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Neue Sorten sollen Klimawandel meistern

von , am
10.05.2011

Berlin - Um die Welternährung auch 2050 noch sicherzustellen braucht es eine "Grüne Revolution" in der Pflanzenzüchtung. Das war das Fazit des DBV-Pflanzenzüchtungstages.

Hat ein Patent negative Auswirkungen auf die Landwirtschaft? Mit dieser Frage beschäftigen sich künftig BLE und Bundessortenamt. © landpixel
"Wir brauchen eine zweite 'Grüne Revolution' in der Landwirtschaft. Düngung, Bodenbearbeitung und Pflanzenschutz sind so gut wie ausgereizt, große Sprünge nicht mehr zu erwarten. Deshalb liegt die Verantwortung für die zweite 'Grüne Revolution' bei der Pflanzenzüchtung", erklärte Werner Schwarz, Vorsitzender des DBV-Fachausschusses für Saatgutfragen und Präsident des Bauernverbandes Schleswig-Holstein.

Sorten auf Klimawandel einstellen

Bis 2050 seien die Erträge bei Weizen und Reis mindestens zu verdoppeln, sonst könne die Ernährung von prognostizierten neun Milliarden Menschen nicht gelingen. Daneben stelle der Klimawandel eine große Herausforderung dar.
 
Schwarz betonte, dass dringend Sorten gebraucht würden, die besser mit Trockenstress umgehen könnten und resistenter gegen Schadpilze sowie tierische Schädlinge seien. Auch der Energiehunger der Welt müsse künftig gestillt werden.
 
Durch die Atomkatastrophe in Japan werde der Ausbau der Erneuer­baren Energien einen Schub erhalten. Um dabei mitzuhalten, sei ein Quantensprung in der Maiszüchtung notwendig. Der Trockenmasseertrag müsse in den nächsten zehn Jahren von 15 auf mindestens 25 Tonnen pro Hektar steigen. Schwarz wies aber darauf hin, dass Mais nicht die Energiepflanze der Wahl bleiben dürfe. Die Züchtung müsse dringend an Alternativen arbeiten, damit die Fruchtfolgen wieder vielfältiger werden.

Einheimische Leguminosen stärker fördern

Zur Erweiterung der Fruchtfolgen und zur Absicherung der Eiweißlücke in der tierischen Veredlung forderte Schwarz, den Anbau einheimischer Leguminosen wieder zu beleben. All dies sei ohne eine massive Investition in die Forschung nicht zu erreichen. Deshalb müsse sich die Politik mit konkreten Fördermaßnahmen in den Bereich der Züchtung einbringen.
 
Unter Moderation von Prof. Bernhard Carl Schäfer von der Fachhochschule Südwestfalen wurden die Themen von den anwesenden rund 50 Teilnehmern rege diskutiert. Wie dringend die Förderung von Eiweißpflanzen notwendig ist, wurde im Vortrag von Dr. Olaf Sass, Norddeutsche Pflanzenzucht (NPZ) deutlich. Krankheitsdruck, fehlende Herbizid­e und mangelnde Vermarktungsmöglichkeiten stellen Züchter, Landwirte und Handel vor Probleme.
 
Wie die Weizenzüchtung konstruktiv auf den Klimawandel reagieren kann, stellte Prof. Gerhard Wenzel von der Technischen Universität München in seinem Vortrag dar. Eine frühere Blüte und eine verbesserte Wasseraufnahme von Weizen können einen Beitrag zur Absicherung der Erträge unter Stressbedingungen leisten.

Erfolgsfaktor Saatgutqualität

Im zweiten Veranstaltungsteil stellten der Landwirt Heinrich Kemper und Thomas Blumtritt von der KWS LOCHOW GmbH die Saatgutqualität in den Mittelpunkt. Es wurde deutlich, dass der größte Zuchtfortschritt bei den Pflanzensorten wenig zielführend ist, wenn die Qualität des Saatgutes nicht stimmt.  
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