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Pflanzenschutz

Neonikotinoid-Verbot produziert nur Verlierer

Catrin Hahn, agrarmanager
am
16.01.2017

Das Verbot der insektiziden Beizen auf neonikotinoider Basis für Rapssaatgut kostet EU-weit jährlich 900 Mio. Euro. Verlierer ist auch die Umwelt durch höhere Treibhausgas-Emissionen und höheren Wasserverbrauch.

Studienpräsentation

Eine im Auftrag der Pflanzenschutzmittelhersteller Bayer und Syngenta angefertigte Studie untersuchte die wirtschaftlichen und ökologischen Auswirkungen des Verbots. Die Ergebnisse der Studie wurden vergangene Woche von der Forschungsgesellschaft HFFA Research GmbH, in Berlin vorgestellt.

Neonikotinioid-Verbot wird teuer für Rapsanbauer

Dr. Steffen Noleppa, Hauptautor der Untersuchung, beschrieb die Grundlagen – eine Metastudie, in der zahlreiche Einzelstudien zusammengefasst und ausgewertet werden, sowie mehrere Experteninterviews – und erläuterte dann die Ergebnisse. Nach seinen Worten würden den europäischen Rapsproduzenten und -verarbeitern durch das Anwendungsverbot für die drei Wirkstoffe jährlich Verluste in Höhe von fast 900 Mio. Euro entstehen. Darin enthalten sei ein Rückgang der Erntemenge um vier Prozent, was einem Ertragsverlust von 912.000 Tonnen entspricht. Weiterhin ein Qualitätsverlust bei durchschnittlich 6,3 Prozent der Ernte und durchschnittlich 0,73 zusätzliche Blattanwendungen mit Pflanzenschutzmitteln.

Diese Auswirkungen entsprächen einem Umsatzverlust von 350 Mio. Euro. Hinzu kommen über 50 Mio. Euro Verluste aufgrund der geringeren Qualität, knapp 120 Mio. Euro höhere Produktionskosten und Verluste von mehr als 360 Mio. Euro in vor- und nachgelagerten Bereichen.

Negative ökologische Folgen durch das Neonikotinoid-Verbot

Zudem fanden die Autoren beträchtliche ökologische Folgen des Verbots aus globaler Sicht: So muss der Produktionsrückgang in der EU durch Mehrproduktion in z.B. der Ukraine oder Australien ausgeglichen werden. Das bringe einen zusätzlichen Anbauflächenbedarf von 533.000 ha außerhalb Europas mit sich, den Ausstoß von 80,2 Mio. t Kohlendioxid sowie einen zusätzlichen Wasserverbrauch von 1,3 Mrd. cbm. Die Umwandlung von Grasland und artenreichen Lebensräumen in Ackerflächen hat außerdem einen Verlust an biologischer Vielfalt zur Folge.

So kommt Steffen Noleppa wie auch der zweite Referent, der Präsident des Bauernverbandes Sachsen-Anhalt Olaf Feuerborn, zu dem Schluss: "Beizen ist der Königsweg. Alles andere sind weniger gute Lösungen". Und: "Der Verzicht auf Neonikotinoide produziert nur Verlierer."

Auch den Bienen würde dem Vernehmen nach durch das Verbot nicht geholfen, von Imkern werde keine signifikante Verbesserung der Völker in den vergangenen drei Jahren gemeldet, ergänzte Andreas Baer, Leiter der Produktionsabteilung bei der Norddeutschen Pflanzenzucht (NPZ).

Dr. Helmut Schramm, Präsident des Industrieverbandes Agrar (IVA), fügte hinzu: "Wir hatten die Hoffnung, dass nach zwei Jahren eine Neubewertung stattfindet. Nun sind fast vier Jahre vergangen; die EFSA hat gerade ihre Entscheidung auf September 2017 vertagt. Die Situation ist sehr unbefriedigend und nicht akzeptabel."

Die Studie kann auf den Internetseiten der Ufop und des IVA heruntergeladen werden.

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