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Aus der Wirtschaft

Nachgefragt: Das ukrainische Getreidejahr 2013

von , am
28.01.2013

Die Ukraine zählt weltweit zu den Top-Getreideexporteuren. Wir haben mit dem stellvertretenden Landwirtschaftsminister Sen Aleksandr Vasilievich über Anbau-, Ernte- und Exportperspektiven gesprochen.

 
Die Ukraine ist global einer der wichtigsten Getreideexporteure. Doch 2012 war für das Schwarzmeerland ein schwieriges Getreidejahr. Die Ernte viel im Vergleich zum Vorjahr um rund 30 Prozent kleiner aus, Lagerbestände wurden stark abgebaut. Ende Dezember 2012 war die zwischen Regierung und Getreidehändlern vereinbarte Exportobergrenze erreicht.
 
Wir haben uns am Rande der Grünen Woche mit dem stellvertretenden ukrainischen Landwirtschaftsminister, Sen Aleksandr Vasilievich, unterhalten.

Exportkontingent: Entscheidung fällt im April/Mai

Die Frage, die sich viele Marktanalysten momentan stellen ist, ob das Exportkontingent noch einmal aufgestockt wird. Im Interview mit agrarheute.com wollte sich Sen Aleksandr Vasilievich noch nicht festlegen: "Die Entscheidung über eine Aufstockung des Exportkontingents hängt stark vom Zustand der Wintersaaten nach dem Frühjahr ab." Mit einer Entscheidung rechnet er dementsprechend erst im April oder Anfang Mai.

Auswinterungsschäden kleiner als befürchtet

Starker Frost hat den Wintersaaten in der Ukraine in den vergangenen Wochen zu schaffen gemacht. Dennoch rechnet die ukrainische Regierung insgesamt nicht mit starken Auswinterungsschäden, wie Vasilievich berichtet: "Im Augenblick schätzen wir die Situation bei Winterweizen als gut bis befriedigend ein. Kleine Probleme gab es in den südlichen Regionen, aber die Niederschläge im Dezember haben die Lage verbessert. 90 Prozent der Wintersaaten sind gut eingewachsen und wir sehen heute keine Gefahr für die Ernte. Ich will aber noch einmal betonen, dass man über die zukünftigen Ernten mit Sicherheit erst nach der Wiedereintritt der Vegetation im März sprechen kann."

Maisanbaufläche wächst

Aktuellen Schätzungen zufolge wollen Landwirte in der Ukraine dieses Jahr auf 4,34 Millionen Hektar Mais anbauen. Das entspricht der Anbaufläche von 2012. Das bestätigt auch der stellvertretende Landwirtschaftsminister: "Nach unserer Schätzung wird in diesem Jahr auf etwa 4,3 bis 4,4 Millionen Hektar Land Mais angebaut. Dazu könnten noch von Wintersaaten freiwerdende Flächen kommen. Nach der Optimierung der Sonnenblumenanbauflächen könnten noch paar Hektar dazukommen."
 
Längerfristig betrachtet wird der Maisanbau jedoch ausgeweitet. Gegenüber 2011 stieg die Anbaufläche um knapp eine Million, gegenüber 2010 sogar um 1,8 Millionen Hektar. "Ich kann mit ziemlicher Sicherheit sagen, dass die Maisanbaufläche in den kommenden Jahren auf fünf Millionen Hektar ausgeweitet wird", prognostiziert Vasilievich.
 
Dass immer mehr Landwirte in der Ukraine auf Mais setzen führt er auf die guten Erträge und stabilen Preise zurück. Im vergangenen Jahr sei er zudem auf vielen Flächen angebaut worden, die wegen Auswinterungsschäden umgebrochen werden mussten.

Vasilievich: Maisexport in Höhe von 15 Millionen Tonnen

Für die Europäische Union ist das ukrainische Exportpotential nicht unerheblich nachdem es dieses Jahr eine große Versorgungslücke gab. Sen Aleksandr Vasilievich rechnet damit, dass das Exportkontigent bei Mais stabil bleibt. "Der Maisexport wird sich dieses Jahr - wie auch in den letzten Jahren - auf etwa 15 Millionen Tonnen belaufen."
 
Wieviel davon EU-Ländern zur Verfügung steht, könne er jetzt noch nicht sagen. "Das hängt sehr stark von der Nachfrage sowie von der Zusammenarbeit der europäischen und ukrainischen Händler ab."

Investoren den Zugang zum ukrainischen Markt erleichtern

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