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Insektizide

Neonicotinoide: Klöckner will Biscaya verbieten

Kohlschotenrüssler an einer Rapsblüte
am
21.05.2019
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Die EU prüft gerade Thiacloprid. Ministerin Klöckner will den Wirkstoff verbieten und auch keine Notfallzulassungen mehr erlauben.

Die Neonicotinoide sind seit einigen Jahren auf dem Prüfstand. Jetzt könnte ein weiterer Wirkstoff aus dieser Gruppe wegfallen. Bundeslandwirtschaftsministerin Julia Klöckner will sich dafür einsetzen.

Klöckner will auf europäischer Ebene keine Wiedergenehmigung des insektiziden Wirkstoffs Thiacloprid. Gestern tagte dazu in Brüssel der Ständige Ausschuss für Pflanzen, Tiere, Lebensmittel und Futtermittel (Scopaff).

„Der Wirkstoff Thiacloprid gilt nach neuesten wissenschaftlichen und technischen Erkenntnissen als gesundheitlich bedenklich und schädlich für den Naturhaushalt, unter anderem auch für Bestäuber. Risikobewertungen der zuständigen Behörden verdeutlichen das“, sagte die Ministerin. „Solche Wirkstoffe müssen vom Markt.“

Biscaya könnte verschwinden

Der Wirkstoff Thiacloprid ist in den Insektiziden Biscaya und Calypso enthalten und darf in Kartoffeln, Getreide, Raps und diversen Gemüsearten angewendet werden. Die deutschen Mittelzulassungen laufen theoretisch noch bis April 2020 (Calypso) beziehungsweise April 2021 (Biscaya).

Derzeit läuft auf EU-Ebene aber die Neubewertung des Wirkstoffs Thiacloprid. Sollte diese negativ ausfallen, könnten auch die deutschen Mittel noch vor der oben genannten Frist vom Markt verschwinden.

Der Wirkstoff gilt als wichtiger Baustein im Resistenzmanagement, beispielsweise bei pyrethroidresistenten Schädlingen im Rapsanbau, wie dem Kohlschotenrüssler und dem Rapsglanzkäfer.

Frankreich mit Totalverbot, andere Länder mit Notfallzulassungen

EU-weit sind drei weitere neonicotinoide Wirkstoffe bereits seit letztem Jahr im Freiland verboten: Clothianidin, Imidacloprid und Thiamethoxam.

Frankreich ist bereits einen Schritt weitergegangen und hat über ein Biodiversitätsgesetz zwei weitere Neonicotinoide verboten: Acetamiprid und das nun auch in Deutschland diskutierte Thiacloprid.

In anderen EU-Ländern konnten Rübenanbauer in diesem Jahr per Notfallzulassungen ihr Saatgut mit Neonicotinoiden beizen. Darunter waren Belgien, Polen und Ungarn. Ministerin Klöckner betonte jetzt, dass es in Deutschland keine Notfallzulassungen bei der Rübenbeizung dieser Wirkstoffe geben werde.

Biscaya war zeitweilig in der Blüte verboten

Biscaya mit dem Wirkstoff Thiacloprid war in Deutschland 2016 zeitweise in der Blüte nicht mehr erlaubt.

Diese Auflage hat das Bundesamt für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit (BVL) aber nach einigen Monaten wieder aufgehoben. Grund für das Hin und Her waren Anpassungen des erlaubten Rückstandshöchstgehalts von Thiacloprid in Honig, der vorübergehend gesenkt wurde.

Mit Material von BVL, BMEL

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