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Düngeverordnung

Niedersachsen: Fast jede zweite Messstelle hat gravierende Mängel

Nitratmesstellen
am Mittwoch, 01.04.2020 - 11:45 (1 Kommentar)

Das Fachgutachten im Auftrag des Landvolkverbands zeigt Mängel am bautechnischen Zustand vieler Messstellen und stuft das gesamte Nitrat-Messnetz als wenig repräsentativ ein. Der Verband fordert eine Überprüfung der roten Gebiete. Die Ergebnisse liefern Argumente für die Klage gegen die erneute Änderung der Düngeverordnung.

Dieses Ergebnis hat ein Fachgutachten des Büros Hydor Consult aus Berlin ergeben. „Die Ergebnisse sind aus unserer Sicht erschreckend und bestärken uns in unserer Kritik an dem bisherigen System“, sagt Landvolkpräsident Albert Schulte to Brinke. Er fordert eine grundlegende Überprüfung der Messstellen, einen Neuzuschnitt des gesamten Messnetzes und eine fundierte Überarbeitung der Gebietsausweisung.

648 Messstellen überprüft

Das Gutachten hat 41 Grundwasserkörper mit den zugehörigen Teilräumen analysiert. Das Ergebnis: Die geringe Dichte der Messstellen sei nicht repräsentativ. Die ausgewiesenen Messstellen bilden nicht die reale Landnutzung ab.

Das unterirdische Fließverhalten des Grundwassers werde zudem bei der Abgrenzung der Grundwasserkörper nicht ausreichend beachtet. 648 Messstellen wurden konkret auf ihre Qualität überprüft, parallel die auf Basis dieser Stellen beruhende Zustandsbeschreibung nach EU-Recht.

190 von 648 Messtellen mangelhaft

190 der 648 überprüften Messstellen weisen demnach gravierende Mängel auf und weitere 194 noch geringe Mängel. In 264 Fällen sei die Dokumentation der Ausbaupläne für eine Bewertung unzureichend. Deshalb seien belastbare Aussagen zur Nitratbelastung nicht möglich.

Das Büro Hydor  sieht nach einem Vergleich der Messnetze europäischer Nachbarländer und der Schweiz mit dem in Deutschland eine nachteilige Behandlung der betroffenen deutschen Landwirte.

Gesicherte und präzise Daten nötig

„Wir Landwirte stehen zu unserer Verantwortung für den Gewässerschutz“, sagt Schulte to Brinke. Dazu müssten gesicherte, glaubhafte und präzise Daten vorliegen. Gerade vor der großen Bedeutung, die dem Ergebnis jeder einzelnen Messstelle bei der Festlegung der Düngeauflagen in roten Gebieten zukomme, müsse deren Aussagekraft absolut unangreifbar sein.

Die Landwirte müssen sich darauf verlassen können, dass schlechte Messstellenwerte auch valide sind. Dem Messnetz kommt eine Schlüsselfunktion beim Wasserschutz zu. Die abgeleiteten Vorgaben zur Flächenbewirtschaftung müssen daher sehr sorgfältig begründet sein.

Vom Landvolk in Auftrag gegeben

Das von Dr. Stephan Hannappel erarbeitete Gutachten haben 23 Kreisverbände im Landvolk Niedersachsen mit der Landesgeschäftsstelle in Auftrag gegeben. Es trägt den Titel „Evaluierung der Einstufung von 41 Grundwasserkörpern in den schlechten chemischen Zustand wegen Nitrat für den zweiten Bewirtschaftungsplan nach EG-WRRL in 2015 durch den NLWKN“.

Die Ergebnisse wurden Umweltminister Olaf Lies und Landwirtschaftsministerin Barbara Otte-Kinast bereits vorab übermittelt. Im direkten Gespräch will das Landvolk seine Kritik gegenüber den beiden Ministern sowie dem NLWKN als zuständiger Fachbehörde erläutern.

 

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