Login
Allgemeines

Neue Studie: Neonicotinoide schaden Vögeln

© landpixel
von , am
31.07.2014

Neonicotinoide sind offenbar durch die Komplexität der Zusammenhänge in der Nahrungskette schädlicher, wie bisher angenommen. Sie scheinen einen indirekten Effekt auf das Ökosystem zu haben.

Der IGC setzte seine Erwartungen an die globale Mais- und Weizenernte bei seiner Schätzung Ende September nochmals nach oben. Unter den Rekordernten leiden jedoch die Preise. © hapo/landpixel
Neonicotinoide, namentlich das häufig verwendete Imidacloprid, haben offenbar doch mehr negative Auswirkungen als bisher vermutet. Wie auf Pflanzenforschung.de berichtet wird, stellen Forscher in den Niederlanden einen indirekten Effekt zwischen der Pestizid-Konzentration in der Umwelt und abnehmenden Vogelzahlen fest. Die Forscher fordern nun eine Neubewertung in der Verwendung von Neonicotinoiden in der Landwirtschaft. Die Studie ist im Juli im Magazin "Nature" erschienen.

Wirkstoff Imidacloprid hat negative Effekte

Um herauszufinden, ob Neonicotinoide einen negativen Effekt auf die Populationen von insektenfressenden Vogelarten haben, verglichen Forscher aus den Niederlanden in einer Metastudie die Daten aus einer langjährigen Vogelzählung und aus Wasseruntersuchungen für den Zeitraum von 2003 bis 2010.
 
Dabei konnten sie statistisch signifikante Zusammenhänge zwischen der Neonicotinoid-Konzentration und dem Vogelbestand erkennen. Auf 14 der 15 untersuchten Vogelarten wirkte sich das Vorhandensein von Imidacloprid im Wasser negativ aus. Ab einer Konzentration von 19,43 Nanogramm (ng) pro Liter konnten die Wissenschaftler einen Schwund in den Vogelpopulationen von 3,5 Prozent (%) pro Jahr in den betroffenen Gebieten ausmachen.

Wie kommt es zu den abnehmenden Zahlen?

Die Forscher vermuten, dass es zu absinkenden Zahlen in der Vogelpopulationen kommt, weil das Gift durch seine lange Verweildauer nicht nur Schädlinge abtötet, sondern auch viele unbeteiligte Insektenarten. So sinkt die Individuenzahl der Insekten allgemein.
 
Alle 15 untersuchten Vogelarten füttern ihre Jungen mit Insekten, neun Arten leben auch als ausgewachsene Vögel von ihnen. Die Forscher vermuten daher, dass die Vögel in Gegenden, wo die Imidacloprid-Konzentrationen im Wasser den kritischen Bereich überschreiten, nicht mehr genug Nahrung finden, um ihre Jungen durchzufüttern.

Wissenschaftler fordern Neubewertung

Die EU hat die Verwendung von Imidacloprid bereits 2013 eingeschränkt, zum Beispiel ist die Saatgut-Behandlung von Raps mit verschiedenen Neonicotinoiden verboten. Allerdings zielen diese Beschränkungen in erster Linie auf den Bienenschutz und gelten vorerst nur für die Dauer von zwei Jahren.
 
Die Wissenschaftler fordern daher von der Gesetzgebung dringend eine Neubewertung für die Verwendung von Neonicotinoiden in der Landwirtschaft.

Neonicotinoide sind selektiv wirkende Gifte

Neonicotinoide werden häufig als Beize für Saatgut verwendet. Die Pflanze nimmt den Wirkstoff auf und verteilt ihn in ihrem Gewebe. Somit sind alle Pflanzenteile gegen Insektenfraß geschützt. Untersuchungen haben allerdings ergeben, dass von der Beize lediglich fünf Prozent in die Pflanze wandern.
 
Ein Prozent wird vom Wind verdriftet, berichtet Pflanzenschutz.de. Die restlichen 94 % gelangen in den Boden und in Oberflächengewässer. Untersuchungen zeigten, dass sie sich dort bis zu 1.000 Tagen halten können, ehe sie abgebaut werden.
 
Synthetisch hergestellte Neonicotinoide werden seit den Neunziger Jahren im Gartenbau und in der Landwirtschaft verwendet. Sie wirken auf das zentrale Nervensystem von Insekten und deren Larven, indem sie an einen bestimmten Rezeptor binden. Bei Säugetieren und Vögeln binden Neonicotinoide wesentlich weniger stark an die vergleichbaren Rezeptoren, sodass sie für Wirbeltiere lange Zeit als weitgehend ungefährlich galten.
 
Neonicotinoide werden deshalb als selektiv wirkende Gifte bezeichnet. Nachdem es 2008 im Oberrheingraben durch ein Neonicotinoid zu einem massiven Bienensterben gekommen war, wurden in Deutschland das Beizen von Maissaatgut mit verschiedenen gebräuchlichen Neonicotinoiden verboten.   

Vegetationsreport: Der Quecke an die Wurzel gehen

Auch interessant