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Aus der Wirtschaft

Neu: Datenbank zu Risiken von GV-Pflanzen

von , am
16.12.2011

München - Testbiotech bietet jetzt eine Datenbank zu Risiken gentechnisch veränderter Pflanzen, die in der EU bereits zugelassen sind oder kurz vor der Zulassung stehen.

Der Nachbauratgeber enthält wieder wichtige und umfassende Informationen für den Umgang mit Saat- und Pflanzgut. © Mühlhausen/landpixel
Die Datenbank PlantGeneRisk liefert derzeit Informationen über 13 gentechnisch veränderte Pflanzen: vier Soja- und neun Mais-Pflanzen. Zehn dieser Pflanzen sind bereits für Import zugelassen, eine darf zudem angebaut werden. Die Pflanzen produzieren Insektengifte oder sind tolerant gegenüber Unkrautvernichtungsmitteln, bei vielen werden diese Eigen­schaften auch kombiniert.
 
Bislang gibt es 38 EU-Zulassungen für gentechnisch veränderte Pflanzen für die Verwendung in Lebens- und Futtermitteln. "Die meisten bisher verfügbaren Angaben stammen von der Industrie. Wir leisten mit dieser Datenbank einen Beitrag für eine nötige unabhängige Gegenexpertise", sagt Christoph Then von Testbiotech.

Grundlegende Mängel in der Risikobewertung

Die ausgewerteten Daten machen deutlich, dass es in der Risikobewertung grundlegende Mängel gibt:
  • Die Wechselwirkungen zwischen den "Gen-Pflanzen" und der Umwelt werden nur oberflächlich untersucht. Gentechnisch veränderte Pflanzen reagieren aber aufgrund des Eingriffes in ihr Erbgut oft anders auf Umwelteinflüsse als konventionell gezüchtete Pflanzen. Dadurch kann es zu unerwarteten Veränderungen der Inhaltsstoffe und zu Risiken für die Verbraucher kommen.
  • Die Wirkungsweise der Insektengifte, die in den gentechnisch veränderten Pflanzen synthetisiert werden, ist nicht im Detail bekannt. Dies führt zu einem schwer abschätzbaren Risiko für Mensch und Umwelt. Die EU hat bereits Pflanzen mit insgesamt zehn verschiedenen Giftstoffen zugelassen. Diese können auch in Lebens- und Futtermitteln in jeweils unterschiedlichen Konzentrationen vorhanden sein und miteinander in Wechselwirkung treten. Da es keine ausreichend standardisierten Messverfahren gibt, lässt sich nicht einmal die Konzentration des Insektengiftes in den Pflanzen zuverlässig bestimmen.
  • Die meisten gentechnisch veränderten Pflanzen auf dem europäischen Markt sind tolerant gegenüber Unkrautvernichtungs­mitteln. Trotzdem existieren fast keine Daten über die Belastung mit Rückständen aus Spritzmitteln wie Roundup.
  • Generell sind keine Fütterungsversuche mit den Pflanzen vorgeschrieben, Langzeitunter­suchungen fehlen meist völlig.
  • Wechselwirkungen, die beim gleichzeitigen Anbau und dem Verzehr verschiedener "Gen-Pflanzen" auftreten können, werden nicht untersucht, obwohl die EU dies vorschreibt.
  • Auch die ebenfalls vorgeschriebene Überwachung der gesundheitlichen Risiken von gentechnisch veränderten Pflanzen, die bereits angebaut werden, existiert nicht.

Workshops mit Wissenschaftlern geplant

Die Pilotversion der Datenbank wurde mit Mitteln der Gregor Louisoder Umweltstiftung und der Hermsen Stiftung aufgebaut. Um diese weiterzuentwickeln und zu ergänzen sind für 2012 unter anderem Workshops mit Wissenschaftlern geplant.
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