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Editorial agrarheute-Sortenführer

Neue Beizauflagen: Woher der Wind weht

Bockholt_Karl
am
27.05.2019

Neue Windauflagen für Beizen drohen – und das nicht nur für insektizide, sondern auch für fungizide Wirkstoffe. Ein Kommentar von agrarheute-Pflanzenbauredakteur Karl Bockholt.

Liebe Leserinnen und Leser, das Beizen der Saaten ist der umweltschonendste Weg zum Schutz der Keimlinge. Zunehmende Wetterkapriolen wie Dürre, Starkregen oder Sturm, bedrohen die Ausaat immer häufiger.

Ausgerechnet in Zeiten des Klimawandels aber fallen etliche chemische Beizen zum Schutz der Saaten künftig weg.

Zwar sind viele Sorten mittlerweile stress- oder krankheitstoleranter als früher. Auch drängen biologische Präparate, ausgeklügelte Inkrustierungen fürs Saatgut oder Biostimulanzien auf den Markt.

Doch bei mehr Verboten und weniger Zulassungen drohen Verluste, weil die verbleibenden Wirkstoffe oft nicht mehr reichen. Auch den Beizmitteln bläst schärferer Wind entgegen.

Neue Windauflage für gebeiztes Saatgut

Die Behörden fordern immer neue Auflagen, die den nötigen Schutz der Saaten erschweren.

Jüngstes Beispiel sind die sogenannten Windauflagen. Die fordert das Umweltbundesamt als mögliche Vorschrift fürs federführende Bundesamt für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit.

Danach soll es künftig verboten werden, chemisch gebeiztes Saatgut bei Windgeschwindigkeiten von mehr als 5 m/s zu säen.

Auflage führt in eine Sackgasse

Bei insektiziden Beizen mag das wegen belasteter Stäube noch nachvollziehbar sein.

Das theoretische Risiko aber auf alle anderen Beizmittel zu übertagen, also auch auf die mit fungiziden Wirkstoffen, ist weder mit der EU abgesprochen noch praxistauglich.

Die neue Vorschrift bringt Probleme beim Umsetzen und zeigt, woher der Wind weht: Die Bestimmung führt in windreichen Gebieten – etwa an den Küsten – in eine Sackgasse.

Der agrarheute-Sortenführer 2019/2020 weist Ihnen den Weg zu erfolgreichen Saaten. Sie erhalten ihn mit der Juni-Ausgabe von agrarheute oder können ihn hier bestellen.

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