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Schädling

Millionschäden: Diese Zikade macht US-Landwirten das Leben schwer

Gepunktete Laternenträgerzikade
am Dienstag, 01.11.2022 - 05:00 (Jetzt kommentieren)

Eine eingeschleppte Zikade macht Landwirten in den USA zu schaffen. Das asiatische Insekt frisst sich durch Obstbaum- und Forstkulturen. Behörden rufen die Bevölkerung zur Vernichtung auf.

Töten, töten, töten. Das beschreibt kurz die Strategie, mit der das amerikanische Landwirtschaftsministerium die Gepunktete Laternenträgerzikade in den Griff kriegen will. Das Insekt macht sich in den USA breit und richtet in Obstbaumkulturen, an Weinreben oder in Wäldern Millionenschäden an.

Die Behörden rufen die Bevölkerung auf, Sichtungen zu melden und vor allem, die Tiere zu töten, wo es geht. Mit der App „Squishr“ kann man sich sogar mit anderen messen. Wer hat am meisten Zikaden zertreten, zerquetscht, erledigt? Ziel ist die Ausrottung der Zikade.

Horror nicht nur für Landwirte: Zikade schädigt 100 Pflanzenarten

Aber das wird nicht so einfach. Die Gepunktete Laternenträgerzikade ist eine eingeschleppte Art. Ursprünglich lebt sie in Südostasien. 2004 gelangte sie nach Südkorea und 2014 fand man sie erstmals in den USA, im Bundesstaat Pennsylvania. Seitdem breitet sie sich erfolgreich aus.

Der durchaus hübsch anzuschauenden Zikade kommen dabei zwei Dinge zugute. So hat sie in den USA keine Feinde. Außer natürlich den besohlten Homo Sapiens. Zudem ist sie bei ihrer Diät nicht wählerisch: rund 100 Arten von Pflanzen besucht sie, darunter Apfel, Pflaume, Kiwi, Ahorn. Ihre Lieblingsspeise liefert allerdings der Götterbaum, weswegen er für das Monitoring bevorzugt wird.

Zikade saugt am Saft und schädigt Wald- und Obstbäume langfristig

Die Gepunktete Laternenträgerzikade geht zwar nicht direkt an die Früchte, doch sind die Schäden auch so groß genug. Einzeln oder in Gruppen sitzt sie an Stielen oder sogar an den Stämmen von Bäumen. Hier bohrt sie das Gewebe mit ihrem Saugrüssel an, um sich dann am austretenden Saft zu laben.

Diese Wunden schwächen die Pflanzen und sind zudem eine Eintrittspforte für Pilze. Obendrein lockt der Saft Bienen an. Das breite Spektrum an Wirtspflanzen und die Gefahr, Nützlinge mit zu töten, machen eine chemische Bekämpfung fast unmöglich.

Weinbauern in Kalifornien zittern vor Milliardenschäden

Da noch kein wirksames Gegenmittel oder ein natürlicher Antagonist in Sicht ist, behilft man sich zur Zeit mit der brachialen Methode und dem Monitoring. Dazu fängt man die flugunfähigen Nymphen mit Klebefallen. Ähnlich wie beim Kleinen Frostspanner. Doch Klebefallen lösen das Problem nicht, da die erwachsenen Tiere zu stark sind, um darauf gefangen zu bleiben. In China gibt es allerdings eine Schlupfwespe, die 80 Prozent der Zikade töten kann. Ob sie in Übersee zum Einsatz kommt, wird zur Zeit untersucht.

Die große Sorge ist derweil, dass die Zikade es in die Weinbauregion Kaliforniens schafft. Es ist ein Milliardenmarkt und hier wachsen immerhin 82 Prozent der amerikanischen Weinbeeren. Winzer in Maryland im Osten der USA berichten bereits von 50 Prozent Ausfällen durch das Insekt. In Pennsylvania hat eine Studie 2019 die Schäden auf 50 Millionen Dollar im Jahr beziffert. Das Potential liegt aber danach allein in diesem Staat bei 324 Millionen Dollar. 

Breitet sie sich weiterhin in dem bisherigen Tempo aus, hat die Zikade Kalifornien im Jahr 2027 erreicht. Und bis 2037 lebt sie wohl in ganz Amerika. In Europa ist die Gepunktete Laternenträgerzikade bislang nicht aufgetaucht.

Bis ein Gegenmittel gefunden ist, heißt es in den USA bis auf Weiteres: töten, töten, töten. Den Rekord hält übrigens die Rentnerin Harriett Campbell mit bestätigten über 13.000 gekillten Zikaden.

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