Mio. t. Das wäre ein Produktionsrückgang von knapp 41 %.
 
In allen für den Sommergerstenanbau wichtigen Bundesländern ist die Produktion drastisch eingebrochen. Dabei resultiert der Produktionsrückgang bis auf wenige Ausnahmen (Hessen und Sachsen) hauptsächlich aus der Einschränkung des Anbaus. In den meisten Bundesländern waren die Erträge relativ stabil oder lagen nur wenig unter dem Vorjahr.
 
Stärkster Einbruch in Hessen und NRW
Besonders drastisch ist die Produktion an Sommergerste in Hessen zurückgegangen. Um 75 % auf rund nur noch 90.000 t brach die Produktion ein. Die hessische Anbaufläche wurde um knapp 70 % reduziert und die Erträge waren fast 20 % niedriger als im letzten Jahr (60,1). Um etwa 80 % ging die Sommergerstenernte in NRW zurück. Dafür ist im Wesentlichen der Rückgang der Anbaufläche um 80 % verantwortlich. Die Erträge blieben mit 58,5 dt/ha fast stabil.
 
Deutlich weniger Braugerste in Süddeutschland
In Bayern schrumpfte die Produktion im Vergleich zum Vorjahr um 25 %. Ursache ist eine Einschränkung der Anbaufläche um 25 % bei relativ stabilen Erträgen. In Baden-Württemberg schrumpfte die erzeugte Menge Sommergerste um 35 %. Die Erträge blieben nur knapp unter dem Vorjahr, die Anbaufläche war jedoch ein Drittel kleiner. Beide Länder sind die deutschen Top-Produzenten von Braugerste.
 
Rheinland-Pfalz am stabilsten
In Rheinland -Pfalz ging die erzeugte Menge Sommergerste um 17 % zurück. Das ist im Vergleich zu den anderen großen Braugerstenproduzenten ein deutlich moderaterer Rückgang, der vor allem auf einer Einschränkung der Anbaufläche von 20 % basiert, während die Erträge sogar höher waren als im letzten Jahr. In Niedersachsen ist die Produktion von Sommergerste um 35 % zurückgegangen. Hintergrund ist ein Rückgang der Anbaufläche, während die Erträge etwa höher waren als im letzten Jahr.
 
Ostdeutsche Produktion deutlich kleiner
Bei den beiden großen ostdeutschen Braugerstenproduzenten, Sachsen und Thüringen, ist die Produktion von Sommergerste ebenfalls kräftig eingebrochen. Die diesjährige Produktion von Sommergerste wird für Sachsen mit 117.000 t angeben und damit 58 % kleiner als im letzten Jahr. Neben einem Rückgang der Anbaufläche von fast 50 % sind auch die Erträge niedriger als 2012. In Thüringen schrumpft die Erzeugung um 25 % auf der Grundlage eine Flächenreduzierung von gut 20 % und etwas niedrigeren Erträgen.
 
Preise für Braugerste über 200 Euro
Die Preise für Braugerste sind in den letzten Monaten weniger kräftig gefallen als die übrigen Getreidepreise. Im deutschen Großhandel lag das durchschnittliche Preisniveau für Braugerste im Juli noch bei durchschnittlich bei 223 Euro/t. Im August handelte man Braugerste nur noch mit 205 Euro/t und damit fast 20 Euro preiswerter. Die Preisspitze erreichte Braugerste im letzten Wirtschaftsjahr im Januar mit 258 Euro/t.  
 
 
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