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Mykorrhizapilze: Was sie sind & was sie können

Mykorrhizapilze: Was sie sind & was sie können
am Montag, 06.09.2021 - 07:37 (Jetzt kommentieren)

Kleine Pilze, große Wirkung: Mykorrhiza. Finden Sie hier alle Informationen, Hintergründe und Vorteile auf einen Blick!

Die Herausforderungen: Warum sind Mykorrhizapilze gerade jetzt wichtig?

Vor allem aus zwei Gründen:

  • Herausforderung 1: Regeln zur Düngung in der Landwirtschaft
    Die Rahmenbedingungen für die Düngung in der Landwirtschaft werden immer strenger. So wird es für Landwirte auch immer schwieriger, ihre angebauten Kulturpflanzen umfänglich mit den notwendigen Nährstoffen zu versorgen. Die logische Folge: Die geringen Düngermengen, die noch ausgebracht werden dürfen, müssen effizienter genutzt werden als früher. Die angebauten Kulturpflanzen müssen die Nährstoffe durch ihre Wurzeln also besonders effizient aufnehmen, um gleichbleibende Ernteerträge zu sichern.
     
  • Herausforderung 2: Klimawandel
    Hinzu kommt die wohl größte Herausforderung unserer Zeit: der Klimawandel. Weil es immer häufiger zu langanhaltenden Dürreperioden kommt, wird dem Boden immer mehr Wasser entzogen. Starkregenereignisse, also besonders starke Regenfälle in sehr kurzer Zeit, schwemmen zudem den fruchtbaren Oberboden weg. Die Herausforderungen der modernen Landwirtschaft machen nachhaltige Lösungen nötig. Lösungen, die umweltfreundlich und wirtschaftlich sind. So, wie Mykorrhizapilze!

Der Pilz: Mykorrhiza – was ist das?

Mykorrhiza ist griechisch und bedeutet Pilzwurzel. Die Mykorrhiza bildet eine Symbiose mit anderen Pflanzen, den sogenannten Wirtspflanzen. Es entsteht also ein Geben und Nehmen zwischen dem Pilz und der Wirtspflanze – mit dem entscheidenden Unterschied, dass der Wirt für den Pilz überlebensnotwendig ist, der Pilz aber nicht für den Wirt. Trotzdem profitiert er. Konkret: Die Mykorrhiza benötigt Zucker zum Überleben und zum Wachsen, den ihm die Wirtspflanze durch Photosynthese zur Verfügung stellt. Im Gegenzug versorgt die Mykorrhiza die Wirtspflanze mit Nährstoffen, etwa Phosphor, Stickstoff, Spurenelementen und Wasser.

Wie kommt es zur „Win-Win“-Partnerschaft? Wenn sich eine Wirtspflanze entwickelt und Wurzeln schlägt, docken die Mykorrhiza-Wurzeln an, der Pilz fängt also an zu wachsen und dringt in die Wurzeln der Wirtspflanze ein. Dort wachsen dann die hyphenlangen Fäden, die Mykorrhiza-Wurzeln. Eine Pflanze, die eine Symbiose mit einem Mykorrhizapilz eingegangen ist, bezeichnet man als „mykorrhiziert“. Bei einer Pflanze bleibt es aber nicht unbedingt: Mykorrhizapilze können sich von einer Pflanze ausgehend auf weitere Pflanzen ausbreiten. So entstehen im Boden komplexe Mykorrhiza-Netzwerke.

Die Effekte: Wie trägt Mykorrhiza dazu bei, die aktuellen Herausforderungen zu lösen?

Kurzgesagt: Pflanzen, die eine Symbiose mit Mykorrhiza eingehen, sind besser ernährt und wachsen schneller als Pflanzen, die nicht mykorrhiziert sind – und das ist gerade bei jungen und gestressten Pflanzen ein enormer Vorteil. Denn Mykorrhizapilze nehmen positiven Einfluss auf vier besonders wichtige Größen beim Anbau von Kulturpflanzen:

  1. Mykorrhiza verbessert die Nährstoffverfügbarkeit und -aufnahme
  2. Mykorrhiza fördert das Wurzelwachstum
  3. Mykorrhiza steigert die Wasseraufnahme aus dem Boden
  4. Mykorrhiza stärkt die Abwehrkraft gegenüber Krankheitserregern

Wie schafft das der Pilz mit dem umständlichen Namen? Durch die Symbiose mit dem Pilz vergrößert sich das Wurzelwerk der Wirtspflanze enorm. Die feinen Mykorrhiza-Wurzeln können in Poren im Boden eindringen, die die Wurzeln der Wirtspflanze nicht erschließen kann – und gelangen so an Nährstoff- und Wasservorräte, die für die Wirtspflanze sonst nicht zur Verfügung stünde. Beides stellt die Mykorrhiza dem Wirt nämlich zur Verfügung.

Hinzu kommt: Der Pilz arbeitet im Boden mit Bakterien zusammen und kann so Phosphor effizienter erschließen. Auch davon profitiert die Wirtspflanze. Phosphor ist ein sehr immobiler Nährstoff, besonders unter kalten oder trockenen Bedingungen kommt sie sonst nur schwer heran. Die Partnerschaft zur Mykorrhiza bedeutet auch hier einen echten Vorteil (stärkere Raum Durchwurzelung). Auch auf den Wasserhaushalt im Boden hat das Wurzelskelett aus Wirtspflanze und Mykorrhiza einen positiven Effekt. Die Wirtspflanze wird durch Mykorrhiza nicht nur mit Wasser versorgt, auf das sie sonst gar keinen Zugriff hätte – das Wurzelskelett fördert zudem die Bodenstabilität. So verhilft die Mykorrhiza dem Boden zu einer besseren Struktur, was wiederum dafür sorgt, dass der Boden besser Wasser halten kann. Die Folge: Die Wassernutzungs- und sogar die Wasseraufnahmeeffizienz bei Starkregenereignissen steigt.

Ein weiterer, handfester Vorteil von Mykorrhizapilzen ist ihr Schutz vor Schaderregern. Mykorrhiza baut ein Schutzschild gegen Schadstoffe auf, egal, ob tierischer, bakterieller oder pilzlicher Natur. Das gelingt ihr unter anderem durch den Pilzmantel, der die Feinwurzeln mit einer mehrzelligen Schicht überzieht. Der Mantel ist für die Wurzel aber nicht nur Rüstung, sondern auch Tarnung: Pflanzenfressende Nematoden erkennen die Wurzel darunter nicht. Und wenn es doch einmal zu einer Beschädigung der Wurzel durch einen Schaderreger kommt? Dann kann sich die Wirtspflanze deutlich schneller regenerieren, weil der Mykorrhizapilz Nährstoffe zur Verfügung stellt.

All die Vorteile, die sich aus der Partnerschaft ergeben, haben positiven Einfluss auf das Pflanzenwachstum und die Stresstoleranz. Genau deshalb rückt der Aufbau von Mykorrhizapilzen im Boden in der Landwirtschaft immer weiter in den Fokus: Die Pilze bieten die Chance, mineralischen Dünger einzusparen, weil sie Nährstoffe für die Pflanzen verfügbar machen und ihre Robustheit gegenüber Trockenheit und anderen widrigen Umwelteinflüssen positiv beeinflussen. Mykorrhiza im Ackerboden kann also dabei helfen, Düngemittel einzusparen; zum Wohl von Böden, Grundwasser und nicht zuletzt: dem Klima.

Die NOVIHUM®-Chance: Wie lässt sich Mykorrhizawachstum beeinflussen?

Mit NOVIHUM®-Dauerhumusgranulat! Zu diesem Ergebnis kommt eine Studie der BTU Cottbus-Senftenleben und des Deutschen Forschungszentrums für Geowissenschaften, in der der Einfluss von NOVIHUM® auf das Wurzelwachstum und die Mykorrhiza-Besiedlung bei Weichweizen auf einem sandigen, nährstoffarmen Boden untersucht wurde. Die Forscher fanden heraus, dass die Ausbringung von NOVIHUM® die Etablierung von Mykorrhiza-Gemeinschaften positiv beeinflusst. Und das führt trotz eines geringeren Wurzelwachstums zu einer höheren Stickstoffaufnahme durch die Pflanze!

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