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Nachgefragt: Wie ist die Herbizidresistenz-Situation im Getreide?

von , am
04.02.2011

Sachsen/Sachsen-Anhalt/Schleswig-Holstein - Welche Maßnahmen gehören zum Anti-Resistenzmanagement? Wir fragten zwei Berater und einen Landwirt.

Einige Länder wollen die gute fachliche Praxis in Bezug auf den Glyphosat-Einsatz überprüfen. © Mühlhausen/landpixel
Frank Irmscher, Syngenta Agro GmbH, 04657 Narsdorf/Sachsen:

"Die Resistenz-Gefährdung bei der täglichen Beratungsarbeit zu beachten, ist gängige Praxis aber auch ständige Herausforderung. Den gut ausgebildeten Landwirten und Beratern ist bewusst, dass eine maximale Vielfalt von Wirkstoffgruppen und Verfahrensweisen die Effizienz der geplanten Maßnahmen langfristig absichert. Dennoch stehen wir täglich im Spannungsfeld zwischen kurzfristig zu erzielender Ökonomie und langfristiger Sicherung der Rentabilität. In unseren, vom Markt geforderten, Getreide betonten Fruchtfolgen dominieren Herbizidlösungen, die aus nur einer Wirkstoffgruppe stammen.
 
Die bekannten notwendigen Begleitmaßnahmen wie Wechsel von Pflug und pfluglos, Wechsel von Winterungen und Sommerungen, Artenvielfalt in der Fruchtfolge, sind oft nur sehr eingeschränkt umsetzbar. Die aktuelle Resistenz-Gefährdung bei den Ungräsern ist sehr schwer einzuschätzen, da unter Feldbedingungen oft nicht unterschieden werden kann, ob eine Minderwirkung auf Resistenz und/oder produktionstechnischer Fehler zurückzuführen ist. Hierzu zählen vor allem die Anwendung unter ungünstigen Bedingungen, schlechte Benetzung der Zielpflanzen aufgrund falscher Wahl von Wasseraufwandmenge, Düsen und Fahrgeschwindigkeit oder ein zu schwacher Kulturpflanzenbestand, bei dem Schadgräser erst nach der Behandlung auflaufen können. Davon unabhängig ist aber ein Trend zu häufigerer Nachbehandlungen gezielt gegen Ungräser in meinem Gebiet auszumachen." Weiterlesen...

Herbizidresistenz ist in der Praxis angekommen

Kathleen Bremer, N.U. Agrar GmbH, 06449 Schackenthal, Sachsen-Anhalt:
 
"In einigen Regionen in Deutschland reagieren Ungräser und inzwischen auch dikotyle Unkräuter wie Kamillen oder Melden nicht mehr auf Herbizide. Wenn Anwendungsfehler beim Spritzen der Herbizide ausgeschlossen werden können, liegt der Verdacht nahe, dass die herbiziden Wirkstoffe im Boden durch darauf spezialisierte Mikroorganismen, zum Beispiel beim IPU oder durch die Unkräuter selbst zu schnell inaktiviert oder abgebaut werden.
 
Die Herausbildung von Herbizidresistenzen in Pflanzen ist ein natürlicher Prozess, sonst könnte man auch keine Herbizide in Kulturpflanzen einsetzen. Die Pflanze kann auf diese Weise Schadstoffe unwirksam machen. Unkrautarten mit einer hohen Samenzahl und/oder mehreren Generationen pro Jahr sowie einer hohen genetischen Vielfalt haben ein hohes Resistenzpotenzial (z.B. Ackerfuchsschwanz und Windhalm).
 
In der EU ist eine Fläche von 10 bis 15 Mio. Hektar durch Ackerfuchsschwanz-Resistenz und von 5 bis 10 Mio. Hektar durch Windhalm-Resistenz betroffen. Resistenzen der Echten Kamille gegen Isoproturon und Sulfonylharnstoffen, des Stiefmütterchens gegen Sulfonylharnstoffe oder von Melden gegen das Metamitron treten inzwischen auf einigen Tausend Hektar auf.
Resistenzbildung gegen Herbizide ist inzwischen nicht mehr allein ein akademisches Thema sondern in der Praxis angekommen. Ackerflächen mit einem Ackerfuchsschwanzbesatz von 1000 bis über 2000 Rispen pro Quadratmeter sind keine Seltenheit. Daraus resultieren Ertragsverluste von 20 bis über 50 Prozent.
 
Die Resistenzbildung ist häufig gekoppelt an einseitige Anbausysteme. Deshalb muss das Resistenzproblem vor allem auch mit ackerbaulichen Maßnahmen und insbesondere in der Fruchtfolge in Angriff genommen werden, um Risiken zu verhindern und die Wirkungen von herbiziden Wirkstoffen zu erhalten. Die Wirkstoffauswahl ist begrenzt, neue Wirkstoffgruppen mit anderer Wirkungsweise sind nicht in Sicht. Die zur Verfügung stehenden Wirkstoffe müssen gezielt und möglichst effektiv eingesetzt werden, das hat nicht nur etwas mit den Aufwandmengen zu tun sondern vor allem auch mit der Optimierung der Anwendungstechnik.
 
Es hilft nichts, wenn nur viel gespritzt wird und der größte Teil der Spritzbrühe danebengeht. Der Wirkungsgrad ist entscheidend. Bislang traten Ackerfuchsschwanzresistenzen zuerst auf Standorten auf, die vor Jahrzehnten noch Grünland waren. Durch Lohn-Mähdrescher und Strohverkauf wird das Samenpotential verbreitet bzw. durch den Zukauf organischer Dünger eingeschleppt. Aufgrund der hohen Nachfrage nach Ackerflächen wirkte sich der Besatz mit resistentem Ackerfuchsschwanz bislang noch nicht auf den Wert der Ackerflächen und auf die Pachthöhe aus. Jedoch kann sich das bald ändern." Weiterlesen...
 

Von pfluglos wieder auf Pflug umgestellt

Carsten Dose, 25335 Neuendorf, Schleswig-Holstein:
 
"Wir haben schon sehr früh mit der pfluglosen Bodenbearbeitung angefangen, mein Vater stellte 1970 um. Aber das geht heute nicht mehr, die Resistenzprobleme wurden immer größer. So wirkt zum Beispiel bei der Kamille heute Pointer nicht mehr, aber da haben wir noch Alternativen, während wir beim Ackerfuchsschwanz keine Alternative mehr haben. Wenn man sich vor Augen hält, dass wir bei 3000 Ährentragenden Halmen pro Quadratmeter 20 Dezitonnen Ertragsverlust haben, dann rechnet sich der Pflug allemal wieder.
 
Wir haben hier in der Elbmarsch schwere Böden mit einem Tongehalt bis 30 Prozent, da werden Bodenherbizide schnell absorbiert. Durch die Pfluglose Bearbeitung ist der Humusgehalt in den obersten Bodenschichten sehr hoch und die Bakterien bauen die Herbizide schnell wieder ab. Aber auch im Nachauflauf, bei den über das Blatt wirkenden Kontaktherbiziden wie Atlantis sind schon Resistenzprobleme bekannt. Die einzige Chance ist, den Ackerfuchsschwanz im Raps mit Kerb zu bekämpfen.
 
Tief lockern mit dem Grubber und mit 15 Zentimetern flach pflügen ist heute meine Devise. Der Boden muss zwar schwarz sein, ich möchte aber nicht die ganze Bodenbiologie durcheinander bringen. Wenn es trocken ist, werden die aufgelaufenen Gräser mechanisch mit der Egge bekämpft. Wenn dies nicht möglich ist, wird vor der Saat ein Totalherbizid angewandt. Ich versuche, möglichst spät zu drillen, was nicht ganz einfach ist bei unserem Boden. Am liebsten erst am 5. Oktober, so bekomme ich den Ackerfuchsschwanz im Getreide am besten in den Griff." Weiterlesen...
 

Angelika Sontheimer
Freie Agrarjournalistin

 

 
 

Wie beurteilen Sie die Herbizidresistenz-Situation im Getreide?


Sachsen - In vielen Regionen Deutschlands gibt es herbizidresistente Populationen der Leitunkräuter Ackerfuchsschwanz und Windhalm. Welche Maßnahmen zu einem funktionierenden Anti-Resistenzmanagement gehören, fragen wir den Berater Frank Irmscher.


"Mein Name ist Frank Irmscher, ich bin Verkaufsberater für die Syngenta Agro GmbH, für Ackerbaukulturen. Mein Verkaufsgebiet umfasst Teile der Regionen Sachsen und südliches Brandenburg. Ich befasse mich schwerpunktmäßig mit der Beratung zum modernen Pflanzenschutz im Ackerbau.

Herbizidlösungen sind oft nur auf eine Wirkstoffgruppe ausgerichtet

Die Resistenz-Gefährdung bei der täglichen Beratungsarbeit zu beachten, ist gängige Praxis aber auch ständige Herausforderung. Den gut ausgebildeten Landwirten und Beratern ist bewusst, dass eine maximale Vielfalt von Wirkstoffgruppen und Verfahrensweisen die Effizienz der geplanten Maßnahmen langfristig absichert. Dennoch stehen wir täglich im Spannungsfeld zwischen kurzfristig zu erzielender Ökonomie und langfristiger Sicherung der Rentabilität. In unseren, vom Markt geforderten, Getreide betonten Fruchtfolgen dominieren Herbizidlösungen, die aus nur einer Wirkstoffgruppe stammen. Die bekannten notwendigen Begleitmaßnahmen wie Wechsel von Pflug und pfluglos, Wechsel von Winterungen und Sommerungen, Artenvielfalt in der Fruchtfolge, sind oft nur sehr eingeschränkt umsetzbar.
 
Die aktuelle Resistenz-Gefährdung bei den Ungräsern ist sehr schwer einzuschätzen, da unter Feldbedingungen oft nicht unterschieden werden kann, ob eine Minderwirkung auf Resistenz und/oder produktionstechnischer Fehler zurückzuführen ist. Hierzu zählen vor allem die Anwendung unter ungünstigen Bedingungen, schlechte Benetzung der Zielpflanzen aufgrund falscher Wahl von Wasseraufwandmenge, Düsen und Fahrgeschwindigkeit oder ein zu schwacher Kulturpflanzenbestand, bei dem Schadgräser erst nach der Behandlung auflaufen können. Davon unabhängig ist aber ein Trend zu häufigerer Nachbehandlungen gezielt gegen Ungräser in meinem Gebiet auszumachen.

Auf langfristige Rentabilität setzen

Nicht nur die Landwirte, sondern auch Beratung und Forschung sind mit dem Phänomen „Resistenz“ konfrontiert und müssen ihren Teil zur Lösung des Problems beitragen. Die landwirtschaftliche Praxis sollte auf die rechtzeitige Bekämpfung möglichst kleiner Ungräser und Unkräuter mit Hilfe optimaler Spritz- und Düsentechnik achten. Nachbehandlungen sollten nur mit vollen Aufwandmengen und nur im Ausnahmefall erfolgen. Außerdem muss in der Fruchtfolge ein konsequenter Wirkstoffwechsel erfolgen.
 
Hierbei muss die Beratung die notwendigen Produktentscheidungen durch geeignete Kommunikationsmaßnahmen erleichtern. Es geht auch darum, nicht immer das vermeintlich attraktivste weil billigste Angebot zu favorisieren, sondern auf die langfristige Rentabilität der Maßnahmen zu setzen. Ich werde auf jeden Fall die zunehmende Resistenz Gefährdung bei der Empfehlung meiner täglichen Beratungsarbeit berücksichtigen. An die Wissenschaft geht die Forderung, das Wissen zur Resistenzdynamik zu vertiefen und zu hinterfragen, um neben den bekannten “Basics“ neue Erkenntnisse zu gewinnen."

 

Frank Irmscher
Verkaufsberater für Syngenta Agro GmbH
04657 Narsdorf/Sachsen

 
 
 

Wie beurteilen Sie die Herbizid-Resistenzsituation im Getreide?


Sachsen-Anhalt - In vielen Regionen Deutschlands gibt es herbizidresistente Populationen der Leitunkräuter Ackerfuchsschwanz und Windhalm. Welche Maßnahmen zu einem funktionierenden Anti-Resistenzmanagement gehören, fragen wir die Beraterin Kathleen Brehmer.


"Mein Name ist Kathleen Brehmer, ich bin in der Produktionsberatung von Landwirtschaftsbetrieben in Schleswig-Holstein, Mecklenburg-Vorpommern, Brandenburg und in Polen tätig und bin verantwortlich für die Herbizidversuche der N.U. Agrar GmbH.

Herbizidresistenz ist in der Praxis angekommen

In einigen Regionen in Deutschland reagieren Ungräser und inzwischen auch dikotyle Unkräuter wie Kamillen oder Melden nicht mehr auf Herbizide. Wenn Anwendungsfehler beim Spritzen der Herbizide ausgeschlossen werden können, liegt der Verdacht nahe, dass die herbiziden Wirkstoffe im Boden durch darauf spezialisierte Mikroorganismen, zum Beispiel beim IPU oder durch die Unkräuter selbst zu schnell inaktiviert oder abgebaut werden.
 
Die Herausbildung von Herbizidresistenzen in Pflanzen ist ein natürlicher Prozess, sonst könnte man auch keine Herbizide in Kulturpflanzen einsetzen. Die Pflanze kann auf diese Weise Schadstoffe unwirksam machen. Unkrautarten mit einer hohen Samenzahl und/oder mehreren Generationen pro Jahr sowie einer hohen genetischen Vielfalt haben ein hohes Resistenzpotenzial (z.B. Ackerfuchsschwanz und Windhalm).
 
In der EU ist eine Fläche von 10 bis 15 Mio. Hektar durch Ackerfuchsschwanz-Resistenz und von 5 bis 10 Mio. Hektar durch Windhalm-Resistenz betroffen. Resistenzen der Echten Kamille gegen Isoproturon und Sulfonylharnstoffen, des Stiefmütterchens gegen Sulfonylharnstoffe oder von Melden gegen das Metamitron treten inzwischen auf einigen Tausend Hektar auf. Resistenzbildung gegen Herbizide ist inzwischen nicht mehr allein ein akademisches Thema sondern in der Praxis angekommen. Ackerflächen mit einem Ackerfuchsschwanzbesatz von 1000 bis über 2000 Rispen pro Quadratmeter sind keine Seltenheit. Daraus resultieren Ertragsverluste von 20 bis über 50 Prozent.
 
Die Resistenzbildung ist häufig gekoppelt an einseitige Anbausysteme. Deshalb muss das Resistenzproblem vor allem auch mit ackerbaulichen Maßnahmen und insbesondere in der Fruchtfolge in Angriff genommen werden, um Risiken zu verhindern und die Wirkungen von herbiziden Wirkstoffen zu erhalten. Die Wirkstoffauswahl ist begrenzt, neue Wirkstoffgruppen mit anderer Wirkungsweise sind nicht in Sicht. Die zur Verfügung stehenden Wirkstoffe müssen gezielt und möglichst effektiv eingesetzt werden, das hat nicht nur etwas mit den Aufwandmengen zu tun sondern vor allem auch mit der Optimierung der Anwendungstechnik.
 
Es hilft nichts, wenn nur viel gespritzt wird und der größte Teil der Spritzbrühe danebengeht. Der Wirkungsgrad ist entscheidend. Bislang traten Ackerfuchsschwanzresistenzen zuerst auf Standorten auf, die vor Jahrzehnten noch Grünland waren. Durch Lohn-Mähdrescher und Strohverkauf wird das Samenpotential verbreitet bzw. durch den Zukauf organischer Dünger eingeschleppt. Aufgrund der hohen Nachfrage nach Ackerflächen wirkte sich der Besatz mit resistentem Ackerfuchsschwanz bislang noch nicht auf den Wert der Ackerflächen und auf die Pachthöhe aus. Jedoch kann sich das bald ändern.

Wendende Bodenbearbeitung, Anbau von Sommerfrüchten, Wechsel der Wirkstoffe

Alle Möglichkeiten des Ackerbaus und der Fruchtfolge müssen genutzt werden, um Resistenzen vorzubeugen und zu reduzieren. Es kann nicht nur auf Herbizide gesetzt werden. Sind Resistenzen nachgewiesen, so sind ackerbauliche Maßnahmen unumgänglich. Die intensive, wendende Bodenbearbeitung ist eine Möglichkeit, um das Samenpotenzial zu reduzieren. 97 Prozent der Ackerfuchsschwanzsamen keimen aus den oberen drei Zentimetern des Bodens.
 
Die Bekämpfung aufgelaufener Ungräser mit Totalherbiziden vor der Aussaat ist dringend angeraten. Erlaubt es der Witterungsverlauf, sollte die Aussaat nicht zu früh erfolgen. Eine frühe Herbstmaßnahme mit z.B. bodenwirksamen Herbiziden (Resistenz-Gruppe: K1, K3, N, z.B. Flufenacet, Prosulfocarb) nimmt den ersten Ungrasdruck raus, zudem reagieren die damit behandelten Ungräser empfindlicher auf den Herbizideinsatz im Frühjahr. Dieser ist bei einem starken Ungrasbesatz unumgänglich. Dafür eignen sich vorwiegend blattaktive Wirkstoffe aus der Gruppe der ALS- und ACC-ase Hemmer. Letztere aber nur, wenn sie noch voll wirken.
 
Von großer Bedeutung ist der Wechsel von Wirkstoffgruppen in der Fruchtfolge. Der Einsatz von Propyzamid (Kerb flo) im Raps ist auf Ackerfuchsschwanzstandorten unabdingbar. Ein großer Vorteil zur Eindämmung des Ackerfuchsschwanzes ist der Anbau von Sommerfrüchten. Ein weites Problem stellt die Verschleppung von resistenten Ackerfuchsschwanz- und Windhalmsamen. Die Reinigung von Bearbeitungsgeräten und Mähdreschern ist zeitaufwendig, lohnt es sich aber in jedem Fall. Ein großes Problem ist die mangelnde Feldrandhygiene, wenn in den Schlagecken rundgefahren wird und dann die Ungrasherde im Acker mit dem Mähdrescher verbreitet werden.
 
„Wenn das Kind in den Brunnen gefallen ist.“ Diese Redensart spiegelt die gravierende Resistenzproblematik gut wieder. Bereits vorhandene Resistenzen sind nur mit großem Aufwand, unter Umständen gar nicht wegzubekommen. Die Industrie tut sich hart, Wirkstoffe mit neuen Wirkmechanismen zu entwickeln, auch weil sie in der Vergangenheit zu sehr auf Lösungen mithilfe der Gentechnik gesetzt hat. Die landwirtschaftliche Beratung muss die Landwirte von der Notwendigkeit der Bekämpfung von Problemunkräutern in der Fruchtfolge und von geeigneten ackerbaulichen Maßnahmen überzeugen, die der Landwirt auch konsequent umsetzen muss.
 
Im Extremfall muss der Getreideanbau vier bis fünf Jahre ausgesetzt werden. Früher bekamen die Bauern Ungräser auch ohne Herbizide in den Griff. Das war möglich durch den mehrjährigen Anbau von Feldfutter. Wenn Unkräuter auf Herbizide nicht mehr reagieren, ist es Unsinn, sich über ein paar Euro Kosteneinsparung Gedanken zu machen, da die gesamte Produktion auf dem Spiel steht.

Kathleen Brehmer
Produktionsberaterin für N.U. Agrar GmbH in Nord-Ost-Deutschland und Polen
06449 Schackenthal/Sachsen-Anhalt

 
 

Wie beurteilen Sie die Herbizid-Resistenzsituation im Getreide)


Schleswig-Holstein - In vielen Regionen Deutschlands gibt es herbizidresistente Populationen der Leitunkräuter Ackerfuchsschwanz und Windhalm. Welche Maßnahmen zu einem funktionierenden Anti-Resistenzmanagement gehören, fragen wir den Landwirt Carsten Dose.


"Mein Name ist Carsten Dose, mein Betrieb liegt in Neuendorf bei Elmshorn im Landkreis Steinburg. Ich bewirtschafte 83 Hektar Ackerbau mit Gerste, Weizen, Raps und Ackerbohnen für unsere Mastschweine.

Von Pfluglos wieder auf Pflug umgestellt

Wir haben schon sehr früh mit der pfluglosen Bodenbearbeitung angefangen, mein Vater stellte 1970 um. Aber das geht heute nicht mehr, die Resistenzprobleme wurden immer größer. So wirkt zum Beispiel bei der Kamille heute Pointer nicht mehr, aber da haben wir noch Alternativen, während wir beim Ackerfuchsschwanz keine Alternative mehr haben. Wenn man sich vor Augen hält, dass wir bei 3000 Ährentragenden Halmen pro Quadratmeter 20 Dezitonnen Ertragsverlust haben, dann rechnet sich der Pflug allemal wieder.
 
Wir haben hier in der Elbmarsch schwere Böden mit einem Tongehalt bis 30 Prozent, da werden Bodenherbizide schnell absorbiert. Durch die Pfluglose Bearbeitung ist der Humusgehalt in den obersten Bodenschichten sehr hoch und die Bakterien bauen die Herbizide schnell wieder ab. Aber auch im Nachauflauf, bei den über das Blatt wirkenden Kontaktherbiziden wie Atlantis sind schon Resistenzprobleme bekannt. Die einzige Chance ist, den Ackerfuchsschwanz im Raps mit Kerb zu bekämpfen.
 
Tief lockern mit dem Grubber und mit 15 Zentimetern flach pflügen ist heute meine Devise. Der Boden muss zwar schwarz sein, ich möchte aber nicht die ganze Bodenbiologie durcheinander bringen. Wenn es trocken ist, werden die aufgelaufenen Gräser mechanisch mit der Egge bekämpft. Wenn dies nicht möglich ist, wird vor der Saat ein Totalherbizid angewandt. Ich versuche, möglichst spät zu drillen, was nicht ganz einfach ist bei unserem Boden. Am liebsten erst am 5. Oktober, so bekomme ich den Ackerfuchsschwanz im Getreide am besten in den Griff.

Hacken in der Gerste

Festgestellt wurden die Resistenzen bei meinem Betrieb durch das Pflanzenschutzamt Kiel und die Industrieberater, die Saatproben genommen und getestet haben. Die Resistenzbildung ist ein massives Problem, das alle betrifft. Da müssen wir alle, Industrie, Beratung und Landwirtschaft, zusammenarbeiten, um es in den Griff zu bekommen. Neue Wirkstoffe sind nicht in Kürze zu erwarten, so dass uns gar nichts anderes übrig bleibt als unsere Bewirtschaftungsmethoden auch unter diesem Aspekt zu überdenken.
 
Ich bin inzwischen versuchsmäßig dazu übergegangen, das Getreide zu hacken. Ich drille die Gerste in einem weiteren Reihenabstand, spritze beim Drillen auf den Drillreihen Herold und Boxer und hacke später zwischen den Reihen."
 
Carsten Dose
Ackerbauer in Schleswig-Holstein
25335 Neuendorf/Schleswig-Holstein
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