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Pflanzenbau

Mindestlohn: Das sind die Folgen für Landwirte

Arbeiter beim Spargel sortieren
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Amelie Grabmeier, agrarheute
am
20.03.2018

Anfang Januar 2018 hat der Mindestlohn in der Landwirtschaft ein neues Rekordniveau erreicht. Im Schnitt müssen Landwirte 60 bis 70 Prozent mehr Lohn bezahlen.

Seit dem 1. Januar 2018 gilt der gesetzliche Mindestlohn auch für die Landwirtschaft. Derzeit müssen Landwirte ihren Beschäftigten 8,84 Euro pro Stunde bezahlen. Dieser Lohn gilt auch für Saisonarbeitskräfte. „Nun müssen die regionalen Verbände in ihren Tarifverträgen die Details festlegen“, erklärt Burkhard Möller vom Deutschen Bauernverband (DBV). Diese Verhandlungen sollen in den nächsten Wochen und Monaten stattfinden.  

Seit Dezember 2017 gibt es eine neue Bundesempfehlung für Tariflöhne. Sollten die regionalen Verbände die Bundesempfehlung in Tarifverträge umsetzen, betrage der Tariflohn in der Landwirtschaft für die unterste Lohngruppe 9,10 € beziehungsweise 9,25 € pro Stunde ab vier Monaten Betriebszugehörigkeit, so Möller. Betriebsleiter, die selbst im Arbeitgeberverband und deren Mitarbeiter in der Gewerkschaft sind, müssten diesen Betrag an ihre landwirtschaftlichen Arbeitskräfte zahlen. Saisonarbeiter erhielten allerdings immer mindestens 8,84 Euro pro Stunde, unterstreicht Möller.

Landwirte bauen arbeitsintensive Pflanzenarten seltener an

Der Mindestlohn verändere die Landwirtschaft, meldet die deutsche Presse-Agentur dpa. Arbeitsintensive Pflanzenarten würden zunehmend auf den Äckern verschwinden. Um Personal einzusparen, würden Landwirte zudem noch stärker auf den Einsatz von Maschinen setzen.

"Zucchini werde ich in diesem Jahr keine mehr anbauen", erklärte Johannes Zehfuß, der Vizepräsident im Bauern- und Winzerverband Rheinland-Pfalz. Bis zu 70 Prozent der Kosten seien Lohnkosten. Bei anderen Gemüsesorten wie Radieschen, Schalotten und Spargel sehe es ähnlich aus. Deshalb würden viele Landwirte auch diese Pflanzenarten seltener anbauen.

Hohe Lohnkosten verändern Anbauarten

"Seit der Einführung des Mindestlohns 2015 zahle ich den Erntehelfern im Schnitt 60 bis 70 Prozent mehr Lohn", rechnet Landwirt Franz Josef Schäfer vor. Für seinen Obstbaubetrieb im Norden von Rheinland-Pfalz hat er sich eine besondere Lösung überlegt. Seine Erdbeeren pflanzt er jetzt nicht mehr draußen aufs Feld, sondern in Tunneln. "Das ist eine sehr intensive Produktion. Die Pflanzen stehen im Substrat, werden bedarfsgerecht gedüngt und tragen von Mai bis Oktober", so Schäfer. So brauche er nur noch ein Drittel seiner Mitarbeiter. Seine Berufskollegen setzten dagegen vermehrt auf Pflückmaschinen und Hebebühnen.

Gesetzlicher Mindestlohn soll 2019 erhöht werden

Zum 1. Januar 2019 soll der gesetzliche Mindestlohn erhöht werden. Im Moment werde von einer Erhöhung auf ca. 9,18/9,19 Euro ausgegangen, so Möller. Dieser Wert werde auch für die Landwirtschaft gelten.

Mit Material von dpa, DBV

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