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Fruchtfolgen

Neue Fruchtfolgen: Ackerbaulich Top, wirtschaftlich Flop?

dlg_Wintertagung 2019
am Freitag, 22.02.2019 - 15:08

Diese Frage wurde auf der DLG Wintertagung 2019 in Hannover gestellt. Antworten zur Wahl der richtigen Fruchtart, ihrer Wirtschaftlichkeit und Vermarktung gaben Wissenschaft, Industrie und Praxis.

Die Landwirtschaft kämpft heute an zahlreichen Fronten wie Pflanzenschutzintensität, Resistenzrisiko, Arbeitszeitverteilung, reduzierte Bodenbearbeitung, Extremwetter- und Schadereignisse, Erzeugerpreisvolatilität, organische Düngung, Abhängigkeit gegenüber Eiweißimporten, Biodiversität und gesellschaftliche Akzeptanz. Nach Prof. Dr. Bernhard C. Schäfer von der FH Südwestfalen, Soest, liegt einer der Gründe in der Fruchtfolgegestaltung.

Die Ist-Situation sieht seiner Meinung nach folgendermaßen aus:

  • Wir haben eine geringe Kulturartenvielfalt mit engen getreidelastigen Fruchtfolgen.
  • Auf gut dreiviertel des Ackerlandes wächst Weizen, Mais, Gerste oder Raps.
  • Auf gut 45 Prozent der Ackerfläche steht Wintergetreide.
  • Auf mehr als der Hälfte der Fläche werden Winterungen angebaut.
  • Mit Ausnahme von Mais haben alle Sommerungen in den letzten 25 Jahren an Fläche verloren oder sind bedeutungslos geblieben.

Fruchtfolgeauflockerung durch Raps und Körnermais

Blattfrüchte seien in unseren Fruchtfolgen unterrepräsentiert, so Schäfer. Er guckt dabei vor allem auf den Raps, dessen Anbaufläche und Erträge seit 2016 konstant rückläufig sind. Seiner Meinung nach ließen sich einige der genannten pflanzenbaulichen Probleme mit dem Anbau von Raps lösen. Eine zukünftig größere Bedeutung des Rapses sieht Schäfer vor allem in Regionen, in denen er bisher wenig angebaut wurde, beispielsweise in Niedersachsen oder Nordrhein-Westfalen. Auch Körnermais könne in einigen Regionen zur Fruchtfolgeauflockerung beitragen. Obacht sei allerdings bei den Trocknungskosten geboten. Diese können den Körnermaisanbau schnell unwirtschaftlich machen.

Hafer bietet interessante Perspektiven

Eine weitere Fruchtart mit Potential ist für ihn der Hafer. Zahlreiche Vorzüge, beispielsweise bei der Arbeitszeitverteilung und Vermarktung, seine Wirkung als Gesundungsfrucht sowie seine Anspruchslosigkeit an Standort und Bestandesführung stünden vergleichsweise wenigen Problembereichen gegenüber. Die Nachfrage für die Humanernährung sei hoch und derzeit werde noch viel Ware aus Skandinavien importiert. Aber die Schälmühlen würden zunehmend hohe Qualitäten verlangen. Und der Hafer habe einen sehr hohen Bedarf an Wasser. Dies zeigt er in trockenen Jahren wie 2018 mit deutlichen Ertragsunterschieden zwischen Standorten mit gutem und schlechtem Wasserhaltevermögen des Bodens.

Die Sojabohne auf dem Siegeszug

Auch bei den Körnerleguminosen sei das Potential noch lange nicht ausgeschöpft. Ihren wirtschaftlichen Vorfruchtwert beziffert Schäfer mit im Schnitt 160 Euro/ha. Heimische Körnerleguminosen würden in der Humanernährung immer wichtiger (Eiweiß statt Kohlenhydrate). Er zeigte ein Beispiel des Unternehmens Richter Altstadtbäcker, das seit diesem Jahr Ackerbohnenbrot anbietet. Die Ackerbohne zeige in der Praxis oft deutlich höhere Erträge als der ausgewiesene Durchschnittswert.

Aber vor allem der Sojabohne prophezeit Schäfer einen „Siegeszug“. Er rechnet aufgrund der klimatischen Veränderungen mit neuen Perspektiven für den Sojaanbau in Deutschland.

Auch die Potentiale der zwischen- und innerbetrieblichen Verwertung von Körnerleguminosen, beispielsweise der Erbse, sind nach Ansicht von Schäfer noch lange nicht ausgeschöpft. Mit der Erbse als GVO-freies Schweinefutter lässt sich im Vergleich zum Rapsextraktionsschrot der Phosphorgehalt senken.

Praxischeck Vermarktung

Den Praxischeck lieferte Landwirt Benedikt Sprenker aus Beckum, Nordrhein-Westfalen. Zu seinem Betrieb gehören 220 Hektar Ackerfläche und 3.800 Schweinemastplätze.

Seit 2002/2003 baut er die Ackerbohne und seit 10 Jahren die Sojabohne an. Er fährt fünfgliedrige Fruchtfolgen. Auf schweren Böden besteht die Fruchtfolge aus Wintergerste, Winterraps, Winterweizen, Triticale und Ackerbohnen beziehungsweise Sojabohnen. Auf milderen Böden setzt sie sich aus Wintergerste, Mais, Winterweizen, Triticale und Soja zusammen.

Er berichtete wie er beide Leguminosen erfolgreich vermarktet und was es dafür alles braucht. So wird die Ackerbohne innerbetrieblich für die Schweinemast verwertet und die Sojabohne wird bei der Raiffeisen Warendorf in einer Toastanlage aufbereitet.

Netzwerke und Förderprogramme sind wichtig

Neben gescheiten Verwertungs- und Vermarktungswegen ist seiner Ansicht nach vor allem der Aufbau von Know-how und das Netzwerken wichtig. So war sein Betrieb fünf Jahre lang Leuchtturmbetrieb im Sojanetzwerk. Auch Förderprogramme wie das nordrhein-westfälische Programm „Vielfältige Kulturen im Ackerbau“ seien wichtig. Er bekommt 125 Euro pro Hektar auf die Gesamtfläche seines Betriebes, wenn er mindestens zehn Prozent Leguminosen anbaut. Dafür muss der Getreideanteil auf zwei Drittel der Anbaufläche beschränkt werden; ein Drittel darf Blattfrucht sein.

Wie wirtschaftlich sind neue Fruchtfolgen?

Deutschlandweit werden die Fruchtfolgen vielfältiger. Dabei wird die Konkurrenz für dreifeldrige Raps-Getreide-Fruchtfolgen auf vielen Standorten stärker. Auf den Hochertragsstandorten hat der Raps Konkurrenz durch die Leguminosen und den Silomais bekommen.
Vor diesem Hintergrund stellte Prof. 
Dr. Reimer Mohr von der Hanse Agro Unternehmensberatung die Frage der Wirtschaftlichkeit alternativer Fruchtfolgen und berichtete aus einer von der UFOP geförderten Studie. Hier wurde die Wirtschaftlichkeit ausgewählter Fruchtfolgen mit und ohne Raps auf Basis einer Vollkostenkalkulation für verschiedene, ackerbaulich in sich ähnliche Regionen in Deutschland geprüft. In den Kalkulationen wurden neben dem Ertrag insbesondere Düngung, Pflanzenschutz und die Bodenbearbeitung an die jeweilige Rotation angepasst.

Auf der DLG Wintertagung präsentierte er die Ergebnisse.

Mit Material von dlg