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Mischkulturen bringen mehr Ertrag als Monokulturen

© agrar-press
von , am
21.10.2014

Wissenschaftler haben in einer Langzeitstudie nachgewiesen, dass der Anbau von Mischkulturen höhere Ernteerträge ermöglicht als bei reinen Monokulturen. Die Pflanzen sind vitaler und haben weniger Schädlingsdruck.

Eine Studie belegt, dass Mischkulturen bessere Erträge bringen als Monokulturen. © Detlef /pixelio.de
Ein europäisches Forscherteam hat unter der Leitung von Ökologen der Universität Zürich eine zehnjährige Studie durchgeführt, in der sie den Anbau Wiesenpflanzen in Mischkulturen mit dem Anbau von Monokulturen verglichen haben. Es stellte sich heraus, dass Pflanzengemeinschaften ertragreicher sind als die Monokulturen. "Aufgrund ihrer Vielfalt besetzen Pflanzenarten in Gemeinschaften sämtliche vorhandenen Nischen in einem Ökosystem. So nützen sie Bodennährstoffe, Licht und Wasser viel besser aus als Monokulturen - was schließlich zu höheren Erträgen führt", erklärt Dan Flynn, Postdoc in Schmids Gruppe.

Mischkulturen bremsen Vermehrung von Schädlingen

Bei den Mischkulturen zeigte sich ein weiterer entscheidender Vorteil: Auf Pflanzen in Gemeinschaften lastet ein geringerer Schädlingsdruck als auf Pflanzen in Monokulturen. Ein Schädling kann sich weniger ausbreiten, da er in einer vielfältigen Pflanzenwelt seine spezielle Futterpflanze nicht so leicht finden kann. Somit wirken die verschiedenen Pflanzenarten füreinander wie Schutzschilder. Der gegenseitige Schutz in der Gruppe erlaubt es den einzelnen Pflanzen, die vorhandenen Ressourcen für das Wachstum und die Produktion von Nachkommen anstatt in die Schädlingsabwehr zu investieren.

Pflanzen nutzen Ressourcen besser

Die Forscher stellten weiter fest, dass sich Arten innerhalb weniger Generationen an ihre Pflanzengemeinschaften anpassen. Diese sogenannte Kurzzeit-Evolution führe dazu, dass der Ertrag in Mischungen weiter ansteigt, eine Möglichkeit mit der laut Schmid bisher weder in der Grundlagenforschung noch in der Pflanzenzüchtung gerechnet wurde.
 
In diesem Anpassungsprozess spezialisieren sich die verschiedenen Arten auf ihre Stärken und verbessern so die komplementäre Ressourcennutzung in der ganzen Pflanzengemeinschaft. Gräser etwa bilden dickere Blätter aus, die das direkte Sonnenlicht im oberen Stockwerk einer Wiese optimal ausnützen können. Kleearten treiben indessen größere aber dünnere Blätter aus, um das abgeschwächte Licht in Bodennähe besser aufzunehmen.

Paradigmenwechsel in der Landwirtschaft?

"Die Forschungsresultate zeigen, dass Diversität es ermöglicht, die Funktionalität der Ökosysteme über die Zeit und in verschiedenen Umgebungen auf einem hohen Niveau zu stabilisieren", fasst der Ökologe Bernhard Schmid zusammen. Er ist überzeugt, dass die in 'Nature' veröffentlichten Resultate zusammen mit Erkenntnissen aus seinen früheren Forschungsarbeiten langfristig zu einem Paradigmenwechsel in der Agrarwirtschaft führen können: Denn die positiven Wirkungen von Mischkulturen zeigen sich nicht nur in Pflanzengemeinschaften wie Wiesen und Wäldern, sondern auch beim gemischten Anbau verschiedener Sorten oder Genotypen einer einzigen Nutzpflanze wie z.B. Weizen.

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