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Glyphosat-Streit

Neue Daten stellen Glyphosat-Bewertung der WHO infrage

© AG Glyphosat
von , am
19.06.2017

Die Krebsforschungsagentur IARC bewertete Glyphosat als krebserregend. Ergebnisse einer damals unveröffentlichten Studie untergraben dieses Urteil jetzt.

Die Ergebnisse der Glyphosat-Studie, welche die Internationale Agentur für Krebsforschung der WHO (IARC) im März 2015 veröffentlichte, ließ die Debatte über die Wiederzulassung des herbiziden Wirkstoffs in Europa hochkochen. Die Wissenschaftler der IARC kamen - entgegen der Bewertung des von der EU betrauten Bundesinstituts für Risikobewertung – zu dem Ergebnis: Glyphosat sei wahrscheinlich doch krebserregend.

Die Veröffentlichung trug nicht unmaßgeblich dazu bei, dass die Entscheidung über die Glyphosatzulassung immer weiter verzögert wurde.

Forschungsstudie: Kein Zusammenhang zwischen Glyphosat und Krebs

Während eines Gerichtsprozess gegen Monsanto sind nun bisher unveröffentlichte Forschungsergebnisse aufgetaucht, die ein neues Licht auf die IARC-Bewertung des Wirkstoffs werfen. Eine breit angelegte Forschungsarbeit, die keinen Zusammenhang zwischen Glyphosat und Krebs feststellen konnte, wurde in der Metastudie der IARC nicht berücksichtigt, obwohl der Studienleiter Aaron Blair davon wusste.

Pikant ist an der Sache, dass Blair nun unter Eid aussagte, die besagten Daten hätten die Glyphosat-Auswertung der Internationalen Agentur für Krebsforschung verändert. Er sagte zudem, es wäre weniger wahrscheinlich gewesen, dass Glyphosat die Kriterien der Agentur erfüllt hätte, um als „wahrscheinlich krebserregend“ eingestuft zu werden.

Aus 'Platzmangel' nicht veröffentlich

Warum die Studienergebnisse nicht in die IARC-Bewertung eingeflossen sind, sei auf die Vorschrift der Agentur zurückzuführen, dass nur bereits veröffentlichte Forschungsdaten berücksichtig werden dürfen. Blair sagte Reuters gegenüber, dass die Daten, die zwei Jahre bevor die Internationale Agentur für Krebsforschung Glyphosat untersuchte verfügbar waren, nicht rechtzeitig veröffentlicht wurden, weil schon zu viel in der wissenschaftlichen Arbeit untergebracht werden sollte.

Als er gefragt wurde, ob er die Forschungsergebnisse vorsätzlich nicht veröffentlicht hat, um zu verhindern, dass diese von der Internationalen Agentur für Krebsforschung berücksichtigt werden, sagt er: „auf keinen Fall“. Auch das National Cancer Institute gab „Platzmangel“ als Grund dafür an, dass die neuen Daten über Glyphosat nicht veröffentlicht wurden.

Hintergrund zur Forschungsstudie

Die unveröffentlichten Forschungsergebnisse stammen aus der Agricultural Health Study, einer großangelegten Langzeit-Studie über Landarbeiter und ihre Familien, die von Wissenschaftlern des amerikanischen National Cancer Institute geleitet wurde.

Die Agricultural Health Study sei besonders relevant, sagte Scott Partridge, stellvertretender Leiter der Strategieabteilung bei Monsanto, da sie die tatsächliche Exposition von Menschen gegenüber der Chemikalie untersucht habe, während viele der von der Internationalen Agentur für Krebsforschung analysierten wissenschaftlichen Untersuchungen Laborexperimente mit Nagetieren umfassten.

Hintergrund zum Gerichtsprozess

In dem US-Rechtstreit klagen 184 Parteien gegen Monsanto, die sich auf die Bewertung der Internationalen Agentur für Krebsforschung berufen und behaupten, sie wären aufgrund ihres Kontaktes mit RoundUp an Krebs erkrankt. Sie behaupten, Monsanto hat es versäumt, Verbraucher über die Risiken zu informieren.

Mit Material von Reuters
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