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Forst

Neue EU-Strategie soll den Forstsektor fit für die Zukunft machen

von , am
13.08.2013

Brüssel - Die Europäische Kommission sieht die Notwendigkeit, die Forstpolitiken der EU-Mitgliedstaaten besser aufeinander abzustimmen.

Eichen machen nur gut zehn Prozent aller Waldbäume aus. © Ich-und-Du/pixelio.de
Eine neue Strategie soll garantieren, dass der europäische Wald und die Forstwirtschaft den künftigen Herausforderungen in Bereichen wie Nachhaltigkeit und Umweltschutz, Wachstum der Holznachfrage, Logistik und internationale Verflechtungen gewachsen sind. Das geht aus einem noch unveröffentlichten Entwurf hervor, der kurz vor der Brüsseler Sommerpause zwischen den einzelnen Generaldirektionen diskutiert wurde.
 
Leitgedanke ist dabei ein Nachhaltiges Forstmanagement (SFM): Wälder und Waldflächen sollen auf eine Weise und in einer Geschwindigkeit genutzt werden, dass ihre ökologischen, wirtschaftlichen und sozialen Funktionen langfristig erhalten bleiben - und zwar vor Ort, national und weltweit sowie ohne andere Ökosysteme zu schädigen.

Acht Schwerpunkte für die Zukunft

Bis 2020 soll sichergestellt sein, dass alle EU-Wälder nach SFM-Richtlinien bewirtschaftet werden. Bis 2030 steht die nachhaltige Erfüllung langfristiger Sozial-, Wirtschafts- und Umweltziele auf dem Plan. Dazu legt die Kommission acht Schwerpunkte fest. Zunächst sollen Mittel aus der ländlichen Entwicklung eingesetzt werden, um die Umsetzung des SFM voranzutreiben, unter anderem durch Modernisierungsmaßnahmen, Fort- und Weiterbildung für Mitarbeiter sowie mehr Beratung. Auch die Regeln für Staatsbeihilfen sollen auf den Prüfstand gestellt werden, beispielsweise durch Ausnahmeregeln für große forstwirtschaftliche Betriebe.

Kampf gegen den Klimawandel

Daneben soll mit der Strategie der Einsatz von Holz als umweltfreundlichem Rohstoff vorangebracht werden. Besonderes Augenmerk legt die Kommission dabei auf das Kaskadenprinzip, also die mehrfache Verwertung desselben Holzes über Recycling, an dessen Ende die Zuführung in die Bioenergieerzeugung steht.
 
Mit Blick auf den Klimawandel will die Behörde das Potential der Wälder zur Abmilderung negativer Effekte erhöhen. Die Mitgliedstaaten sollen zeigen, wie sie das zu erreichen gedenken. Um Gefahren wie der Zersiedlung der Landschaft oder der Ausbreitung fremder Arten zu begegnen, sind die Regierungen aufgerufen, die einschlägigen EU-Umwelt- und Naturschutzvorschriften bis 2020 vollständig umzusetzen.

Genetische Vielfalt bewahren

Auch die genetische Vielfalt der Bäume soll gestärkt werden. Ein forstliches EU-Informationssystem soll dazu beitragen, die an unterschiedlichen Stellen gesammelten Daten über den europäischen Wald zusammenzuführen, vergleichbar zu machen und so das Wissen zu vermehren. Auch die Forschung soll weiter ausgebaut werden - mit einem besonderen Schwerpunkt auf der Umsetzung relevanter Ergebnisse in die Praxis.

Bürger besser informieren

Als besondere Herausforderung für den Sektor begreift die Kommission die Kommunikation. Die Öffentlichkeit sei sich in der Regel nicht darüber im Klaren, welche Bedeutung das SFM besitze oder auf welch vielfältige Weise der Forstsektor zur "grünen" Wirtschaft beitrage. Hier soll nachgebessert werden - unter anderem mit Informationsmaßnahmen und Eurobarometerumfragen. Schließlich will die Kommission für das SFM-Konzept auch auf internationaler Ebene werben und illegalen Holzeinschlag in Drittstaaten weiter bekämpfen. Entwicklungsländer sollen dafür Unterstützung erhalten. Die Mitteilung dürfte voraussichtlich im September erscheinen, eventuell mit Änderungen.
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