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Trockenheit 2022

Noternte im Getreide: Landwirte ziehen die Reißleine

Wintergerste unter Trockenstress
am Freitag, 01.07.2022 - 17:30 (Jetzt kommentieren)

In Teilen Deutschlands ist es immer noch viel zu trocken. Die Wintergerste wird nicht richtig reif, so dass Bauern die Kultur vor der Zeit vom Acker holen. Noternte bedeutet: retten, was zu retten ist.

Kurz gesagt: Der Juni war zu trocken und zu warm. Aber sieht man sich die Regionen genauer an, gibt es Unterschiede. Vor allem der Osten Deutschlands ächzt unter der Dürre. Aber auch Teile Niedersachsens haben zu wenig Regen bekommen. Und je nach Niederschlagsmenge sind auch die Folgen unterschiedlich. So mussten Landwirte in Teilen Mecklenburg-Vorpommerns bereits mit einer Noternte in der Wintergerste beginnen.

Hier hat die Wintergerste zu wenig Wasser und zuviel Hitze im Juni bekommen. Auch wenn man es nicht gleich sieht - die Getreidekörner haben sich nicht zu Ende entwickelt, der ganze Halm ist lediglich vergilbt. Damit einher geht der Verlust der Stabilität. Die Halme zerbröseln geradezu in der Hand. Der Ertrag verdorrt wie der Boden. Landwirten bleibt bei der Notreife nicht viel. Im schlimmsten Fall: Das Feld abernten, das Getreide häckseln und an Biogasanlagenbetreiber verkaufen.

Ernteverlust regional bis 40 Prozent

Zwischen 20 und 40 Prozent könnten die Verluste groß sein, schätzt der Bauernverband Mecklenburg-Vorpommern. Auch in einigen Regionen Brandenburgs, Thüringens und Sachsens ist die Gerste bereits notreif. Damit beginnt auch hier die Ernte mindestens eine Woche früher als üblich. Wieviel schlechter die Ernte wird, ließe sich noch nicht abschätzen, so der Landesbauernverband. „Sollte die Hitzewelle weiter anhalten, besteht die Gefahr, dass in einigen Regionen vor allem auch beim Winterweizen Ertrags- und Qualitätsverluste auftreten“, heißt es aus dem sächsischen Landwirtschaftsministerium.

Nach dem Getreide geht es um Kartoffel, Gemüse und Obst

Sorge bereitet nach der Wintergerste der Winterweizen. Und nicht nur der Getreideanbau leidet unter Wassermangel. Kartoffeln blühen gerade und sind gerade jetzt auf eine ausreichende Wasserversorgung angewiesen. Bleibt sie aus, bleiben die Knollen klein. Wer nicht bewässern kann, hat das Nachsehen. Ähnliches gilt für Gemüse und Obst im Freilandanbau. Obstbaumkulturen sind im Juli und August auf regen angewiesen; sonst bleiben auch hier die Früchte klein.

Durchschnittstemperatur und fehlende Niederschläge

Der Deutsche Wetterdienst (DWD) meldete, dass die Durchschnittstemperatur im Juni bei 18,4 Grad lag. Das sind drei Grad über dem Wert der international gültigen Referenzperiode 1961 bis 1990. Im Vergleich zur aktuellen und wärmeren Periode 1991 bis 2020 sind es plus zwei Grad. Laut DWD war es der sechstwärmste Juni seit Messbeginn. Der wärmste Juni 2019 brachte durchschnittlich 19,8 Grad. Hinzu kommen fehlende Niederschläge und viel Sonnenschein. Im Juni fiel mit gut 60 Litern pro Quadratmeter knapp ein Drittel weniger Regen als im Referenzzeitraum.

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