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Neonikotinoide: Verbot kostet Landwirt 150 Euro je Hektar

von , am
25.09.2015

Die zweite Saat ohne insektiziden Beizschutz ist im Boden. Grund genug, um eine erste Bilanz zuziehen. Was brachte das Verbot der Neonikotinoide? Zusätzlicher Pflanzenschutz schlägt beim Landwirt negativ zu Buche.

Rapskoerner Hand
Der Raps verlor 2,75 Euro auf 376,75 Euro je Tonne. © Catrin Hahn
Im Jahr 2013 hat die Europäische Kommission das Anwednungsverbot für drei Insektizide  in der Saatgutbeizung beschlossen. Die Honigbiene und andere Bestäuber sollten durch das Neonikotinoidverbot geschützt werden. Bereits damals fürchteten Landwirte um ihre Rapsernte, weil verschiedene Schädlinge nicht mehr bekämpft werden können. In einem gemeinsamen Presseseminar des Industrieverbandes Agrar und der Union zur Förderung von Öel- und Proteinpflanzen wurde eine erste Bilanz gezogen. Was brachte das Verbot für die Praxis?

Das sagt der Landwirt

"Das Aussetzen der Zulassung der neonikotinoiden Beize im Raps hat zu einem erheblich höheren Einsatz von Insektiziden, die mit der Pflanzenschutzspritze ausgebracht werden, geführt. Für die Umwelt ist das aus fachlich landwirtschaftlicher Sicht kein Vorteil. Ein gezielt wirkendes Pflanzenschutzmittel in Form der Beize wurde gegen mehrere weniger differenzierende Pflanzenschutz-Maßnahmen ausgetauscht. Darüber hinaus zahlen die Landwirte durch Ertragseinbußen von bis zu 150 Euro je Hektar einen hohen Preis für diese für die Umwelt fragwürdige Entscheidung", stellt Landwirt Daniel Bohl, Stv. Vorstandsvorsitzender der Wariner Pflanzenbau eG, fest.

Das sagt der Imker

"Die bereits in Deutschland erfolgte Einschränkung der Nutzung von Clothianidin, Imidacloprid und Thiamethoxam (keine Zulassung als Saatgutbeize bei Mais sowie Getreide) gibt einen deutlich höheren Bienenschutz als in anderen Ländern. Ein grundsätzliches Verbot der hier diskutierten Wirkstoffe und Anwendungen würde den Schutz der Honigbienen sowie anderer Bestäuber-Insekten erhöhen. Hier muss beurteilt werden, wie notwendig diese Wirkstoffe und deren Applikationsformen für den Pflanzenschutz sind. Unverzichtbarkeit von Wirkstoffen und Applikationsformen für die Landwirtschaft und Erhöhung des Bienenschutzes sind gegeneinander abzuwägen. Hierbei muss berücksichtigt werden, ob der Verzicht auf die Beize gegebenenfalls zu mehr Spritzmittelanwendungen führt", erklärte Jürgen Frühling, Vorsitzender des Landesverbands Hannoverscher Imker.

Das sagt die Wirtschaft

"Neonikotinoide zur Saatgutbehandlung von Winterraps tragen wesentlich zu einer nachhaltigen Landwirtschaft bei und können sicher für Mensch, Tier und Umwelt eingesetzt werden. Das belegte erneut eine großflächige Monitoring-Studie in Mecklenburg-Vorpommern. Unter landwirtschaftlichen Praxisbedingungen waren keine schädlichen Einflüsse der Rapsbeize Elado auf die Gesundheit von Honig- und Wildbienen zu erkennen", erklärte Dr. Richard Schmuck von Bayer CropScience.
 
"Die Radiofrequenztechnologie war bei früheren Studienansätzen sehr beliebt, um den möglichen Einfluss von Neonikotinoiden auf das Bienenverhalten zu untersuchen. Leider kranken diese Studien am gleichen Systemfehler: Falsche, nicht praxisbezogene Dosierungen und die im Versuchskonzept verankerte Zwangsernährung der Bienen. Unsere Studie unter natürlichen Bedingungen zeigt zweierlei: Erstens kann die Radiofrequenztechnologie auch genutzt werden, um bei frei fliegenden Honigbienen zu aussagekräftigen Ergebnissen zu kommen. Und zweitens fällt das Ergebnis dabei eindeutig aus: Unter natürlichen Bedingungen können keine Effekte von Neonikotinoiden auf das Bienenverhalten nachgewiesen werden",  stellte Dr. Georg Diriwächter von Syngenta fest.
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